12 Milliarden Euro: Das ist der sozioökonomische Nutzen, den neuere Arzneimittel aus den Bereichen Krebs, Atemwegserkrankungen und Stoffwechsel- bzw. Verdauungsstörungen zwischen 2014 und 2022 in Deutschland gestiftet haben, so das WifOR. Dem gegenüber stehen Arzneimittelausgaben von rund 2,76 Milliarden Euro. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis kann sich sehen lassen: 4,3 zu 1. Europaweit ergibt sich ein ähnliches Bild: Das WifOR hat im Auftrag des Pharmaverbands EFPIA für drei große Krankheitsbereiche in 29 Ländern die Auswirkungen von Innovationen auf Sterblichkeit und Krankenhausaufenthalte sowie den daraus resultierenden wirtschaftlichen Mehrwert untersucht. Rund 11,7 Milliarden Euro an Arzneimittel-Investitionen hatten demnach messbare gesamtgesellschaftliche Effekte in Höhe von 66,2 Milliarden Euro. Oder anders gesagt: Jeder Euro für neue Medikamente bringt Europa 5,70 Euro zurück:
- Zwischen 2014 und 2022 war der Einsatz neu zugelassener Arzneimittel in 29 europäischen Ländern mit 1,83 Millionen weniger verlorenen Lebensjahren vor dem 85. Lebensjahr sowie 20,9 Millionen weniger Krankenhaustagen verbunden. Das entspricht einer Entlastung von mehr als 57.000 Krankenhausbetten über ein ganzes Jahr.
- Innovative Arzneimittel generierten 38 Milliarden Euro durch höhere Arbeitsproduktivität, 19 Milliarden Euro durch zusätzliche unbezahlte Tätigkeiten (z. B. Pflege- und Familienarbeit) sowie neun Milliarden Euro durch eingesparte Krankenhauskosten.
- Krebsmedikamente, die in der öffentlich-medialen Debatte oftmals als Kostentreiber verschrien werden, erzielten für jeden investierten Euro sogar einen sozioökonomischen Nutzen von 6,80 Euro.
Gesundheit: Basis für Wohlstand
Laut EFPIA-Generaldirektorin Nathalie Moll zeigt die WifOR-Analyse erneut, „dass Investitionen in die Gesundheitsversorgung einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, der ihre Kosten deutlich übersteigt.“ Sparmaßnahmen in diesem Bereich seien politisch gesehen „nicht nur ein strategischer Fehler“, sondern zudem ein Eigentor: Denn man opfere „langfristigen Wohlstand für kurzfristige Einsparungen. Viele Länder erkennen inzwischen, dass eine gesunde Bevölkerung die Grundlage einer leistungsfähigen Wirtschaft ist. Europa sollte diesem Beispiel folgen.“
Mit dem geplanten Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) geht die Bundesregierung demnach genau den falschen Weg. Han Steutel vom Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) sagt: „Wer Innovation nur als Ausgabe sieht, rechnet Deutschland ärmer. Neue Arzneimittel vermeiden Krankenhausaufenthalte, erhalten Arbeitskraft und schaffen volkswirtschaftlichen Nutzen. Genau diesen Fortschritt jetzt durch pauschale Abschläge und Rabattlogiken auszubremsen, wäre gesundheitspolitisch kurzsichtig und wirtschaftspolitisch falsch“. Er nennt es eine „Sparpolitik mit Nebenwirkungen“.
Weiterführender Link:
WifOR: „RESEARCH REPORT JUNE 2026. How innovation drives health and growth in Europe: Assessing the Return on Investment of innovative medicines” (für EFPIA)
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Die Bundesregierung betont, dass sie mit dem vorgelegten Entwurf zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) „allen Beteiligten – von der Pharmaindustrie über die Ärztinnen und Ärzte bis hin zu den Krankenhäusern – etwas abverlangt, um dieses System zukunftsfähig zu machen.“ Das aber ist nicht nur der falsche Weg – es stimmt auch einfach nicht. Ein Kommentar von Florian Martius.

Neue Arzneimittel im Faktencheck: Was sie die GKV wirklich kosten
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