Die Fakten
- Seit 1974 haben Impfungen 154 Millionen Todesfälle weltweit verhindert, vor allem bei kleinen Kindern und Babys.
- Die Säuglingssterblichkeitsraten sind heute um 40 Prozent niedriger, als sie es ohne Impfstoffe wären.
- Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges Expertengremium, das aktuell aus 19 Fachleuten besteht. Sie entwickeln auf Basis von Kriterien der evidenzbasierten Medizin Impfempfehlungen für die Bevölkerung in Deutschland.
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) retten Impfungen jedes Jahr bis zu fünf Millionen Menschenleben. Im Fachblatt The Lancet kommt ein Team internationaler Wissenschaftler:innen zu folgendem Ergebnis: „Seit 1974 haben Impfungen 154 Millionen Todesfälle verhindert“ – vor allem bei kleinen Kindern und Babys. Die Säuglingssterblichkeitsraten sind heute um 40 Prozent niedriger, als sie es in einer Welt ohne Impfstoffe wären (s. Pharma Fakten).
Gegen mehr als 30 lebensbedrohliche Krankheiten gibt es Impfstoffe. Zum Beispiel gegen die Masern: Als „Kinderkrankheit“ werden sie bezeichnet, weil sie so ansteckend sind, dass ohne Impfschutz bereits im Kindesalter fast alle Menschen erkranken würden. Gefährlich kann das aber in jedem Alter werden: Schwere, lebensgefährliche Verläufe mit Lungen- oder Gehirnentzündungen sind möglich – selbst viele Jahre nach einer Infektion können noch Komplikationen auftreten. Impfungen haben dazu beigetragen, dass die Zahl der Erkrankungen weltweit deutlich zurückgegangen ist. Doch das Virus ist wieder auf dem Vormarsch – u. a. in Folge von Impflücken. In den USA galten die Masern im Jahr 2000 sogar bereits als eliminiert. Nun ist die Zahl der Fälle auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten – in den vergangenen anderthalb Jahren gab es dort mehr Infektionen als im gesamten Vierteljahrhundert davor. Und auch in Deutschland erkranken und sterben noch immer Menschen an sogenannten impfpräventablen Krankheiten.
Impfstoff-Zulassung: nur bei positivem Nutzen-Risiko-Profil

„Impfungen werden nur zugelassen und empfohlen, wenn ihr potenzieller Nutzen (Schutz vor Infektion und schwerer Erkrankung) größer ist als ihr potenzielles Risiko (mögliche Nebenwirkungen)“, erklärt das Robert Koch-Institut (RKI). „Manche Erkrankungen bergen teils dramatische Risiken, wie z. B. Gehirnentzündungen (bei Masern) oder Lähmung (bei Polio). Diese Risiken können durch Impfungen stark verringert oder sogar ganz verhindert werden.“ Es ist so gelungen, viele Krankheiten zurückzudrängen oder zu eliminieren – für die meisten Menschen sind sie daher nur noch Teil von Geschichtsbüchern oder einzelnen Medienberichten. „Es ist deshalb verständlich, dass der Eindruck entstehen kann, die möglichen Risiken einer Impfung seien bedrohlicher als das Risiko von Erkrankungen, mit denen man keine direkte Erfahrung hat“, so das RKI. Doch bei sinkenden Impfquoten kann sich das schnell ändern – Krankheiten, die (fast) verschwunden waren, treten wieder vermehrt auf. 2025 ist ein zehnjähriger, nicht geimpfter Junge in Berlin an Diphtherie gestorben (s. Ärzteblatt). „Fakt ist: Die Infektion und ihre möglichen Komplikationen sind deutlich riskanter als die empfohlene Impfung“. Ansonsten wäre die jeweilige Vakzine – gegen welche Krankheit auch immer – weder zugelassen noch von einem Expertengremium wie der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen worden.
Impfungen: besonders wichtig für Babys und Kleinkinder
Viele Impfungen sind bereits in einem sehr jungen Alter angedacht – teils wenige Wochen nach der Geburt. Das RKI erklärt, warum das so wichtig ist: Das empfohlene Impfalter orientiert sich demnach „an der Risikosituation des zu schützenden Kindes.“ Denn es gibt Infektionen, die bei Babys und kleinen Kindern zu deutlich schwereren Verläufen führen können als in höherem Alter, zum Beispiel, „weil die Atemwege bei Säuglingen noch sehr eng sind oder weil ihr sich noch entwickelndes Immunsystem bestimmte Infektionen nicht wirksam abwehren kann“. Siehe Pneumokokken: Eine Impfung ist ab einem Alter von zwei Monaten vorgesehen und „schützt zuverlässig vor der invasiven Pneumokokken-Erkrankung. Das ist eine besonders schwerwiegende Folge der Infektion, die u. a. Hirnhautentzündungen verursachen kann“, heißt es seitens des RKI. Kinder in den ersten zwei Lebensjahren gelten als besonders gefährdet – ein frühzeitiger Schutz ist daher wichtig.
Impfungen als gezieltes Immun-Training – sogar in Kombination

Ein Impfstoff enthält zum Beispiel abgetötete Erreger oder harmlose Bestandteile eines Erregers (sogenannte Antigene): Das Immunsystem kann so den Erreger kennenlernen und einen gezielten Schutz aufbauen, ohne eine Erkrankung durchleben zu müssen. Selbst, wenn entsprechend den STIKO-Empfehlungen in Kombination gegen mehrere Erreger gleichzeitig geimpft wird, überlastet das das Immunsystem von Kindern und Erwachsenen nicht. Tag für Tag ist der Körper mit viel mehr Erregern konfrontiert. Gleichzeitig liegen die Vorteile kombinierter Impfungen auf der Hand: Die Anzahl notwendiger Injektionen wird verringert. Das entlastet die Kinder und Eltern, indem der Stress von Arztbesuchen reduziert und das Risiko von Impfreaktionen bzw. Nebenwirkungen minimiert werden; und es entlastet die Arztpraxen, weil weniger Termine notwendig sind. Müsste man jede Impfung für jeden Erreger einzeln durchführen, würde das sehr viel länger dauern – die Kinder wären länger ohne ausreichenden Schutz gegen die Krankheiten.
Die Wirksamkeit und Sicherheit solcher Kombiimpfstoffe werden genauso wie bei einzelnen Vakzinen sowohl vor der Zulassung als auch danach genau untersucht und überwacht (mehr dazu: in Teil 2 dieses Artikels). „Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen“, so bringt es das RKI auf den Punkt. Was passieren kann, wenn Impflücken größer werden? Dafür ist die zunehmende Zahl der Masernfälle in den USA nur ein Beispiel von vielen.
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Teil 2: Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage
Impfungen werden nur zugelassen und für die deutsche Bevölkerung empfohlen, wenn ihr potenzieller Nutzen größer ist als ihr potenzielles Risiko. Dazu werten die Mitglieder der „STIKO“ – ein unabhängiges, ehrenamtliches Expertengremium – Unmengen an wissenschaftlichen Daten aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) betont: „Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen.“

19,6 Millionen Babys und Kleinkinder ohne (ausreichenden) Impfschutz
Die globale Impfquote bei Kindern ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, melden die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk UNICEF. Doch noch immer ist es nicht gelungen, die Rückschritte aus der Pandemiezeit wieder wettzumachen. „Millionen besonders gefährdeter Kinder bleiben aufgrund von Konflikten, Vertreibung und Armut weiterhin ungeschützt“, sagt Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Kein Kind sollte an einer Krankheit leiden, die sich mit einer einfachen Impfung verhindern lässt.“ In Deutschland sind rund 21.000 Säuglinge komplett ohne Impfschutz.

Polio „bleibt eine Bedrohung, solange es irgendwo auf der Welt existiert“
Poliomyelitis lähmte früher jedes Jahr hunderttausende Kinder und verbreitete auf dem ganzen Globus Angst und Schrecken. Dank weltweiter Impfprogramme sind die Fallzahlen „seit 1988 um 99,9 Prozent gesunken“, sagt Vismita Gupta-Smith, die bei der Weltgesundheitsorganisation die Kommunikationsabteilung leitet. In einer Folge der WHO-Videoreihe „Science in 5“ spricht sie mit dem Experten Dr. Jamal Ahmed über die mögliche Ausrottung der Krankheit.
