Grippeimpfung: Luft nach oben beim Klinikpersonal

„Die jährliche Impfung gegen saisonale Influenza ist die wichtigste Maßnahme zur Prävention einer Influenza-Erkrankung (Grippe) und ist für medizinisches Personal empfohlen“, so das Robert Koch-Institut (RKI). Doch aus einer Umfrage unter rund 15.000 Klinikmitarbeitenden in Deutschland geht hervor: Nur rund 58,6 Prozent von ihnen haben sich in der Saison 2022/2023 impfen lassen. Ein Grund: Wissenslücken.

„In medizinischen und pflegerischen Einrichtungen, die einen hohen Anteil vulnerabler Personen und ein hohes Ausbruchspotenzial aufweisen, ist es besonders relevant, die Weiterverbreitung von Infektionskrankheiten einzuschränken“, betont das RKI in einem Bericht. Die Grippeschutzimpfung diene „dem individuellen Schutz des Personals vor der Erkrankung, reduziert aber auch die Weiterverbreitung des Virus im Krankenhaus.“ 

Trotz dieser Tatsache ist nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen, die in Deutschlands Krankenhäusern arbeiten, gegen Influenza geimpft. „Männer haben die Impfung häufiger in Anspruch genommen als Frauen (63.8 % vs. 56.8 %) und die Impfquote steigt mit zunehmender Altersgruppe“, fasst das RKI zusammen. Unterschiede sind zudem mit Blick auf die Berufsgruppen erkennbar: Unter den Ärzt:innen entschieden sich fast 81 Prozent dazu, sich immunisieren zu lassen – beim Pflegepersonal waren es nur rund 51 Prozent.

Impfen? Aufklärung von Falschinformationen!

Impfen? Aufklärung von Falschinformationen!
Aufklärung von Falschinformationen: Todesfälle verhindern. Foto: ©iStock.com/www.fotogestoeber.de

„Als Gründe gegen die Impfung gaben die ungeimpften Teilnehmenden am häufigsten an, dass der Schutz durch die Kolleg:innen ausreichend sei. Daneben spielten diverse Sicherheitsbedenken eine Rolle“ – genannt wurde etwa die Sorge, dass eine Impfung die Grippe selbst auslöst. Doch „Fakt ist: Die Influenza-Impfung kann die Influenza-Erkrankung, gegen die sie schützen soll, nicht auslösen“, schreibt das RKI. Zwar könne es „gelegentlich zu Fieber, Muskel- oder Gliederschmerzen kommen.“ Tatsächlich seien diese Symptome jedoch nur „ein Anzeichen für die Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff. Die Beschwerden klingen in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder ab.“

Laut RKI wurde in der Umfrage deutlich, „dass ein erheblicher Anteil des Klinikpersonals zu Fragen der Sicherheit der Influenzaimpfung falsch oder ungenügend informiert war.“

  • So gaben zum Beispiel über 40 Prozent der Befragten an, „nicht zu wissen, ob eine zeitgleiche Impfung gegen Influenza und COVID-19 das Immunsystem überlaste (falsch)“.
  • Fast 30 Prozent „waren sich unsicher, ob die Dosierungen der Zusatzstoffe in der Influenza-Impfung für den Menschen gefährlich sind (falsch)“.
  • Auch wussten fast 20 Prozent aller Teilnehmenden nicht, „ob die jährliche Impfung das Immunsystem auf Dauer schwäche (falsch).“

„Eine wirksame Aufklärung von Falschinformationen ist wichtig“, resümiert das RKI. Impfungen tragen dazu bei, viele Erkrankungen sowie Todesfälle zu verhindern und Krankheitsverläufe abzumildern. Allein in der Gruppe der ab 60-Jährigen könnten Schätzungen zu Folge rund 400.000 Influenza-Fälle pro Jahr in Deutschland vermieden werden. Europas Gesundheitssysteme können außerdem jährlich durch die Grippe-Vakzine bis zu 332 Millionen Euro an Kosten einsparen – weil Krankenhaus- und Arztbesuche reduziert werden. 

Grippe-Impfung: Für die 2023/2024er-Saison

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenza-Impfung unter anderem für alle ab 60-Jährige, für Schwangere, für Personen mit Grunderkrankungen wie Diabetes, für Bewohner:innen von Alters- oder Pflegeheimen sowie für Menschen, die ein erhöhtes berufliches Risiko haben, wie medizinisches Personal. Um rechtzeitig geschützt zu sein, sollte man sich im besten Fall „ab Oktober bis Mitte Dezember“ impfen lassen. Die Influenza-Impfung könnte sogar „gleichzeitig, mit einer COVID-(Booster-)Impfung verabreicht werden.“

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