Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab. Infektionen treten häufiger auf, verlaufen schwerwiegender oder bringen Komplikationen mit sich.

Siehe Influenza: Ja, manche Menschen haben womöglich nur Erkältungssymptome. Aber eine echte Grippe kann eben auch „schwer verlaufen und beispielsweise Lungenentzündungen hervorrufen und sogar zum Tod führen“, so das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. „Je nach Stärke der Grippewelle sterben in Deutschland jährlich […] mehrere Tausend Menschen (bis über 25.000 in der Saison 2017/18) an den Folgen einer Grippe.“ Komplikationen und Todesfälle treten relativ häufig in höherem Alter auf. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher eine Impfung unter anderem allen ab 60-Jährigen. Durch die Impfung könnten sie das „Risiko, an einer Grippe zu erkranken, in etwa halbieren.“ Und selbst, wenn es trotzdem zu einer Erkrankung kommt, verläuft sie dann zumeist milder und mit weniger Komplikationen. Die Fakten sind eindeutig. Und die Realität ist ein Trauerspiel: Die Influenza-Impfquote erreichte laut RKI jüngst „den niedrigsten Stand seit 17 Jahren“. Sie sank bei den Menschen ab 60 zuletzt „im Vergleich zur Vorsaison um 4 Prozentpunkte auf nur noch 34 Prozent“.
Von den Menschen ab 18 Jahren, denen aufgrund einer Grunderkrankung eine Grippe-Impfung empfohlen wird, waren zuletzt nur 28 Prozent per Vakzine geschützt. „Auch dieser Wert ist – abgesehen von einem Anstieg während der COVID-19-Pandemie – stetig gesunken und nun auf dem niedrigsten Stand seit 17 Jahren“, stellt das RKI fest.
Erwachsene: Unzureichend geschützt
„Die empfohlenen Impfungen für Erwachsene werden zu selten genutzt“, stellt das RKI insgesamt fest. Die COVID-19-Impfquote in der Altersgruppe 60+ ging im Vergleich zur Vorsaison um mehr als ein Drittel zurück (2024/2025: 14 %). Und die Pneumokokken-Impfquote bei Personen zwischen 60 und 69 Jahren stagniert seit 2020; sie betrug zuletzt 21 Prozent. Pneumokokken sind Bakterien, die unterschiedliche Erkrankungen verursachen können – auch lebensbedrohliche Infektionen wie Lungenentzündung, Blutvergiftung und Hirnhautentzündung, für die ältere Personen ein erhöhtes Risiko haben.

Eine gute Nachricht gibt es: „Die Herpes-zoster-Impfquote (Gürtelrose) bei Personen ab 60 Jahren lag im Jahr 2024 mit 24 Prozent auf dem höchsten bislang gemessenen Niveau.“ So richtig Grund zur Freude ist das aber auch nicht: Der Großteil der Menschen ist weiterhin nicht geschützt. Und von den Menschen mit Grunderkrankung (ab 50 Jahre) nahmen sogar nur 21 Prozent das Angebot einer Vakzine in Anspruch. Dabei ist die Gefahr nicht zu unterschätzen: „Prinzipiell kann jeder, der einmal an Windpocken erkrankt war, an Gürtelrose erkranken“, erklärt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. „Während einer Windpockenerkrankung nisten sich Viren im Körper in den Nervenzellen ein. Wenn das Immunsystem – beispielsweise im Alter – schwächer wird, können die Viren wieder aktiv werden und einen schmerzhaften Ausschlag, die Gürtelrose, hervorrufen. Die schmerzhaften Nervenentzündungen können auch nach Abklingen des Ausschlags längere Zeit andauern“. Das muss nicht sein. Denn die zweifache Dosis mit dem Totimpfstoff „schützt mit einer guten Wirksamkeit vor Gürtelrose und postherpetischer Neuralgie“. Laut Studien „beträgt die Wirksamkeit zum Schutz vor Herpes zoster ab dem Alter von 50 Jahren 92 Prozent und zum Schutz vor Nervenschmerzen 82 Prozent“. Mit zunehmendem Alter nimmt der Schutz vor Erkrankung leicht ab, beträgt bei über 70-Jährigen jedoch immer noch rund 90 Prozent.
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