FSME: 98 Prozent aller Erkrankten unzureichend geimpft

Es ist eine potenziell lebensbedrohliche Krankheit, die unter anderem zu einer Hirnhautentzündung führen kann: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Doch es gibt wirksame Impfstoffe: Würde dieses Präventionswerkzeug in Deutschland besser genutzt, müsste ein Großteil der jährlich auftretenden FSME-Erkrankungen gar nicht sein.

Die Viren, die eine FSME-Erkrankung auslösen können, werden über befallene Zecken auf den Menschen übertragen. Durch einen Stich können die Erreger in die Blutbahn gelangen. „In Deutschland besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und seit 2022 auch im südöstlichen Brandenburg“, schreibt das Robert Koch-Institut. 178 Kreise hat das RKI aktuell als sogenannte „Risikogebiete“ ausgewiesen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung „für Personen, die in FSME-Risikogebieten zeckenexponiert sind.“ Dabei gilt: „Die Immunisierung stellt einen wirksamen Schutz […] dar. Für die Grundimmunisierung sind drei Impfstoffdosen erforderlich. Auffrischimpfungen sind bei fortbestehender Exposition in Abständen zwischen drei und fünf Jahren erforderlich, je nach Alter und verwendeten Impfstoff“ (s. RKI).

FSME: Impfquoten unzureichend

FSME: Impfquoten unzureichend
Steigerung der Impfquoten: FSME-Erkrankungen könnten verhindert werden. Foto: ©iStock.com/Poike

Die Sachlage ist also die folgende: Da ist a) eine potenziell tödliche Erkrankung und es gibt – b) – Vakzine, mit denen sich die Menschen schützen können. Umso mehr wundert es, dass – c) – die Impfquoten auch in Risikogebieten „weiterhin auf niedrigem Niveau“ sind. Das trifft vor allem auf „Personen im Alter über 60 Jahren“ zu, „bei denen das Risiko einer schweren Erkrankung deutlich erhöht ist“, meint das RKI. Nach einer Auswertung der Daten der Kassenärztlichen Vereinigung (Stand: 2020) schwankte die kreisbezogene Impfquote innerhalb der Risikogebiete zwischen 7,5 Prozent und 39,1 Prozent bei Erwachsenen. 

546 FSME-Erkrankungen wurden im vergangenen Jahr registriert. „Die Mehrzahl (98%) der 2022 übermittelten FSME-Erkrankten war gar nicht oder unzureichend geimpft, d.h. die Grundimmunisierung war unvollständig oder Auffrischimpfungen fehlten. Ein hoher Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen könnte wahrscheinlich durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in Risikogebieten mit hoher FSME-Inzidenz verhindert werden“, stellt das RKI fest.

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