„Die Säuglingssterblichkeitsraten sind in den vergangenen 50 Jahren stark gesunken“, so Wissenschaftlerin Hannah Ritchie auf Seiten der Online-Publikation „Our World in Data“. „Weltweit sind sie um mehr als zwei Drittel zurückgegangen – von etwa 10 Prozent im Jahr 1974 auf weniger als 3 Prozent heute“ (s. Grafik). Das bedeutet: Von 100 Neugeborenen erleben drei Babys ihren ersten Geburtstag nicht. Früher waren es zehn.
Impfungen retten Leben

Für das Fachmagazin The Lancet hat ein internationales Forschungsteam untersucht, welchen Beitrag Impfungen geleistet haben. Sie verglichen die tatsächliche Mortalität mit einem hypothetischen Szenario, in dem keine Vakzine verfügbar sind. Demnach hat ein mit der Zeit immer besserer Zugang zu wichtigen Impfstoffen dazu geführt, dass die Säuglingssterblichkeitsraten heute um 40 Prozent niedriger sind, als sie es in einer Welt ohne Impfstoffe wären. Die Forschenden schreiben außerdem: „Seit 1974 haben Impfungen 154 Millionen Todesfälle verhindert, darunter 146 Millionen bei Kindern unter fünf Jahren, von denen 101 Millionen Säuglinge unter einem Jahr waren. Für jeden verhinderten Todesfall wurden im Durchschnitt 66 Jahre voller Gesundheit gewonnen, was insgesamt 10,2 Milliarden zusätzlichen gesunden Lebensjahren entspricht.“
Das „Essential Programme on Immunization” (EPI), eine 1974 von der WHO ins Leben gerufene Initiative zur Verbesserung der globalen Impfraten, habe in all dieser Zeit „den größten Einzelbeitrag zur Verbesserung des Überlebens von Säuglingen geleistet“, heißt es weiter. Ein gerechter, universeller Zugang zu Impfungen sei weiterhin entscheidend, um die Fortschritte auszubauen. Mit ihrer Welt-Impfwoche (24.-30.4.2026) unter dem Titel „Impfungen wirken in jeder Generation“ wirbt die WHO genau dafür: Denn noch immer erhalten rund 20 Millionen Kinder weltweit mindestens eine Dosis der Routineimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis nicht.
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Erwachsenen-Impfungen: 1 Euro ausgegeben, 19 Euro gewonnen
Der Return of Investment (ROI) im Bereich von Erwachsenen-Impfstoffen beträgt 19 zu 1. Soll heißen: Für jeden in die Hand genommenen Euro entstehen gesamtgesellschaftliche Erträge von 19 Euro. Denn Impfstoffe können weit mehr als Menschen zu schützen. Jeder vermiedene Krankheitsfall schont die Gesundheits- und Sozialsysteme, kann Produktivitätsverluste mindern und gerade in alternden Gesellschaften die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes nachhaltig stärken. Doch die Impfquoten gehen zurück – mit teilweise besorgniserregenden Trends.

Polio „bleibt eine Bedrohung, solange es irgendwo auf der Welt existiert“
Poliomyelitis lähmte früher jedes Jahr hunderttausende Kinder und verbreitete auf dem ganzen Globus Angst und Schrecken. Dank weltweiter Impfprogramme sind die Fallzahlen „seit 1988 um 99,9 Prozent gesunken“, sagt Vismita Gupta-Smith, die bei der Weltgesundheitsorganisation die Kommunikationsabteilung leitet. In einer Folge der WHO-Videoreihe „Science in 5“ spricht sie mit dem Experten Dr. Jamal Ahmed über die mögliche Ausrottung der Krankheit.

Impfen: Millionen Kinder weltweit im Stich gelassen
Zwar gibt es eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr – aber Freude kommt nicht auf: Denn noch immer haben mehr als 14 Millionen Kinder auf der Erde nicht eine einzige Routineimpfung erhalten. Der Weltgemeinschaft ist es bislang nicht mal gelungen, die Rückschritte aus der Pandemiezeit wettzumachen. Das geht aus neuen Daten von Weltgesundheitsorganisation und UNICEF hervor.
