17 Prozent – das ist der Anteil von Krebserkrankungen an der gesamten Krankheitslast in Europa. Gemessen wird das in DALYs, den so genannten krankheitsbereinigten Lebensjahren. Die Zahl wird steigen. Das liegt nicht nur an der Unumkehrbarkeit der demographischen Trends auf dem Kontinent – mit dem Alter steigt das Krebsrisiko. Daten aus einer Kohortenstudie in den USA zeigen zudem, dass dort die Inzidenz für Krebs in der Generation X höher ist als bei den Baby-Boomern: „Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass die Krebsinzidenz in den USA bei gleichbleibender Entwicklung noch Jahrzehnte lang hoch bleiben könnte.“
Expert:innen rechnen damit, dass das übertragbar ist: „Die Zahl der Krebserkrankungen im frühen Lebensalter ist seit 1990 weltweit um 79 Prozent gestiegen“, heißt es im Weißbuch „The Transformative Value of Cancer Medicines in Europe“, welches das Beratungsunternehmen Dolon im Auftrag des europäischen Pharmaverbandes EFPIA erstellt hat. „Immer häufiger sind Menschen in der Blüte ihres Lebens betroffen, was Karrieren, Familien und langfristige Lebenspläne beeinträchtigt und erhebliche Auswirkungen auf Gesellschaft und Produktivität hat.“ Für das Jahr 2024 wird die Zahl der Krebsfälle in der Europäischen Union und den EFTA-Staaten voraussichtlich 3,4 Millionen erreichen – ein Anstieg von 21,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2020.
Anteil der Krebsmedikamente an den Gesundheitsausgaben: 3 Prozent

Droht also ein starker Anstieg der Kosten für die Krebsbekämpfung? Dolon hat Zahlen (s. Grafik): „Im Jahr 2023 beliefen sich die Gesamtausgaben für Krebsbehandlungen, einschließlich Medikamente, Krankenhausleistungen, ambulanter Versorgung und sonstiger Kosten, auf etwa 6,6 Prozent der Gesundheitsbudgets in ganz Europa. Dieser Anteil ist seit 1995 konstant geblieben und entspricht dem allgemeinen Wachstum der Gesundheitsausgaben.“ Und: Insgesamt werden nur rund drei Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben für Krebsmedikamente aufgewendet. Das ist – gemessen an der Krankheitslast – ein überschaubarer Betrag.
Dolon geht davon aus, dass in den Jahren zwischen 2012 und 2022 durch Verbesserungen in der Krebsversorgung, -behandlung und -diagnostik rund 1,44 Millionen Lebensjahre in ganz Europa gerettet wurden. Ein wesentlicher Treiber dabei: neue Therapiemöglichkeiten. „Wir schätzen den Gesamtwert der durch pharmazeutische Innovationen erzielten Gesundheitsgewinne auf 29,2 Milliarden Euro (Spanne: 7,5 bis 63,3 Milliarden Euro) und unterstreichen damit den immensen gesellschaftlichen Nutzen von Investitionen in Fortschritte in der Krebsbehandlung.“
Pharmazeutische Innovation: Investition in die Zukunft Europas

Krebsbehandlungen sollten nicht als bloße Kosten, sondern als wertvolle Investitionen betrachtet werden – denn Krebs ist längst nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine wirtschaftliche Krise Europas. Jeder unbehandelte oder zu spät behandelte Krebsfall kostet die Wirtschaft Milliarden durch Produktivitätsverluste, Frühverrentung und Pflegeaufwand. Wer jetzt in Prävention, Früherkennung und innovative Therapien investiert, investiert in Arbeitskraft, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Jeder Euro, der in die Bekämpfung von Krebs fließt, zahlt sich doppelt aus: in geretteten Leben und in gesicherter wirtschaftlicher Stärke Europas.
Weiterführender Link:
Dolon: The Transformative Value of Cancer Medicines in Europe, September 2025
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