Alexandra Kröber und Vanessa Eichholz moderieren „Akte Leben. Der Pink Ribbon Podcast“. In Folge 3 geht es um klinische Studien. Zu Gast: Antje Mann, die mit metastasiertem Brustkrebs lebt. Symbolfoto: iStock.com / Solovyova
Alexandra Kröber und Vanessa Eichholz moderieren „Akte Leben. Der Pink Ribbon Podcast“. In Folge 3 geht es um klinische Studien. Zu Gast: Antje Mann, die mit metastasiertem Brustkrebs lebt. Symbolfoto: iStock.com / Solovyova

Klinische Studie bei Krebs: „Für mich ein Gamechanger“

Viermal Brustkrebs innerhalb von fünf Jahren: Antje Mann hat zahlreiche Behandlungen hinter sich, doch der Tumor kehrt immer wieder zurück. Derzeit ist ihre Erkrankung stabil – eine entscheidende Rolle spielte dabei eine klinische Studie. Davon erzählt sie in „Akte Leben“ – ein Podcast der Initiative Pink Ribbon Deutschland.

Die Fakten

  • „Akte Leben“ ist eine Podcast-Reihe von Pink Ribbon Deutschland – mit 5 Geschichten über Brustkrebs und mit unterschiedlichen Gästen; moderiert von Alexandra Kröber (Journalistin, Coachin, Fernsehmoderatorin) sowie Vanessa Eichholz (Schauspielerin, Moderatorin).
  • Die Produktion von „Akte Leben“ wurde durch die Unterstützung von AstraZeneca und Daiichi Sankyo ermöglicht.

„Ich hätte gerne einen Plan B in der Tasche, weil ich etwas haben möchte für den Fall, dass es nicht funktioniert.“ Als Antje Mann sich mit diesen Worten an ihre Onkologin wendet, sieht es eigentlich ganz gut aus mit ihrer Behandlung. Doch zu oft hat sie bereits erleben müssen, wie es ist, wenn der Tumor zurückkommt. Daher beginnt sie vorausschauend nach weiteren Optionen zu recherchieren – sie will für den „Worst Case“ vorbereitet sein, das gibt ihr Sicherheit. Sie tauscht sich mit anderen Betroffenen aus und stößt auf die sogenannte CATCH-Studie: Teilnehmen können Brustkrebs-Patient:innen, deren Erkrankung fortgeschritten bzw. metastasiert ist. Forschende untersuchen bei ihnen die molekularen Eigenschaften und die DNA des Tumors. Ziel ist es, auf dieser Basis individuell angepasste, zusätzliche Therapiemöglichkeiten für die Betroffenen zu finden.

Antje Mann stellt mit Unterstützung ihrer Ärztin einen Antrag – und wird angenommen. „Es war der richtige Schritt proaktiv zu sein“. Denn nach einer Computertomographie (CT) kommt „der große Knall“: Ihre Krebserkrankung ist weiter fortgeschritten, der Tumor „in den Knochen und in anderen Organen.“ Ein „Riesenschock.“ Doch zufällig am selben Tag erhält sie Informationen aus der CATCH-Studie: Ihre Tumoreigenschaften waren bereits über mehrere Wochen hinweg umfassend untersucht und von Ärzt:innen und Expert:innen aus verschiedenen Fachrichtungen in einer Konferenz besprochen worden. Das Ergebnis: ein Protokoll mit vier neuen Möglichkeiten, „die für mich in meiner jetzigen Situation funktionieren könnten“, erzählt Antje Mann im Podcast von Pink Ribbon Deutschland. Für sie war die Teilnahme an dieser Studie deshalb ein „Gamechanger“. Sie eröffnete ihr neue Wege. „Der Impuls für die richtige oder vielleicht für die wirksamste Therapie: Das ist mein Benefit aus der ganzen Situation.“

Klinische Studien: Ohne Teilnehmende kein Fortschritt

Dr. Maximilian Nossek, Daiichi Sankyo Deutschland. Foto: Rainer Haeckl
Dr. Maximilian Nossek, Daiichi Sankyo Deutschland. Foto: Rainer Haeckl

Das zeigt beispielhaft, welche Bedeutung klinische Forschung für Patient:innen haben kann. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Studien: Während CATCH eine Registerstudie zur molekularen Diagnostik ist, geht es in klassischen Arzneimittelstudien darum, einen bestimmten Wirkstoffkandidaten zu überprüfen. Dafür durchläuft er in der Regel mehrere Phasen, in denen Wirksamkeit, Sicherheit, Verträglichkeit und Dosierung untersucht werden. Dr. Maximilian Nossek, medizinischer Leiter der Onkologie beim forschenden Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo in Deutschland, betont im Podcast, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die daran teilnehmen: „Eine Idee kann ja brillant sein. Eine klinische Studie kann ein vielversprechendes Medikament testen. Aber wenn niemand daran teilnimmt, dann vergeht die Zeit. Und die Zeit vergeht für Betroffene.“ Es ist Zeit, die Menschen mit schweren Erkrankungen wie Krebs in der Regel nicht haben.

Nossek unterstreicht gleichzeitig, dass Studien nicht nur dann eine Möglichkeit sein können, wenn alle anderen Behandlungsoptionen ausgereizt sind. Daher sei es „wichtig, dass wir richtig erklären, wie klinische Studien ablaufen und damit sicherstellen, dass klinische Studien schon früh in der Behandlung mitgedacht werden.“

Das sieht Dr. Babett Baraniec, promovierte Biologin und Medizinpädagogin, ähnlich. Sie lebt seit 13 Jahren mit Krebs und hat den „Krebs Campus“ gegründet – laut Website-Angaben eine „Gemeinschaft von mehr als 500 Mitgliedern, die sich intensiv austauschen, gemeinsam informieren und den Weg durch ihre Erkrankung nicht alleine gehen.“ Baraniec brennt für die „Studienteilnahme als Therapieoption. Weil ich in der Studienlandschaft, die ich gut verfolge, eben sehe, was für spannende Therapiekonzepte da gerade entwickelt werden, also mRNA, CAR-T-Zelltherapie, bispezifische Antikörper […]. Und ich als Patientin habe durch Studien die Möglichkeit, an diese modernsten Therapien zu kommen, die ich sonst nicht hätte, weil die Entwicklung eine Weile dauert.“ Zusätzlich bekomme man in den Studienzentren „eine exzellente Betreuung, die oftmals viel, viel intensiver ist“.

Doch viele Patient:innen finden keine gut verständlichen Informationen zu laufenden klinischen Studien; die Suche kostet Kraft, ist zeitintensiv. Und auch Vorurteile und fehlendes Wissen halten einige ab. Hinzu kommen weitere Hürden etwa in Form von Bürokratie, Personalmangel und unzureichender Digitalisierung. Baraniec ist mit ihrem Krebs Campus einer von vielen Unterstützern der „STUDIEN WIRKEN“-Initiative der Funke Mediengruppe. Sie soll u. a. klinische Studien bekannter machen, aufklären und Menschen motivieren, sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zudem verweist Baraniec auf Plattformen wie Reesi oder Iuvando, über die Patient:innen, Ärzt:innen und Kliniken nach geeigneten Studien suchen können.

Brustkrebs: „so viel Lebenszeit wie möglich sammeln“

Bildrechte: © Pink Ribbon Deutschland; Quelle: Daiichi Sankyo
Bildrechte: © Pink Ribbon Deutschland; Quelle: Daiichi Sankyo

Für Antje Mann war die Teilnahme an „CATCH“ die richtige Entscheidung. Ihre Brustkrebserkrankung ist unter der aktuellen Behandlung stabil: Der Tumor ist metastasiert und gilt als nicht mehr heilbar, doch die Erkrankung schreitet derzeit nicht weiter fort. „Für meine Situation ist alles, was Stillstand bedeutet, schon mal sehr gut“. In der Medizin hat sich da viel getan: „Es gibt ganz viele Frauen, […] die sind schon zehn oder 15 Jahre metastasiert, mit einer guten Therapie eingestellt“.

Antje Mann findet: „Wir sind sehr privilegiert in Deutschland. Wir haben viele Therapien. […] Wir haben ein tolles Gesundheitssystem und wir haben viele tolle Ärzte […], wir haben viele tolle Pfleger und Pflegefachkräfte, die sich rührend um uns kümmern. Das ist total wichtig und das muss auch erhalten bleiben.“

Ihr Ziel sei es, „so viel Lebenszeit wie möglich zu sammeln und zu erhalten“. Dazu gehört für sie auch, ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Sie möchte wieder arbeiten, ihre Kolleg:innen sehen und sich mit anderen Dingen beschäftigen als mit ihrer Erkrankung. Wie viel Zeit ihr bleibt, weiß sie nicht. „Wir haben alle keinen Barcode hinten im Nacken, wo draufsteht: Ablaufdatum an. Niemand von uns weiß, was morgen passiert oder übermorgen“, sagt Antje Mann. „Ich weiß, dass es nicht ganz so viel Lebenszeit mehr ist. Ich weiß aber auch nicht, wie viel es nachher am Ende ist.“ Ihr Appell lautet daher: „Lebe den Tag, mach das Beste draus.“

Weiterführender Link:

https://www.pinkribbon-deutschland.de/akteleben/

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