SSPE: Tödliche Komplikation einer Masernerkrankung

Die Zahl der Masern-Fälle weltweit ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuletzt gestiegen – die Impflücken sind zu groß. Die Viruserkrankung ist alles andere als harmlos: Es ist sogar möglich, dass noch viele Jahre nach einer Infektion Komplikationen auftreten, die tödlich enden. Die Rede ist von „SSPE“ – eine seltene, schwere Gehirnentzündung. Die Sache ist die: Es gibt Impfstoffe, die vor den Masern schützen können.

Mehr als 42.200 Masernfälle: Das meldeten allein 41 Mitgliedsstaaten der WHO-Region Europa für 2023. Im Jahr zuvor waren es 941 Erkrankungen gewesen.

Und mit Blick auf die weltweite Lage schreibt die WHO: „Nach Jahren des Rückgangs bei den Masern-Impfquoten ist die Zahl der Masernerkrankungen im Jahr 2022 um 18 Prozent angestiegen, Todesfälle haben global um 43 Prozent (im Vergleich zu 2021) zugenommen“. Insgesamt waren geschätzte 9 Millionen Menschen betroffen – 136.000 starben, die meisten davon Kinder. Weltweite Zahlen zu 2023 wurden noch nicht veröffentlicht.

Masern: Keine harmlose Erkrankung

Masern: Keine harmlose Erkrankung
Masernerkrankung: Potenziell tödlich. Foto: ©iStock.com/Bilanol

Diese Zahlen zeigen: Das Masernvirus ist eine ernstzunehmende Gefahr. Zu Beginn „zeigen sich Beschwerden wie hohes Fieber, Husten und Schnupfen sowie Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum und der Augen-Bindehaut“, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Es folgt der typische Hautausschlag. Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem. Bei „etwa jedem zehnten Betroffenen treten Komplikationen auf“ – Mittelohr-, Atemwegs-, Lungen- oder sogar Gehirnentzündungen zum Beispiel. Und: Im Durchschnitt 6 bis 8 Jahre nach einer Infektion mit dem Masernvirus kann eine sogenannte „Subakute Sklerosierende Panenzephalitis“ (SSPE) auftreten (s. Grafik). Auch Manifestationen nach bis zu 27 Jahren gab es schon. SSPE ist „eine fortschreitende Entzündung des Gehirns und des Nervensystems und verläuft immer tödlich“, so die BZgA. Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt: „Nach Literaturangaben kommt es durchschnittlich zu 4-11 SSPE-Fällen pro 100.000 Masernerkrankungen.“ Doch Kinder sind besonders gefährdet: „So wurde das Risiko, eine SSPE zu entwickeln, für Kinder, die im Alter von <5 Jahren an Masern erkrankten, auf 30-60 von 100.000 Masernfällen, für Kinder, die im ersten Lebensjahr erkranken, sogar auf rund 170 von 100.000 Masernfällen geschätzt“.

Prävention: Dem Masern-Virus einen Strich durch die Rechnung machen

Eine wirksame und sichere Impfung kann vor den Masern schützen. Durch Immunisierung ist die Häufigkeit der Erkrankungen in Deutschland stark zurückgegangen. Die SSPE ist in Ländern mit guten Durchimpfungsraten äußerst selten. Trotzdem gibt es Luft nach oben – denn nicht alle Menschen sind geschützt, auch in der Bundesrepublik nicht: Im Geburtsjahrgang 2019 lag die Impfquote für die 2. Dosis im Alter von 24 Monaten bei rund 80 Prozent – angestrebt werden eigentlich mindestens 95 Prozent (s. VacMap des RKI). Hierzulande sterben laut RKI „jährlich etwa 3-7 Personen aufgrund der Masern“ – also in Folge einer Erkrankung, die als impfpräventabel gilt. Besser vorbeugen: Das ist im Kampf gegen diese Tatsache wichtigstes Werkzeug. Impfen kann Menschenleben retten.

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