Die Fakten
- Weltweit laufen 164 klinische Studien mit 127 Arzneimittelkandidaten gegen die Alzheimer-Krankheit.
- Die Misserfolgsquote von Phase 2- und Phase 3-Studien liegt historisch betrachtet bei 98 Prozent.
- Zurzeit sind in Europa zwei krankheitsmodifizierende, monoklonale
Antikörper zur Behandlung der frühen Alzheimer-Erkrankung zugelassen. - In Deutschland liegt die Zahl der Alzheimer-Erkrankten bei rund 1,8 Millionen Menschen.
164 aktive klinische Studien mit 127 Arzneimittelkandidaten gegen die Alzheimer-Krankheit: Auf diese Zahl kam ein US-amerikanisches Wissenschaftler:innen-Team, als es die Datenbank clinicaltrials.gov durchforstet hat. 60 Prozent dieser Studien sind von der pharmazeutischen Industrie beauftragt; viele von ihnen finden in Form von Partnerschaften verschiedener Unternehmen statt. Das ist nur clever: Schließlich ist die Alzheimer-Forschung bekannt als ein besonders herausforderndes Unterfangen. Die Misserfolgsquote von Phase 2- und Phase 3-Studien liegt hier historisch betrachtet bei 98 Prozent, schreibt IQVIA Biotech. Es gilt also Ressourcen, Kräfte, kluge Köpfe zu bündeln, um das zu ändern und das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.
Von den 127 untersuchten Präparaten beruhen 88 auf ganz neuartigen Wirkstoffen – sie haben also noch nirgends eine Zulassung, auch in keiner anderen Indikation. „Fast alle dieser Kandidaten unterscheiden sich in ihrem Wirkmechanismus“, heißt es im Whitepaper. Darunter sind etwa Therapien, die sich den für die Alzheimer-Demenz typischen Eiweißablagerungen im Gehirn widmen. Auch die Kombination mehrerer Therapien ist Gegenstand von Untersuchungen.
Biomarker: Darum sind sie wichtig bei Alzheimer

Die Wissenschaft weiß heute: Die zugrundeliegenden Krankheitsprozesse im Gehirn der Betroffenen nehmen zum Teil bereits rund 20 Jahre vor ersten offensichtlichen Demenz-Anzeichen ihren Lauf. Daher gilt: „Um das Fortschreiten einer Alzheimer-Demenz zu verlangsamen oder zu verhindern, müsste eine wirksame, sichere therapeutische Intervention so früh wie möglich zum Einsatz kommen, mindestens ein Jahrzehnt, bevor kognitive Symptome zu erwarten sind.“ Möglich ist das nur, wenn Biomarker-Tests im Zuge der Diagnostik verwendet werden – das sind Untersuchungen, die frühzeitig bestimmte Krankheitsprozesse wie die typischen Eiweißablagerungen ersichtlich machen sollen. „Allerdings kamen bei 38 Prozent der Alzheimer-Studien im Jahr 2024 zu Studienbeginn keinerlei Biomarker zum Einsatz“, so IQVIA Biotech. Verstärkt auf Biomarker zu setzen – darin sieht das Dienstleistungsunternehmen eine Möglichkeit, um der Forschung einen weiteren Schub zu geben.
Insgesamt zeigt der Blick auf die Pipelines aber schon heute: Die Hoffnungen auf medizinische Fortschritte sind durchaus berechtigt. Erst 2025 wurden zwei neuartige Antikörper-Präparate in Deutschland verfügbar – sie können „im Frühstadium und nach aufwendiger Diagnose durch Liquor-Untersuchung oder PET-Scan sowie nach einem Gentest eingesetzt werden“, betont der vfa. Sie sind ein Durchbruch – auch weil die letzte Medikamenten-Zulassung mehr als 20 Jahre zurückliegt.
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