Durch Mücken übertragene Infektionskrankheiten: Warum das Risiko in Europa zunimmt

Mit Blick auf tropische Infektionskrankheiten, die durch Mücken übertragen werden, meldete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) kürzlich Rekorde – künftig könnte das der „neue Normalzustand“ in Europa sein, so die Befürchtung. Ein Blick auf die Hintergründe.

In 16 europäischen Ländern und 369 Regionen kommt die Asiatische Tigermücke inzwischen vor. Vor rund einem Jahrzehnt trat sie in nur 114 Regionen auf. Ursprünglich ist Aedes albopictus – so der wissenschaftliche Fachbegriff – in Südostasien beheimatet. Aber Klimakrise – und die damit einhergehenden milderen Winter bzw. höheren Sommertemperaturen – sowie internationaler Verkehr haben eine Ausbreitung bis nach Europa begünstigt.

Mückenstiche sind nicht nur lästig – die Tiere können auch diverse Krankheitserreger übertragen. 27 Ausbrüche mit dem tropischen Chikungunya-Virus in Europa meldete das ECDC am 20. August für das Jahr 2025 – ein Rekord. Ein Beispiel ist Bayern: Dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit wurden für 2025 – Stand: 4. August – 24 Fälle der Krankheit gemeldet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur fünf gewesen. Hohes Fieber sowie starke Glieder- und Muskelschmerzen sind möglich, selten kann die Krankheit tödlich verlaufen – etwa bei Neugeborenen oder Älteren.

Wie sich durch Mücken übertragene Infektionskrankheiten ausbreiten

Auch andere Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber sind auf dem Vormarsch. Wie es genau dazu kommen kann? Das erklärt das ECDC in einem Video: Es macht deutlich, wie schnell sich ein Virus ausbreiten kann. Reist etwa eine Deutsche – oder eine Italienerin wie in dem Video (s. unten) – für einen Urlaub nach Brasilien, kann sie dort über einen Mückenstich mit dem Dengue-Virus infiziert werden. Symptome entwickelt sie womöglich erst, als sie wieder zuhause ist. Die Zahl solch importierter Dengue-Erkrankungen in der EU hat zuletzt deutlich zugenommen – 2023 waren es 5.100 Fälle, 2015 noch 1.700. Die Reiserückkehrer:innen werden an ihrem Heimatort womöglich erneut von einer Asiatischen Tigermücke gebissen. Dadurch werden die Moskitos potenziell ebenfalls zu Überträgerinnen für das Virus: Sie können es an weitere Menschen in der Umgebung weitergeben. Mit der Zeit steigt so die Zahl der Zweiflügler, die den Krankheitserreger hierzulande in sich tragen. 2010 wurden die ersten 12 Dengue-Fälle in Europa (EU/EEA) gemeldet, die nicht importiert wurden, sondern lokal entstanden sind. 2024 waren es schon 304 Fälle.

Das Risiko für mückenübertragene Infektionskrankheiten in Europa wird in Zukunft weiter zunehmen. „Damit wird Prävention wichtiger denn je“, sagt Dr. Céline Gossner vom ECDC. Dazu gehören das Tragen langer Kleidung, Mückenspray, geschlossene Fenster oder Fliegengitter. Auch Impfungen können Reisende ggf. schützen – etwa vor dem Dengue- oder dem Chikungunya-Fieber. Und Pharmaunternehmen arbeiten an weiteren Vakzinen gegen solche Infektionskrankheiten.

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