Neue Biopharmazeutika: Forschung für eine bessere Medizin

Biopharmazeutika spielen in der Behandlung von Krankheiten eine seit Jahren immer größer werdende Rolle. Zum Glück, denn diese „lebenden Arzneimittel“ haben die Therapiemöglichkeiten gerade bei komplexen chronischen Erkrankungen stark verbessert. Die gute Nachricht ist: Die Forschungspipelines sind gut gefüllt – seit dem Jahr 2005 hat sich die Zahl der Wirkstoffkandidaten mehr als verdoppelt.

Sie sind komplex – und sie sind „groß“: Biopharmazeutika sind Proteine und Peptide, die in aufwendigen biotechnologischen Verfahren aus lebenden Organismen hergestellt werden. Sie sind winzige Riesen; ihre molekulare Größe – gemessen wird das in Kilodalton – kann die von Aspirin um das bis zu 100.000-fache überschreiten. Monoklonale Antikörper sind die häufigsten Biopharmazeutika, aber auch Impfstoffe, Zell- und Gentherapien oder gentechnisch veränderte Proteine zählen dazu. Nicht nur ihre Entwicklung, auch ihre Herstellung ist nichts für schwache Nerven: Schon kleinste Veränderungen im Umfeld, etwa durch Temperatur, Druck oder pH-Wert, können die Produktion beeinträchtigen.

Mit Biopharmazeutika konnten in der Behandlung von schwerwiegenden Krankheiten wie Autoimmun- oder rheumatischen Erkrankungen, Multipler Sklerose oder Krebs große Therapiefortschritte erreicht werden. „Biotechnologisch hergestellte Therapien haben über ein breites Indikationsspektrum hinweg erneut vielen Patient:innen geholfen, ein beschwerdeärmeres bzw. besseres Leben zu führen“, schreiben Dr. Matthias Meergans und Dr. Jürgen Lücke in dem Biotech-Report „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2023“, den der Pharmaverband vfa und das Consulting-Unternehmen BCG jedes Jahr herausgeben. Nahezu 400 zugelassene Produkte stehen zur Verfügung; ihr Anteil an den Neuzulassungen steigt und steigt. Im Jahr 2022 waren es fast 60 Prozent aller in der EU neu zugelassenen Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen.

Biopharmazeutika: Das Potenzial liegt in der Zukunft

Doch das große Potenzial der Biotechnologie liegt in der Zukunft – gerade in der Krebsbekämpfung erwarten Forscher:innen zum Beispiel durch die zielgerichtete Aktivierung des körpereigenen Immunsystems weitere Durchbrüche. Und: Auch für Menschen mit seltenen Erkrankungen könnte die biopharmazeutische Forschung viele neue Therapiemöglichkeiten bereithalten.

Biopharmazeutika: Die Forschungspipelines sind gut gefüllt. Foto: iStock.com/AaronAmat
Biopharmazeutika: Die Forschungspipelines sind gut gefüllt. Foto: iStock.com/AaronAmat

Die biopharmazeutische Pipeline der forschenden Unternehmen hat sich mehr als verdoppelt: 2005 waren es noch 256 klinische Entwicklungskandidaten – im vergangenen Jahr 672. Dabei stellt die Wirkstoffgruppe der rekombinanten Antikörper den größten Anteil an Entwicklungskandidaten (65 %). „Neue Antikörper-Derivate wie etwa Antikörper-Konjugate (z. B. Antibody-Drug Conjugates, ADCs), reduzierte Antikörpermoleküle (z. B. Nanobodies) oder auch Fusionsantikörper machen dabei inzwischen fast ein Drittel der Antikörper-Pipeline aus.“

Viel tut sich zudem bei den Impfstoffen: 11 Prozent mehr Kandidaten als im Vorjahr registriert der Biotech-Report. Besonders spannend dabei: die lange erwarteten RSV-Impfstoffe. Ein erster Vertreter wird in Deutschland bald verfügbar sein. Auch die Zahl der Biosimilar-Entwicklungskandidaten steigt.

Biotechnologie: Für eine bessere Medizin

Biopharmazie steht für eine bessere Medizin. Als Industrie spielt sie eine große Rolle „für die Sicherung des Wirtschaftsstandortes, nicht zuletzt aufgrund einer wachsenden Zahl hochwertiger Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zur individuellen Patientenversorgung“, heißt es im Report. Es ist eine klare Botschaft an die Politik: Das Zukunftspotenzial muss besser genutzt, die medizinische Biotechnologie gestärkt werden – „als Innovationsmotor nicht nur innerhalb der Schlüsselindustrie Pharma, sondern auch für den Standort Deutschland.“ Kurz: Es braucht innovationsfreundliche Rahmenbedingungen. Denn wer Zukunft will, muss Biotechnologie sagen.

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