Fortschritte in der Leukämie-Behandlung - die Überlebenskurven haben sich bei den akuten als auch bei den chronischen Leukämien deutlich verbessert. Logo: © Pharma Fakten e.V.
Fortschritte in der Leukämie-Behandlung - die Überlebenskurven haben sich bei den akuten als auch bei den chronischen Leukämien deutlich verbessert. Logo: © Pharma Fakten e.V.

Forschungspipelines der Arzneimittelhersteller sind gut gefüllt

Im Kampf gegen den Krebs arbeiten Forscher mit Hochdruck an zahlreichen neuen Therapiewegen. Die Pipelines der Unternehmen sind mit vielversprechenden Wirkstoffen gut gefüllt. Dadurch können Onkologen Patienten immer häufiger mit neuen wirksamen Medikamenten behandeln. Einige Arzneimittelhersteller gewähren stellvertretend einen Einblick in eine Branche im Innovationsboom.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) rechnen Experten allein in Deutschland mit rund 480.000 neuen Krebsdiagnosen pro Jahr. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Fällen gestiegen. Immunonkologika und personalisierte Medizin sorgen inzwischen für eine effizientere Bekämpfung der Krebserkrankungen. Forscher hoffen, dass dadurch bestimmte Formen der Krankheit chronisch werden und eine Lebensverlängerung – mit möglichst geringen Nebenwirkungen – bewirken.

 

Dr. Christiane Langer, Medizinische Direktorin Hämatologie/Onkologie beim Pharmaunternehmen Roche glaubt, dass die Präzision der Tumorcharakterisierung weiter zunehmen wird. „Unsere Wissenschaftler erforschen, welcher Signalweg oder welche Mutation bei einer Krebserkrankung beteiligt ist“, erklärt Langer. Elf Therapiedurchbrüche zählt das Unternehmen seit Einführung des „Breakthrough-Therapy-Status“ durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA im Jahr 2012. Aktuell bietet das Pharmaunternehmen fünf zielgerichtete Krebsmedikamente mit begleitenden diagnostischen Tests für die personalisierte Behandlung von Patienten mit Brustkrebs, metastasiertem Melanom und nichtkleinzelligem Lungenkarzinom. In der Pipeline befindet sich für eine bestimmte Art von Lungenkrebs der ALK-Inhibitor Alectinib, der die Blut-Hirn-Schranke durchtritt und Hirnmetastasen angreift.

Übergang von zielgerichteter Medizin zur Immuntherapie

Dr. Langer sieht die Krebsforschung an einem Übergang von der Ära der zielgerichteten Medizin hin zur Immuntherapie. Das Programm zur Krebsimmuntherapie umfasst bei Roche mehr als 40 Studien unter anderem zu Lungen-, Blasen-, Nieren- und Brustkrebs. In der klinischen Prüfung befindet sich derzeit der Wirkstoff Atezolizumab zur Behandlung von Lungen- und Blasenkrebs. Er soll voraussichtlich im kommenden Jahr zur Verfügung stehen.

Das Biotechnologieunternehmen Amgen greift im Kampf gegen Krebs auf Erkenntnisse der Humangenetik und die eigene DNA-Datenbank (Amgen DeCode) zurück. Die Europäische Kommission hat Ende 2015 neuartige Therapieansätze des Unternehmens gegen das rezidivierte multiple Myelom, gegen akute lymphatische Leukämie sowie das metastasierte Melanom zugelassen.

Wirkstoff gegen aggressiven Blutkrebs

Der Wirkstoff Carfilzomib soll in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason bei
Erwachsenen mit multiplem Myelom, einen aggressiven und derzeit nicht heilbaren Blutkrebs, eine neue Behandlungsoption bieten. Dr. Achim Rieth, Medical Director Development TA Hematology/Oncology Amgen, schließt aufgrund solch „neuer potenter Therapieansätze“ eine Chronifizierung beim multiplen Myeloms nicht aus.

Amgen erhielt auch grünes Licht für den Wirkstoff Blinatumomab. Der erste klinisch validierte Vertreter der BiTE (Bispecific T-cell-Engager)-Antikörperkonstrukte wird zur Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom negativer rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie (ALL)  eingesetzt. Der Wirkstoff hilft dem körpereigenen Immunsystem, bösartige Zellen zu erkennen und zielgerichtet anzugehen. „Es ist wichtig für Ärzte und Patienten, weitere innovative Behandlungsoptionen für diese akute Form der Leukämie zu haben“, so Dr. Rieth. Diese neuartigen Antikörper werden derzeit bei einer Vielzahl an Krebsarten untersucht – von der AML (myeloischer Leukämie) bis zu Tumoren im Magen-Darm-Trakt.

Genetisch veränderte Herpesviren bekämpfen Krebszellen

Mit Talimogen laherparepvec (kurz T-VEC)wurde ein neuer Wirkstoff zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Melanom zugelassen. „Bei diesem Therapieansatz haben wir erstmals Herpesviren ganz speziell genetisch verändert, damit sie Hautkrebszellen bekämpfen können“, erklärt der Medical Director. Die Viren werden direkt in die betroffenen Zellen gespritzt und zerstören zudem die Krebszellen in entfernteren Körperregionen. Zusätzlich aktivieren die Viren mittels eines eingebauten Gens die Immunabwehr des Patienten.

Dass die Entwicklung neuer Krebsmedikamente auf einem guten Weg ist, zeigt nicht zuletzt das Beispiel PKC412 (Midostaurin) von Novartis. Die FDA hat diesem Wirkstoff, der bei akuter AML eingesetzt wird, den Breakthrough Therapy-Status zugesprochen. „Seit mehr als 25 Jahren sind die medizinischen Fortschritte bei der Behandlung von AML limitiert gewesen und die Behandlung mit Chemotherapie hat sich im Wesentlichen nicht verändert „, sagt Alessandro Riva, Global Head, Novartis Oncology Development and Medical Affairs. Bei AML gebe es die geringsten Überlebenschancen bei Erwachsenen, die mit der Standard-Chemotherapie behandelt würden, heißt es weiter. Das Unternehmen will die Anträge bei den Zulassungsbehörden noch im ersten Halbjahr 2016 einreichen. Damit befinden sie sich in bester Gesellschaft. Neue Onkologika bereiten den Behördenmitarbeitern zurzeit die meiste Arbeit. Das sind gute Nachrichten für Patienten.

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