„Wenn der Klimawandel krank macht“ – so überschrieb tagesschau.de im vergangenen Jahr den Bericht zum „Lancet Countdown Report“, der regelmäßig Daten zu den direkten und indirekten gesundheitlichen Folgen der Klimaveränderungen veröffentlicht. Dazu nur eine Zahl: Allein die hitzebedingte Sterblichkeit stieg im Vergleich zu den 1990er-Jahren um 167 Prozent. Der Bericht lässt nur einen Schluss zu: „Neue Rekorde: Klimakrise zerstört die Gesundheit der Menschen.“

Die Klimakrise, das hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits vor Jahren festgestellt, ist eine der größten öffentlichen Gesundheitskrisen unserer Zeit. Denn sie führt zu einer Zunahme von Atemwegserkrankungen, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Infektionskrankheiten. „Es ist an der Zeit, eine unbestreitbare Wahrheit anzuerkennen: Die Klimakrise ist eine Gesundheitskrise. Sie hat bereits tödliche Folgen, und ohne dringende Maßnahmen wird es noch viel schlimmer werden.“ Das erklärte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, erst im Juni dieses Jahres.
Das ist auch ein Thema, das die Ärzt:innen in Deutschland umtreibt. Das zeigt das „Ärzt:innen-Barometer: Faktor Nachhaltigkeit“, dessen Ergebnisse AstraZeneca veröffentlicht hat. Die große Mehrheit (88 Prozent) der in Deutschland praktizierenden Mediziner:innen sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Umwelt und der Gesundheit ihrer Patient:innen. Mehr als die Hälfte gab an, dass sie Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Therapieentscheidungen einfließen lassen. Es sind vor allem die Hausärzt:innen und Pneumolog:innen, die dem Thema Nachhaltigkeit im beruflichen Alltag den höchsten Stellenwert beimessen.
Nachhaltigkeit: Kernbestandteil verantwortungsvoller Medizin
Professorin Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Leiterin der Umweltmedizin an der Universitätsklinik in Augsburg und des Instituts für Umweltmedizin am Helmholtz Zentrum München, sieht hier einen Trend: „Nachhaltigkeit wird ein Kernbestandteil verantwortungsvoller Medizin. Nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und ökonomisch. Deshalb erwarten Ärzt:innen eben auch, dass die Pharmaindustrie mitzieht.“

Es sind 87 Prozent, die fordern, dass Pharmaunternehmen aktiv zur Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen beitragen – etwa durch CO₂-Reduktion, ressourcenschonende Produktionsprozesse oder nachhaltige Lieferketten. 60 Prozent der Befragten sehen die Dekarbonisierung von Pharmaunternehmen und deren Lieferketten als besonders dringlich an. „Wir sind uns unserer Rolle bewusst“, sagt Dr. Michael Seewald, Vice President Medical & Regulatory bei AstraZeneca Deutschland. „So ist es beispielsweise für Patient:innen mit chronischen Atemwegserkrankungen entscheidend, nachhaltige Therapieoptionen zu entwickeln, denn viele der über 14 Millionen Betroffenen in Deutschland sind auf Inhalatoren angewiesen. Durch ein innovatives Treibmittel mit bis zu 99,9 Prozent geringerem Treibhauspotenzial verbessern wir die Klimabilanz dieser Therapien erheblich. Aber vor allem, indem wir Exazerbationen und Klinikaufenthalte vermeiden, senken wir den CO₂-Fußabdruck.“ Für Seewald ist klar: Die nachhaltigsten Patient:innen sind die, bei denen die Krankheit gut kontrolliert ist – wodurch z.B. schwere Verläufe vermieden und entsprechend Krankhausaufenthalte verhindert werden können.
71 Prozent der Befragten meinen, dass Pharmaunternehmen eine entscheidende Rolle dabei spielen, das Gesundheitswesen auch durch digitale Lösungen nachhaltiger zu gestalten. Der Gesundheitssektor ist weltweit für etwa fünf Prozent der Treibhausgasemissionen (THG) verantwortlich. In den Industrieländern sind es jährlich rund zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2). 40 Prozent dieses Ausstoßes entstehen im Rahmen der Patient:innenversorgung – vor allem im stationären Bereich.
Dekarbonisierung: Strategische Notwendigkeit

Für forschende Pharmaunternehmen ist Nachhaltigkeit längst eine strategische Notwendigkeit und Reaktion nicht nur auf regulatorische Vorgaben, sondern auch auf gesellschaftliche Erwartungen. Denn Patient:innen, Ärzt:innen, Investor:innen und Regierungen fordern zunehmend Transparenz, Umweltverantwortung und soziale Gerechtigkeit. Immer mehr Unternehmen orientieren sich deshalb an den ESG -Kriterien. ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) und bildet den Rahmen, um nachhaltige und verantwortungsvolle Unternehmensführung bewerten zu können. So setzt AstraZeneca auf die „Ambition Zero Carbon” und ist nach eigenen Angaben auf Kurs, die Treibhausgasemissionen aus seinen Betrieben in der ganzen Welt und der Fahrzeugflotte bis 2026 um 98 Prozent zu senken (Basisjahr: 2015). Bis 2030 sollen weltweit 200 Millionen Bäume gepflanzt werden; die Fahrzeugflotte in Deutschland hat das Unternehmen bereits komplett auf Elektro umgestellt.
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