Klinische Studien sind medizinische Innovationsmaschinen und leben von der Teilnahme. Aber Deutschland gilt als Studienmuffel. Die Funke Mediengruppe will das ändern. Foto: ©iStock.com/zamrznutitonovi
Klinische Studien sind medizinische Innovationsmaschinen und leben von der Teilnahme. Aber Deutschland gilt als Studienmuffel. Die Funke Mediengruppe will das ändern. Foto: ©iStock.com/zamrznutitonovi

Klinische Studien: Moderne Medizin braucht Menschen – nicht nur Labore

Klinische Studien sind die Brücke zwischen einer wissenschaftlich fundierten Idee zur Behandlung einer Krankheit und der Frage, ob sie in der medizinischen Versorgung funktioniert. Auch wenn Deutschland in den vergangenen Jahren an Boden verloren hat; es ist weltweit immer noch ein attraktiver Studienstandort. Allerdings sind die Menschen im Land ausgesprochene Studienmuffel: Pro eine Million Einwohner:innen sind es nur 33 Studien; beim Spitzenreiter Dänemark sind es hingegen fast 200. Eine Kampagne der FUNKE Mediengruppe will das ändern.
Henriette Schnabl, Chief Partnership Officer STUDIENWIRKEN.
Henriette Schnabl, STUDIENWIRKEN. Foto: MIKE AUERBACH

STUDIENWIRKEN“ – so ist der Name der Initiative. Die FUNKE Mediengruppe – mit rund 500 Publikationen im In- und Ausland ein wichtiger Faktor der Meinungsbildung und einer der Großen der Branche – will klotzen, nicht kleckern: Eine über Jahre ausgelegte Mediakampagne soll aufklären und Wissenslücken schließen. Henriette Schnabl, die als Chief Partnership Officer für das Projekt verantwortlich ist und es auf der Herbstarbeitstagung der Initiative Vision Zero in der Onkologie vorgestellt hat, beschreibt sie als „eine bunte Welt: Online, Print, Digital, Plakate, Events. Dreh- und Angelpunkt ist die Webseite. Der Ansatz ist breit.“ Der Verlag hat auch Jobportale im Portfolio – perfekt, um das Personal anzusprechen, das für ein Mehr an Studien – ein Mehr an Zukunft – dringend gesucht wird. Ein Advisory Board, an dem Expert:innen aus Wissenschaft und Medizin, Vertreter:innen aus der Patientenszene, der forschenden Unternehmen und der Kommunikation beteiligt sind, soll dabei helfen, „klinische Forschung verständlicher, transparenter und menschlicher zu machen“, wie es auf der Webseite heißt. Auch ein Studienfinder ist dabei: Erkrankung eingeben, Wohnort und den Umkreis ergänzen – schon erscheint eine Übersicht der Studien.

Klinische Studien für eine bessere Medizin von morgen

Nein, Henriette Schnabl glaubt nicht, dass es in erster Linie Vorbehalte sind, die Menschen davon abhalten, an Studien teilzunehmen. „Es sind Wissenslücken.“ Jeden Tag kämpfen Millionen von Menschen gegen chronische, schwere, teils seltene Erkrankungen, für die es keine oder nur eine unzureichende Therapie gibt. „Für diese Menschen ist der medizinische Fortschritt die einzige Hoffnung. Der Schlüssel dazu sind klinische Studien: Sie sind die Voraussetzung, um neue und bessere Therapien zu entwickeln.“ Den allermeisten sei nicht bekannt, dass sie durch ihre Teilnahme aktiv den medizinischen Fortschritt mitgestalten könnten. Im besten Fall profitieren die Proband:innen von einer neuen Behandlung und erhalten gleichzeitig eine besonders engmaschige medizinische Betreuung. „Man hilft nicht nur sich selbst, sondern auch künftigen Generationen“, so Schnabl. Bei STUDIENWIRKEN finden User:innen Informationen, was für Studienarten es gibt, wie sie funktionieren und wohin man sich wenden kann.

Auch mit Vorurteilen wird aufgeräumt. So heißt die erste Frage im FAQ: Bin ich ein Versuchskaninchen? Nein, denn die Sicherheit und das Wohlergehen der Teilnehmenden stehe immer an erster Stelle. „Jede klinische Studie wird zudem eng kontrolliert, z. B. von einer Ethikkommission“, heißt es dort.

Die Claims der Initiative haben es in sich: „Ohne Studien gäbe es kein einziges Medikament. Einfach nichts. Punkt!“, heißt einer. Oder ein anderer: „Irgendwo in einem Studienzentrum wird gerade aus hoffnungslos hoffnungsvoll.“ Klinische Studien, so die Botschaft, können Lebensperspektiven schaffen. Dazu werden nicht nur kranke Menschen, sondern auch gesunde Freiwillige gesucht. Denn am Anfang eines neuen Wirkstoffes steht immer die Frage: Ist er grundsätzlich verträglich? Gesunde liefern gerade in der Frühphase der Entwicklung klare Referenzwerte, um Risiken früh zu erkennen und Patient:innen schützen. Sie machen eine evidenzbasierte Medizin erst möglich.

Deutschland: Klinische Forschung stärken

Deutschland: Klinische Forschung stärken
Ziel: Zahl der klinischen Studien in Deutschland deutlich steigern. Foto: ©iStock.com/Jacob Wackerhausen

Das forschende Unternehmen AstraZeneca ist einer der Unterstützer der Kampagne; das Unternehmen will die Zahl der klinischen Studien in Deutschland deutlich steigern. „Klinische Studien ermöglichen es uns, Menschen heute schon mit Therapien zu behandeln, bevor sie zugelassen sind – damit holen wir uns ein Stück medizinische Zukunft ins Land. Gerade für schwere Erkrankungen wie Krebs können sie ein Hoffnungsträger sein – indem sie Betroffenen Zugang zu innovativen Möglichkeiten und neuen Chancen eröffnen“, sagt Dr. Simone Kappels. Bei AstraZeneca verantwortet sie die Onkologie-Studien und sie ist auch Teil des Advisory Boards bei STUDIENWIRKEN. „Daher ist es so wichtig, dass alle Menschen über ihre Möglichkeiten zur Studienteilnahme aufgeklärt sind. Deshalb ist die Initiative so wichtig.“ Zusätzlich müsse intensiv in die entsprechende Infrastruktur investiert werden, in Labore, in Fachpersonal. Sie ist überzeugt: „Ein Land mit exzellenter Medizin, aber zu wenigen klinischen Studien, verliert seinen Anschluss an Innovation und Therapiequalität.“

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