Leandra

Bei der immer wieder diskutierten Abschaffung bestehender Orphan Drug-Regeln im AMNOG geht es nicht um ein „Privileg“; es geht um Sparmaßnahmen, die potenziell die Versorgung der Patient:innen verschlechtern könnten. Mehr sprachliche Präzision in der Debatte wäre daher mehr als angebracht. Foto: iStock.com / gorodenkoff

Wenn Worte Politik machen: Das irreführende Narrativ vom Orphan Drug-„Privileg“

Medikamente gegen seltene Erkrankungen – die „Orphan Drugs“ – genießen im deutschen System der Arzneimittel-Nutzenbewertung und -Preisverhandlung ein „Privileg“, so heißt es immer wieder. Von einem „fiktiven“ Zusatznutzen ist oft die Rede. Beides stimmt nicht: Dennoch hat sich diese Ausdrucksweise selbst in Expertenkreisen etabliert. Das ist ein Problem: Denn Sprache formt Wirklichkeit – und könnte zu politischen Entscheidungen führen, die die Versorgung der Patient:innen verschlechtern. Daher braucht es dringend mehr sprachliche Präzision in der Debatte, kommentiert Pharma Fakten-Redakteurin Alina Massari.

66 Vorschläge und viel Gegenwind: Prof. Dr. Thomas Hammerschmidt von der TH Rosenheim ordnet im Interview die GKV-Spar-Empfehlungen einer Expertenkommission ein.

Krankenkassen-Reform: „Alle müssen etwas beitragen“

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat die Qual der Wahl: Ihr liegen 66 Vorschläge zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor. Doch welche davon sollte sie umsetzen? Und wie sehr müssen dabei die pharmazeutische Industrie und andere Beteiligte in die Pflicht genommen werden? Darüber haben wir mit Prof. Dr. Thomas Hammerschmidt gesprochen, Dekan der Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften an der Technischen Hochschule Rosenheim.

Der Return of Investment im Bereich von Erwachsenen-Impfstoffen beträgt 19 zu 1. Doch die Impfquoten gehen zurück – mit teilweise besorgniserregenden Trends. Foto: ©iStock.com/Jatuporn Tansirimas

Erwachsenen-Impfungen: 1 Euro ausgegeben, 19 Euro gewonnen

Der Return of Investment (ROI) im Bereich von Erwachsenen-Impfstoffen beträgt 19 zu 1. Soll heißen: Für jeden in die Hand genommenen Euro entstehen gesamtgesellschaftliche Erträge von 19 Euro. Denn Impfstoffe können weit mehr als Menschen zu schützen. Jeder vermiedene Krankheitsfall schont die Gesundheits- und Sozialsysteme, kann Produktivitätsverluste mindern und gerade in alternden Gesellschaften die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes nachhaltig stärken. Doch die Impfquoten gehen zurück – mit teilweise besorgniserregenden Trends.

Von wegen zu faul: Noch nie haben in Deutschland mehr Menschen gearbeitet, so der Pharmaverband vfa. Allerdings gibt es Hürden, die vor allem Frauen davon abhalten ihr Potenzial auszuschöpfen. Foto: iStock.com / gorodenkoff

Arbeitsmarkt: „Deutschland ist so fleißig wie nie“

Zu viel „Lifestyle“-Teilzeit? Zu faul? Viele Vorurteile über die Arbeitseinstellung der Deutschen haben weder Hand noch Fuß. Das zeigt eine Analyse des Pharmaverbands vfa. Demnach sind so viele Menschen erwerbstätig wie noch nie. Zwar arbeiten viele von ihnen in reduzierter Stundenzahl: Doch das hat wohl weniger mit der individuellen Motivation zu tun, sondern eher mit den Rahmenbedingungen, die es insbesondere Frauen erschweren, ihr berufliches Potenzial auszuschöpfen. Die Politik ist gefragt, Hürden abzubauen.

Die FinanzKommission Gesundheit empfiehlt der Politik, zur GKV-Finanzstabilisierung den Herstellerabschlag für patentgeschützte Arzneimittel zu erhöhen und zu dynamisieren: Das könnte volkswirtschaftlich mehr schaden als nützen. Foto: ©iStock.com/BitsAndSplits

Herstellerabschlag: Warum diese Arzneimittel-Sparpläne ganz Deutschland schaden

Im Gesundheitswesen soll gespart werden. Im Raum steht, den Herstellerabschlag für patentgeschützte Arzneimittel zu erhöhen. Ein neu veröffentlichtes Gutachten des BASYS-Instituts zeigt: Das würde volkswirtschaftlich mehr schaden als nützen. Der Bericht kommt genau zur richtigen Zeit: Schließlich will das Bundesgesundheitsministerium „sehr zeitnah ein Gesetzgebungsverfahren einleiten“, um kurzfristig wirkende Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen umzusetzen. Die Gefahr ist, dass sie die Gesundheitsversorgung, Wirtschaft und Innovationskraft Deutschlands schwächen.

„Europa gelingt es nur schwer, seine Forschungsleistung in Investitionen, klinische Studien und neue Medikamente umzusetzen. Dabei ist genau das entscheidend für bessere Gesundheit und wirtschaftliches Wachstum“, so EFPIA. Foto: ©iStock.com/Nadzeya Haroshka

Mehr Spitzenforschung: Europas 100 Milliarden Euro-Chance

Ohne die Pharmaindustrie würde sich der Handelsbilanzüberschuss der Europäischen Union (EU) in Höhe von 133 Milliarden Euro in ein Defizit von 88 Milliarden Euro verwandeln. Das zeigt, wie wichtig die Branche ist. Doch in vielen Bereichen lässt die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu wünschen übrig, gerade im Vergleich zu den USA oder China. Der Pharmaverband EFPIA hat dazu eine Analyse veröffentlicht. Angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen sollte sie ein Weckruf sein.

Innovationsrückstand

Die Europäische Union (EU) weist z. B. im Vergleich zu den USA einen deutlichen Innovationsrückstand bei Arzneimitteln auf. Das heißt: In Europa sind die Zulassungsprozesse i. d. R. länger und neue Arzneimittel sind nur verzögert oder gar nicht verfügbar.

Virotherapie

Virotherapie (genauer: onkolytische Virotherapie) ist eine moderne Behandlungsform, die gezielt speziell entwickelte Viren einsetzt, um Krebszellen zu infizieren und zu zerstören. Außerdem kann die Virotherapie das Immunsystem gegen den Tumor aktivieren.

Krebs in Europa: Mehr Investitionen – mehr Leben

Sind Krebserkrankungen bald die häufigste Todesursache in Europa und lösen die Herzkreislauf-Erkrankungen als Killer Nr. 1 ab? Davon geht das renommierte Swedish Institute for Health Economics (IHE) aus. Schon heute ist fast jeder vierte Todesfall in Europa (23 Prozent) auf eine Tumorerkrankung zurückzuführen – Tendenz steigend. Das zeigt: Die Länder müssen ihre Anstrengungen in den Bereichen Prävention, Früherkennung, Diagnose und Behandlung verstärken. Das Geld wäre gut investiert.

Auf dem CAR-T Congress in Berlin kamen Patient:innen und Expert:innen unter anderem aus Wissenschaft, Klinik, Kostenträgern und Industrie zusammen, um darüber zu sprechen, wie die Versorgung der Patient:innen mit CAR-T-Zelltherapien verbessert werden kann. Foto: iStock.com/:Jacob Wackerhausen

Krebs zurückgedrängt: „Ich bin hier, weil es die CAR-T-Zelltherapie gibt.“

CAR-T-Zelltherapien können das Leben von Menschen mit hochaggressiven Blutkrebserkrankungen auf den Kopf stellen, zunehmend sogar Hoffnung auf Heilung geben. So wie bei Jan Leidecker, der seine bewegende Geschichte auf dem „CAR-T Congress 2026“ des LAWG Deutschland e.V. in Berlin erzählte. Dort kamen Patient:innen und Fachleute aus Medizin, Wissenschaft, Industrie und Kostenträgern zusammen, um über das Potenzial dieser besonderen Behandlungsform zu sprechen. Alle waren sich einig: Im deutschen Gesundheitssystem muss sich einiges ändern, damit die Versorgung besser wird – und die Bundesrepublik beim medizinischen Fortschritt mithält.

© Pharma Fakten e.V.
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