
Erinnerungen sind ein Teil unserer Persönlichkeit; sie erzählen uns, woher wir kommen, wen wir geliebt haben, was uns prägt und warum uns bestimmte Dinge wichtiger sind als andere: Sie sind die Brücke zwischen unserer Vergangenheit und der Gegenwart. Verlieren wir Erinnerungen, wie es bei Demenzerkrankungen wie Alzheimer der Fall ist, verlieren wir uns. „Ich habe mich sozusagen selbst verloren“ – das soll Auguste Deter zu ihrem Arzt gesagt haben. Das war im Jahr 1901; sie war die erste klinisch dokumentierte Patientin von Dr. Alzheimer, der der Krankheit den Namen gab.
Was uns Angst macht, dem gehen wir aus dem Weg. Das gilt insbesondere auch für die Alzheimer-Erkrankung. Tabuisieren ist aber – und das gilt gerade in der Medizin – selten eine gute Idee. Weil der Gedanke vorherrscht, dass man eh nichts tun könne (falsch) und dass solche Erkrankungen halt eine normale Folge des Alterns seien (auch falsch), laufen wir in der Versorgung der Betroffenen hinter den heutigen Möglichkeiten her. Demenzerkrankungen werden bis heute vor allem als pflegerische Herausforderung gesehen und behandelt. Das aber greift zu kurz und verursacht viel unnötiges Leid. Es stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, den Krankheitsverlauf, die Lebensqualität und die Selbstständigkeit der Betroffenen mit dieser nicht heilbaren Erkrankung durch Prävention, moderne Diagnostik, Therapie und psychosoziale Betreuung positiv zu beeinflussen. Die Therapie von Demenzerkrankung ist eine der großen ungenutzten Chancen der medizinischen Versorgung.
Die Kampagne: Gehirngesundheit im Fokus
Genau hier setzt die Kampagne von Lilly Deutschland an, die das Unternehmen zum Welt-Alzheimer-Monat September gestartet hat. „Bevor Du es vergisst“ will Erinnerungen erlebbar machen und gleichzeitig aufklären. Die im Kölner Mediapark eröffnete Radio Memory Station (noch bis zum 29.9.) erschafft Fotos von Ereignissen, die in unserem Leben prägend waren, von denen es aber keine Bilder gibt. Basis ist ein Interview, aus dem eine Künstliche Intelligenz ein Foto generiert. Über die Motivation dieser Kampagne sagt Jörg Schaub, der bei Lilly den Geschäftsbereich Neurowissenschaften leitet: „Therapien und Diagnostik zu entwickeln, ist das eine, aber bis das dann wirklich bei den Menschen ankommt, ist das andere.“
Und weil Alzheimer eine Erkrankung ist, die sich über 20 Jahre entwickeln kann, bevor es überhaupt eine Diagnose gibt, ist das Präventionspotenzial enorm: 14 vermeidbare Risikofaktoren gibt es, die theoretisch fast die Hälfte der Demenzfälle vermeiden oder wenigstens verzögern könnten.
Doch wenn es um Gehirngesundheit geht, sind die meisten von uns wohl Anfänger. Schaubs Botschaft: „Wer selbstbestimmt altern will, kann wirklich etwas tun – das ist die gute Nachricht.“
Demenz-Diagnosen: Je früher, desto besser

Und das je früher, desto besser, wie der Kölner Internist Dr. Christian Flügel-Bleienheuft betont. Er empfiehlt Menschen, die Zweifel an ihren kognitiven Kapazitäten haben, einen Gedächtnistest, der zuhause und in Ruhe gemacht werden kann (auf meinegehirngesundheit abrufbar) – und der Grundlage sein kann für ein Gespräch mit dem medizinischen Fachpersonal. Wichtig ist ihm, dass den Betroffenen dann auch Wege aufgezeigt werden, wie sie mit ihrer Diagnose umgehen können: „Mit Empathie Möglichkeiten der Unterstützung und Therapie anbieten – darum geht es.“ Und auch er betont die Notwendigkeit, bei der Prävention durchzustarten. „Da müssen wir deutlich verbessern, weil wir damit Folgeerscheinungen, -krankheiten und -kosten deutlich verringern können.“ Seit 2025 gibt es erstmals in der Geschichte dieser Krankheit Arzneimittel, die das Krankheitsgeschehen beeinflussen können. Sie müssen aber in der frühen Phase der Erkrankung zum Einsatz kommen – weshalb frühe Diagnosen noch wichtiger sind.
Eigentlich sind die (theoretischen) Pfade für eine gute Demenzversorgung vorhanden. Die medizinische Leitlinie, 2023 neu aufgesetzt und in diesem Jahr aktualisiert, ist der Leitfaden für eine umfassende, eine gute Versorgung. Doch die Herausforderung ist: Wie bekommt man die auf die Straße? „Dazu brauchen wir vernetzte Akteure“, sagt Flügel-Bleienheuft. In Köln haben sie dafür ALFie ins Leben gerufen – das steht für Alzheimer-Leitliniengerechte Früherkennung in Köln. Die Idee dahinter sind standardisierte Behandlungspfade zwischen den jeweiligen Akteuren im System; ALFie will einen nahtlosen Diagnose- und Versorgungsprozess garantieren. Der Kölner Internist sagt: „Unser Gesundheitssystem funktioniert ja momentan so: Jeder hat Zugang zu allem, aber keiner kommt krankheitsorientiert zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle.“ Mit ALFie etabliert sich in Köln eine Art Lotse, der die Betroffenen und ihre Angehörigen in dieser schweren Zeit an die Hand nimmt.
Gehirngesundheit aus der Tabuzone holen
Die Evidenz für das Präventionspotenzial bei Demenzerkrankungen ist sehr gut, aber „es wird so wenig gemacht“, sagt Jörg Schaub. „Es ist wirklich tragisch, wie wenig wir für Prävention ausgeben und wieviel deswegen in den Reparaturbetrieb gesteckt werden muss.“ Das zu ändern, das weiß er, „ist ein dickes Brett.“ Gehirngesundheit, so Flügel-Bleuenheuft, muss eine Selbstverständlichkeit werden. „Die müssen wir aus der Tabuzone holen.“
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Demenzerkrankungen: „riesiges Potenzial für Prävention“
Demenzerkrankungen nehmen zu – das ist die Folge einer alternden Gesellschaft. Doch sie sind kein unabwendbares Schicksal, dem man sich tatenlos ergeben muss. Fast jeder zweite Demenzfall kann auf vermeidbare Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Hörverlust, Alkohol oder Tabak zurückgeführt werden: Das Potenzial für Prävention ist enorm. Das forschende Pharmaunternehmen Lilly startet deshalb im September die Kampagne „Bevor Du es vergisst: Gehirngesundheit aktiv gestalten“. Wir sollten unserem Gehirn mehr Aufmerksamkeit schenken, so die Botschaft. Am 21. September ist Welt-Alzheimer-Tag.

„Biotechs entwickeln innovative Alzheimer-Medikamente“
„Da die ältere Bevölkerung weltweit wächst, steigt auch der Druck, den noch offenen Behandlungsbedarf bei der Alzheimer-Krankheit anzugehen“, schreibt das Auftragsforschungsinstitut IQVIA Biotech in einem Whitepaper. Der Blick in das Papier zeigt: Die Pipelines biopharmazeutischer Unternehmen sind gut gefüllt – mit unterschiedlichen Wirkstoffansätzen.

Gewonnene Zeit – Durchbruch in der Alzheimertherapie
Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab. Das sind Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München (EGKM) gingen Expert:innen der Frage nach, was das für die Versorgungsstrukturen, für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen bedeutet. Denn klar ist auch: Eine Heilung ist die neue Therapie nicht.
