Der Return of Investment im Bereich von Erwachsenen-Impfstoffen beträgt 19 zu 1. Doch die Impfquoten gehen zurück – mit teilweise besorgniserregenden Trends. Foto: ©iStock.com/Jatuporn Tansirimas
Der Return of Investment im Bereich von Erwachsenen-Impfstoffen beträgt 19 zu 1. Doch die Impfquoten gehen zurück – mit teilweise besorgniserregenden Trends. Foto: ©iStock.com/Jatuporn Tansirimas

Erwachsenen-Impfungen: 1 Euro ausgegeben, 19 Euro gewonnen

Der Return of Investment (ROI) im Bereich von Erwachsenen-Impfstoffen beträgt 19 zu 1. Soll heißen: Für jeden in die Hand genommenen Euro entstehen gesamtgesellschaftliche Erträge von 19 Euro. Denn Impfstoffe können weit mehr als Menschen zu schützen. Jeder vermiedene Krankheitsfall schont die Gesundheits- und Sozialsysteme, kann Produktivitätsverluste mindern und gerade in alternden Gesellschaften die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes nachhaltig stärken. Doch die Impfquoten gehen zurück – mit teilweise besorgniserregenden Trends.

Die Fakten

  • Der Return of Investment (ROI) für Erwachsenen-Impfstoffe liegt bei 19:1 – Impfstoffe gehören zu den kosteneffizientesten Maßnahmen der Medizin.
  • Die Impfquoten bei Erwachsenen gehen zurück – gerade gegen die Grippe.
  • Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen für Impfstoffe steigen, liegen aber bei unter 1 Prozent der Gesamtausgaben.

So wenige waren es seit fast 17 Jahren nicht mehr: In Deutschland ließen sich in der Grippesaison 2024/25 laut Robert Koch-Institut (RKI) in der Altersgruppe 60 plus nur 34 Prozent impfen. Empfohlen ist eine Quote von 75 Prozent. Einer der Hauptgründe dürfte sein, dass eine Influenza in ihren Folgen schlicht unterschätzt wird. Dabei kann die Impfung die Sterblichkeit bei Diabetiker:innen erheblich reduzieren, das Herzinfarktrisiko bei Menschen mit chronischen Erkrankungen halbieren und auch Schlaganfälle vermeiden. Geld sparen tut sie auch (s. Grafik). Gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden.

Infektionskrankheiten nehmen mit dem Alter zu

Pharma Fakten-Grafik: Influenza-Impfung - Schutz für chronisch kranke Patient:innenFür andere Erwachsenen-Impfstoffe sieht es nicht besser aus – egal ob gegen Pneumokokken, COVID-19 oder Gürtelrose (Herpes zoster). Das Problem: Mit dem Alter nehmen Häufigkeit dieser Krankheiten und Schweregrad der Symptome zu. „Gleichzeitig üben Tripledemie aus COVID-19, Influenza und RS-Virus sowie steigende Raten chronischer Erkrankungen in jüngeren Altersgruppen einen immensen Druck auf die Gesundheitssysteme aus“, schreibt das „Office of Health Economics“ (OHE), immerhin eines der bedeutendsten Einrichtungen im Bereich der Gesundheitsökonomie überhaupt. Gleichzeitig verstärkt der Klimawandel die Ausbreitung von „klimasensitiven Infektionen in ganz Europa“, so Sibilia Quilici, geschäftsführende Direktorin beim Verband der europäischen Impfstoffentwickler, Vaccines Europe.

„Die Frage ist nicht mehr, ob Europa es sich leisten kann, in Impfungen zu investieren. Die Frage ist, ob es sich leisten kann, dies nicht zu tun.“ Quilici ergänzt: „Wenn in Europa von Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und wirtschaftlicher Stabilität die Rede ist, dreht sich das Gespräch meist um Energie, Technologie oder Verteidigung. Dabei wird eine der wirkungsvollsten Formen der Infrastruktur oft übersehen: die Vorsorge.“

Impfstoff-Prävention: Die Potenziale liegen brach

Impfstoff-Prävention: Die Potenziale liegen brach
Trauerspiel: In Deutschland liegen die Potenziale von Impfstoffen brach. Foto: ©iStock.com / Neznamov Sergey

In Deutschland liegen die Potenziale von Impfstoffen brach; es ist ein Trauerspiel. Ein sehr teures zudem, wie die Zahlen des OHE zeigen. In zehn Ländern Europas haben sich die Forschenden vier Impfprogramme für Erwachsene angeschaut und durchgerechnet; das Ergebnis: „Über alle Länder und Krankheitsprogramme hinweg bringen diese Programme das bis zu 19-Fache ihrer ursprünglichen Investition ein, wenn man das gesamte Spektrum der Vorteile monetarisiert. Dies bringt einen monetären Nettonutzen in Milliardenhöhe für die Gesellschaft und entspricht etwa 4.637 US-Dollar für den vollständigen Impfzyklus einer Person.“ Oder einfacher: Jeder nicht in Impfstoffe investierte Euro bremst eine Volkswirtschaft empfindlich aus. Allgemeine Präventionsprogramme sind übrigens ähnlich „rendite-stark“: Der ROI liegt hier bei 14 zu 1.

Drei Maßnahmen hat das OHE entwickelt, um das Potenzial von Impfstoffen zu heben, damit Europas Bevölkerung besser geschützt und seine Arbeitskraft erhalten bleibt:

  1. Mindset: Die Politik muss eine präventionsorientierte Denkweise umsetzen und ausreichend Mittel für Impfprogramme für Erwachsene bereitstellen. Gesundheitssysteme, die vor allem als „Reparaturbetrieb“ funktionieren, sind nicht nachhaltig.
  2. Lebenslange Impfstrategien: Die Ausweitung des Zugangs auf eine breitere erwachsene Bevölkerung kann für Gesundheitssysteme und Gesellschaft einen höheren Nutzen und größere Einsparungen bewirken. Impfprogramme für Erwachsene bieten eine große Chance, gesundes Altern zu fördern.
  3. Mehr Forschung: Laut OHE braucht es robustere Datenerfassungssysteme und einen transparenten und offenen Datenzugang, um den Nutzen von Impfprogrammen besser analysieren zu können.

Impfstoffe: Kosteneffizienz hoch 2

Impfstoffe: Kosteneffizienz hoch 2
Gesundheit: Schlüssel zu einer leistungsfähigen Gesellschaft. Foto: ©iStock.com/RidofranzRawpixel

Impfstoffe gelten als eine der kosteneffizientesten Maßnahmen, die der Medizin zur Verfügung stehen. Die Gesetzlichen Krankenkassen haben 2024 rund 2,4 Milliarden Euro für Impfstoffe ausgegeben (Kinder und Erwachsene). Gemessen an den Gesamtausgaben der GKV liegt ihr Anteil bei unter einem Prozent.

Gesundheit ist der Schlüssel zu einer leistungsfähigen Gesellschaft. Krankheitsvorsorge schafft Wachstum und Wohlstand – Ausgaben für Prävention sind deshalb eine strategische Investition und Gesundheit ein entscheidender Wachstumsfaktor und Impulsgeber. Das gilt ganz nebenbei auch für die europäische Impfstoffindustrie. Sie zu stärken: Auch das wäre ein Impuls für Europas Gesundheitssouveränität.

Links:

El Banhawi H., Chowdhury S., Neri M., Radu P., Besley S., Bell E., Brassel S., Steuten L.: Socio-Economic Value of Adult Immunisation Programmes (2024).

Robert Koch-Institut: Epidemiologische Bulletin 50/2025.

Weitere News

Impfungen für Erwachsene: Ein Trauerspiel

„Die empfohlenen Impfungen für Erwachsene werden zu selten genutzt“, kritisiert das Robert Koch-Institut (RKI). Grippe, Gürtelrose, COVID-19 oder Pneumokokken: Diese Erkrankungen können insbesondere für Menschen ab einem Alter von 60 Jahren gefährlich werden. Vakzine könnten schützen – aber von diesem Angebot machen viele Menschen nicht Gebrauch.

Weiterlesen »
Impfstoffe sind eines der erfolgreichsten Instrumente, die die Medizin zu bieten hat. Wunder vollbringen sie nicht – sie wirken nur, wenn sie auch tatsächlich eingesetzt werden. Foto: iStoc.k.com / www.peopleimages.com

Wie Innovation Krankheit besiegt: Impfungen

Impfstoffe gehören zu den erfolgreichsten und effizientesten Instrumenten, welche die Medizin zu bieten hat – die Zahl der jährlich geretteten Menschenleben geht in die Millionen. Wenn es sie nicht gäbe, müssten sie erfunden werden; schließlich verhindern sie Krankheiten, bevor sie entstehen. Wunder vollbringen sie nicht – sie wirken nur, wenn sie auch tatsächlich eingesetzt werden. Daran hapert es zunehmend.

Weiterlesen »

Verwandte Nachrichten

Anmeldung: Abo des Pharma Fakten-Newsletters

Ich möchte per E-Mail News von Pharma Fakten erhalten:

© Pharma Fakten e.V.
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und dienen dazu, Sie wiederzuerkennen, wenn Sie auf unsere Website zurückkehren, und unserem Team zu helfen, zu verstehen, welche Bereiche der Website Sie am interessantesten und nützlichsten finden.