Die Fakten
- Der Return of Investment (ROI) für Erwachsenen-Impfstoffe liegt bei 19:1 – Impfstoffe gehören zu den kosteneffizientesten Maßnahmen der Medizin.
- Die Impfquoten bei Erwachsenen gehen zurück – gerade gegen die Grippe.
- Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen für Impfstoffe steigen, liegen aber bei unter 1 Prozent der Gesamtausgaben.
So wenige waren es seit fast 17 Jahren nicht mehr: In Deutschland ließen sich in der Grippesaison 2024/25 laut Robert Koch-Institut (RKI) in der Altersgruppe 60 plus nur 34 Prozent impfen. Empfohlen ist eine Quote von 75 Prozent. Einer der Hauptgründe dürfte sein, dass eine Influenza in ihren Folgen schlicht unterschätzt wird. Dabei kann die Impfung die Sterblichkeit bei Diabetiker:innen erheblich reduzieren, das Herzinfarktrisiko bei Menschen mit chronischen Erkrankungen halbieren und auch Schlaganfälle vermeiden. Geld sparen tut sie auch (s. Grafik). Gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden.
Infektionskrankheiten nehmen mit dem Alter zu
Für andere Erwachsenen-Impfstoffe sieht es nicht besser aus – egal ob gegen Pneumokokken, COVID-19 oder Gürtelrose (Herpes zoster). Das Problem: Mit dem Alter nehmen Häufigkeit dieser Krankheiten und Schweregrad der Symptome zu. „Gleichzeitig üben Tripledemie aus COVID-19, Influenza und RS-Virus sowie steigende Raten chronischer Erkrankungen in jüngeren Altersgruppen einen immensen Druck auf die Gesundheitssysteme aus“, schreibt das „Office of Health Economics“ (OHE), immerhin eines der bedeutendsten Einrichtungen im Bereich der Gesundheitsökonomie überhaupt. Gleichzeitig verstärkt der Klimawandel die Ausbreitung von „klimasensitiven Infektionen in ganz Europa“, so Sibilia Quilici, geschäftsführende Direktorin beim Verband der europäischen Impfstoffentwickler, Vaccines Europe.
„Die Frage ist nicht mehr, ob Europa es sich leisten kann, in Impfungen zu investieren. Die Frage ist, ob es sich leisten kann, dies nicht zu tun.“ Quilici ergänzt: „Wenn in Europa von Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und wirtschaftlicher Stabilität die Rede ist, dreht sich das Gespräch meist um Energie, Technologie oder Verteidigung. Dabei wird eine der wirkungsvollsten Formen der Infrastruktur oft übersehen: die Vorsorge.“
Impfstoff-Prävention: Die Potenziale liegen brach

In Deutschland liegen die Potenziale von Impfstoffen brach; es ist ein Trauerspiel. Ein sehr teures zudem, wie die Zahlen des OHE zeigen. In zehn Ländern Europas haben sich die Forschenden vier Impfprogramme für Erwachsene angeschaut und durchgerechnet; das Ergebnis: „Über alle Länder und Krankheitsprogramme hinweg bringen diese Programme das bis zu 19-Fache ihrer ursprünglichen Investition ein, wenn man das gesamte Spektrum der Vorteile monetarisiert. Dies bringt einen monetären Nettonutzen in Milliardenhöhe für die Gesellschaft und entspricht etwa 4.637 US-Dollar für den vollständigen Impfzyklus einer Person.“ Oder einfacher: Jeder nicht in Impfstoffe investierte Euro bremst eine Volkswirtschaft empfindlich aus. Allgemeine Präventionsprogramme sind übrigens ähnlich „rendite-stark“: Der ROI liegt hier bei 14 zu 1.
Drei Maßnahmen hat das OHE entwickelt, um das Potenzial von Impfstoffen zu heben, damit Europas Bevölkerung besser geschützt und seine Arbeitskraft erhalten bleibt:
- Mindset: Die Politik muss eine präventionsorientierte Denkweise umsetzen und ausreichend Mittel für Impfprogramme für Erwachsene bereitstellen. Gesundheitssysteme, die vor allem als „Reparaturbetrieb“ funktionieren, sind nicht nachhaltig.
- Lebenslange Impfstrategien: Die Ausweitung des Zugangs auf eine breitere erwachsene Bevölkerung kann für Gesundheitssysteme und Gesellschaft einen höheren Nutzen und größere Einsparungen bewirken. Impfprogramme für Erwachsene bieten eine große Chance, gesundes Altern zu fördern.
- Mehr Forschung: Laut OHE braucht es robustere Datenerfassungssysteme und einen transparenten und offenen Datenzugang, um den Nutzen von Impfprogrammen besser analysieren zu können.
Impfstoffe: Kosteneffizienz hoch 2

Impfstoffe gelten als eine der kosteneffizientesten Maßnahmen, die der Medizin zur Verfügung stehen. Die Gesetzlichen Krankenkassen haben 2024 rund 2,4 Milliarden Euro für Impfstoffe ausgegeben (Kinder und Erwachsene). Gemessen an den Gesamtausgaben der GKV liegt ihr Anteil bei unter einem Prozent.
Gesundheit ist der Schlüssel zu einer leistungsfähigen Gesellschaft. Krankheitsvorsorge schafft Wachstum und Wohlstand – Ausgaben für Prävention sind deshalb eine strategische Investition und Gesundheit ein entscheidender Wachstumsfaktor und Impulsgeber. Das gilt ganz nebenbei auch für die europäische Impfstoffindustrie. Sie zu stärken: Auch das wäre ein Impuls für Europas Gesundheitssouveränität.
Links:
El Banhawi H., Chowdhury S., Neri M., Radu P., Besley S., Bell E., Brassel S., Steuten L.: Socio-Economic Value of Adult Immunisation Programmes (2024).
Robert Koch-Institut: Epidemiologische Bulletin 50/2025.
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