Die Pharmabranche in Deutschland

Die Pharmabranche ist ein wesentlicher Baustein des Gesundheitssystems in Deutschland. Die von ihr entwickelten Arzneimittel und Impfstoffe tragen entscheidend dazu bei, Krankheiten wie zum Beispiel Krebs, HIV oder COVID-19 immer effektiver in ihre Schranken zu weisen. Mit einem Umsatz von rund 43 Mrd. Euro und mehr als 143.000 Beschäftigten (BPI Pharma-Daten 2021) ist sie zusätzlich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber.

Die wichtigsten Zahlen und Fakten zur Branche im Überblick:

Die Pharmaindustrie ist eine der forschungsintensivsten Branchen Deutschlands. Im Jahr 2018 reinvestierte sie 13,2 Prozent ihres Umsatzes aus eigenen Erzeugnissen in interne Projekte der Forschung und Entwicklung (F&E). Damit liegt die Pharmaindustrie vor Branchen wie dem Automobil-, Luft-/Raumfahrzeug- und Maschinenbau sowie der chemischen Industrie. (s. Expertenkommission für Forschung und Innovation, 2021)

Die Entwicklung neuer Medikamente ist komplex und langwierig. „Die unfassbare Erfolgsgeschichte bei der Entwicklung von mehreren hochwirksamen, sicheren, sehr gut verträglichen und qualitativ hochwertigen Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 in weniger als 12 Monaten in den Jahren 2020 und 2021 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Regel bei der Medikamentenentwicklung von rund 10.000 Molekülen, die am Anfang als Wirkstoff in Frage kommen könnten, weil sie ein krankheitsrelevantes Ziel im Organismus beeinflussen, es in der Regel nach etwa acht bis zwölf Jahren gerade eine Substanz den behördlichen Zulassungsprozess erfolgreich zu absolvieren schafft“, heißt es in den BPI Pharma-Daten 2021.

Tatsache ist: In der Forschung und Wissenschaft finden sich die Antworten, um kranke Menschen besser und erfolgreicher behandeln zu können. Die Grafik zeigt beispielhaft, wie Arzneimittel-Innovationen in ihren Indikationen medizinische Revolutionen (wie bei Hepatitis C) ausgelöst, bzw. deren ständige Weiterentwicklung (wie bei Diabetes) die Versorgung kranker Menschen kontinuierlich verbessert haben:

Hepatitis C war bis 2014 eine schwer behandelbare Erkrankung. Acht bis zwölf Wochen dauert die medikamentöse Therapie mit der jüngsten Generation direkt wirkender antiviraler Wirkstoffe. Die Heilung ist fast garantiert.

HIV war Ende der 1980er Jahre ein Todesurteil. Die Sterblichkeit ist dank moderner Therapien um über 90 Prozent zurückgegangen.

Auch Menschen mit Diabetes oder kardiovaskulären Erkrankungen profitieren von der modernen Medizin und innovativen Präparaten.

Beeindruckend ist auch der Rückgang der altersstandardisierten Sterblichkeit bei Krebs. Hier greifen gleich mehrere Faktoren: mehr Prävention, mehr Screenings und Testungen, bessere Behandlungsmethoden mit immer gezielteren Therapieansätzen. All das hat dazu beigetragen, dass sich die altersstandardisierte Sterblichkeit von Männern in Europa allein seit 2015 um 6,6 Prozent und bei Frauen um 4,5 Prozent verringert hat (s. Annals of Oncology). Neue Krebsmedikamente haben daran einen wichtigen Anteil: Diverse Studien belegen ihren Beitrag zu höherer Lebenserwartung und verringerten Ausgaben in anderen Sektoren, wie zum Beispiel bei Krankenhaustagen.

Das zeigt: Der Nutzen moderner Medizin und innovativer Arzneimittel geht über die einzelnen Patient:innen hinaus. Gesundheitsausgaben können gerade in einer alternden Gesellschaft eine Investition in deren Zukunftsfähigkeit, in deren Wirtschaft und Wohlstand sein. Denn Menschen, die nicht krank sind, können arbeiten, Steuern zahlen, konsumieren und auch ehrenamtlich der Gesellschaft einen Dienst leisten.

Jeder zehnte Euro, den die gesetzlichen Krankenkassen ausgeben, kommt pharmazeutischen Entwicklern und Herstellern für den Verkauf ihrer Arzneimittel zugute – insgesamt waren es im Jahr 2020 29,22 Milliarden Euro. Dafür wurden 693 Millionen Verordnungen getätigt; das sind rund 1.318 pro Minute.

Werden Großhandel und Apotheken (Distribution) sowie Mehrwertsteuer eingerechnet, machen die Arzneimittelausgaben insgesamt 16,45 Prozent der GKV-Gesamtausgaben aus – ähnlich wie schon vor rund 50 Jahren (1969: 16,62 %). In den Pharma-Daten 2021 erklärt der BPI beispielhaft: „Kostet ein Arzneimittel zum Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers einen Euro, muss man darauf die Großhandelsmarge, die Apothekenmarge sowie 19 Prozent Mehrwertsteuer addieren. Als Apothekenverkaufspreis ergeben sich so fast 12 Euro.“ In den Zahlen sind die Abzüge durch Patientenzuzahlungen, Zwangsabschläge jeder Art und freiwillige Rabatte noch nicht berücksichtigt.

Quellen: BPI Pharma-Daten 2021

In Deutschland sind laut dem Statistischen Bundesamt 546 pharmazeutische Unternehmen für das Jahr 2019 gemeldet.

Fast 91 Prozent der Arzneimittel herstellenden Unternehmen beschäftigen weniger als 500 Mitarbeiter:innen.

143.166 Personen sind hierzulande in Unternehmen beschäftigt, die pharmazeutische Erzeugnisse herstellen (Stand 2019).

Im Jahr 2020 betrug der Umsatz der Branche in der Bundesrepublik rund 43 Milliarden Euro.

Quellen: BPI Pharma-Daten 2021

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Kommentar

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