Die globale Impfquote bei Kindern ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, melden WHO und UNICEF. Doch noch ist es nicht gelungen, die Rückschritte aus der Pandemiezeit wettzumachen. Foto: iStock.com / Jacob Wackerhausen
Die globale Impfquote bei Kindern ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, melden WHO und UNICEF. Doch noch ist es nicht gelungen, die Rückschritte aus der Pandemiezeit wettzumachen. Foto: iStock.com / Jacob Wackerhausen

19,6 Millionen Babys und Kleinkinder ohne (ausreichenden) Impfschutz

Die globale Impfquote bei Kindern ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, melden die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk UNICEF. Doch noch immer ist es nicht gelungen, die Rückschritte aus der Pandemiezeit wieder wettzumachen. „Millionen besonders gefährdeter Kinder bleiben aufgrund von Konflikten, Vertreibung und Armut weiterhin ungeschützt“, sagt Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Kein Kind sollte an einer Krankheit leiden, die sich mit einer einfachen Impfung verhindern lässt.“ In Deutschland sind rund 21.000 Säuglinge komplett ohne Impfschutz.

Die Fakten

  • 2025 erhielten weltweit 90 Prozent aller Säuglinge mindestens eine Dosis eines Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP). 85 Prozent schlossen die Dreifach-Impfserie vollständig ab. Damit liegt die Impfquote weiterhin unter dem Niveau von 2019.
  • Das bedeutet: 19,6 Millionen Babys bzw. Kleinkinder sind gar nicht oder nicht ausreichend geimpft – darunter sind 13,5 Millionen sogenannte Zero-Dose-Kinder, die keine einzige Vakzine erhalten haben.

Es sind beeindruckende Zahlen, die WHO und UNICEF veröffentlicht haben. Wenn 90 Prozent aller Säuglinge mindestens eine Dosis eines Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP) erhalten haben, dann sind das fast 116 Millionen Babys. Und rund 110 Millionen (85 %) habe alle drei Dosen zur vollständigen Grundimmunisierung bekommen: Zahlreiche Vakzine wurden dazu weltweit verteilt – trotz aller Herausforderungen, ob logistischer, geopolitischer oder anderer Natur.

Kinder: Globale ImpfquoteDoch es gibt ein großes „ABER“: Denn die Weltgemeinschaft könnte noch sehr viel mehr Kinder erreichen als bisher. Dass sie das schaffen muss, steht außer Frage: Es geht um Menschenleben. Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Co. können nicht nur schwere Krankheitsverläufe verursachen; sie sind auch potenziell tödlich. 19,6 Millionen Babys bzw. Kleinkinder weltweit, die gar nicht (13,5 Mio.) oder nicht ausreichend geimpft sind – das darf nicht sein. „Wir müssen jedes Kind erreichen und dort Vertrauen zurückgewinnen, wo es schwindet“, findet Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. Zwar ist die globale DTP-Impfquote im Vergleich zu 2024 um einen Prozentpunkt gestiegen – doch sie liegt noch immer um einen Prozentpunkt unter 2019. Das mag nach nicht viel klingen: Doch der Stand von 2019 sollte nicht das Ziel sein. Tatsache ist: Seit 2009 ist quasi Stillstand (s. Grafik).

Impflücken: Risiko von Krankheitsausbrüchen steigt

Mehr als die Hälfte aller Zero-Dose-Kinder – also Babys, die schon die allererste Dosis eines DTP-Impfstoffes nicht erhalten haben – lebt in fragilen, von Konflikten betroffenen oder besonders vulnerablen Staaten, schreiben WHO und UNICEF in einer Pressemitteilung. Politische Instabilität, Unsicherheit oder Unterfinanzierung belasten Routineimpfprogramme. „So sank die Quote für die erste DTP-Impfdosis in Syrien innerhalb nur eines Jahres um sechs Prozentpunkte, die Quote für die erste Masernimpfdosis sogar um zwölf Prozentpunkte“, heißt es. Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Generaldirektor, betont: „Jedes Kind – unabhängig davon, ob es in Wohlstand oder Armut, in Frieden oder im Krieg geboren wird – hat Anspruch auf den lebensspendenden Schutz, den Impfungen bieten.“

Aus der Veröffentlichung geht auch hervor, dass schätzungsweise 7,3 Millionen Säuglinge weltweit zwar ihre erste DTP-Impfung erhielten – die Impfserie jedoch abgebrochen wurde, bevor sie ihre erste Masernimpfung bekamen. Das trug dazu bei, „dass die Masernimpfquote stagnierte: 84 Prozent der Kinder erhielten die erste Masernimpfung (MCV1), 77 Prozent die zweite (MCV2). Beide Werte liegen deutlich unter einer Impfquote von 95 Prozent, die notwendig ist, um Ausbrüche dieses hochansteckenden Virus zu verhindern. Entsprechend meldeten im Jahr 2025 insgesamt 57 Länder größere oder schwerwiegende Masernausbrüche“, teilen WHO und UNICEF mit.

Impfquote: Da geht noch mehr – in der Theorie

WHO und Unicef: Viele Kinder ohne ImpfschutzAndererseits: Sudan zeigt, was möglich ist, wenn sich der Zugang zu Gesundheitsleistungen trotz andauernder Konflikte verbessert. Die Impfquote für die erste DTP-Dosis stieg dort um 35 Prozentpunkte auf 83 Prozent, die für die erste Masernimpfung um 22 Punkte auf 68 Prozent – es ist der weltweit größte Zuwachs.

Dr. Sania Nishtar, Vorstandsvorsitzende der Impfstoffallianz Gavi, spricht insgesamt von „historisch hohen Impfquoten, die wir heute in Ländern mit niedrigem Einkommen sehen“. Sie offenbaren, dass sehr viel mehr Fortschritt machbar ist, „wenn alle Beteiligten gemeinsam auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten“. Die größte Herausforderung bestehe „nun darin, diesen Schwung trotz knapper Finanzmittel, geopolitischer Unsicherheiten und zunehmender Krankheitsausbrüche aufrechtzuerhalten – und gleichzeitig noch härter daran zu arbeiten, auch jene Kinder zu erreichen, die bislang keinen Zugang zu Impfungen haben.“

WHO und UNICEF warnen indes, dass sich die „vollständigen Auswirkungen der in den vergangenen zwei Jahren angekündigten Kürzungen der internationalen Gesundheitsfinanzierung“ in den aktuellen Schätzungen noch nicht widerspiegeln. Aber schon jetzt weisen jene Datensysteme, die notwendig sind, um den Fortschritt zu tracken und ungeimpfte Kinder zu identifizieren, zunehmende Lücken auf. Gehen die Investitionen in diese Datensysteme weiter zurück, „drohen Krankheitsausbrüche und Todesfälle, die eigentlich vermeidbar wären.“

Impfskepsis als weitere Hürde

In Deutschland sind 21.000 Kinder komplett ohne Impfschutz. Foto: istock.com / encrier
In Deutschland sind 21.000 Kinder komplett ohne Impfschutz. Foto: istock.com / encrier

Übrigens: „Auch in Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen, in denen Impfstoffe grundsätzlich für alle verfügbar sind, gehen Impfquoten zurück“, kritisieren die beiden Organisationen. „Gründe dafür sind unter anderem ein nachlassendes politisches Engagement, strukturelle Herausforderungen oder eine zunehmende Impfskepsis.“ In der WHO-Europaregion sind 566.000 Kinder komplett ohne Impfschutz – in Deutschland sind es 21.000.

WHO und UNICEF fordern, Impfprogramme in Konflikt- und Krisengebieten gezielt zu stärken, Falsch- und Desinformation entschlossen entgegenzutreten, Maßnahmen zur Steigerung der Impfbereitschaft zu verstärken, die nationale und internationale Finanzierung von Impfprogrammen und Partnerschaften auszubauen sowie in leistungsfähigere Daten- und Krankheitsüberwachungssysteme zu investieren. Ziel muss es sein, „dass alle Menschen – unabhängig davon, wo sie leben – vor tödlichen Krankheiten geschützt sind, die sich durch Impfungen verhindern lassen“, resümiert Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus.

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