Der Rekordkrankenstand 2023 und die Auswirkungen auf die Wirtschaft zeigen: Gesundheit ist Voraussetzung, damit sich die Menschen und die Bundesrepublik entfalten können. Foto: ©iStock.com/monkeybusinessimages
Der Rekordkrankenstand 2023 und die Auswirkungen auf die Wirtschaft zeigen: Gesundheit ist Voraussetzung, damit sich die Menschen und die Bundesrepublik entfalten können. Foto: ©iStock.com/monkeybusinessimages

Investition in Gesundheit = Investition in Zukunft Deutschlands

Zeit mit Familie und Freund:innen genießen, Hobbys und Ehrenämter ausüben, eine berufliche Karriere verfolgen? Krankheiten hindern viele Menschen daran, ihr Leben so zu leben, wie sie das möchten. Gesundheit gilt daher als ein hohes Gut. Gleichzeitig hat Gesundheit enorme gesamtgesellschaftliche Dimensionen: Schließlich ist sie Voraussetzung dafür, dass sich die Wirtschaft voll entfalten kann. Sie ist die Basis für den Wohlstand Deutschlands. Ist er in Gefahr?
Sprechstunde
Rekordjahr 2023: Krankenstand so hoch wie nie. Foto: ©iStock.com/Inside Creative House

Im vergangenen Jahr erlebte Deutschland einen Rekordkrankenstand. Das ist nicht nur für die Betroffenen und ihre Angehörigen belastend. Laut dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) summieren sich die Arbeitsausfälle auf 26 Milliarden Euro. Hinzu kommen Verluste seitens der Krankenversicherungen und in Bezug auf Steuereinnahmen – in Höhe von weiteren, mehreren Milliarden Euro. „Deutschland ist mit einem Minus von 0,3 Prozent bei der Wirtschaftsleistung im abgelaufenen Jahr Schlusslicht im Euroraum und auch global auf den hinteren Plätzen“, so der vfa in seiner Veröffentlichung „#MacroScopePharma 01/24“.

Neben anderen Faktoren wie einer schwachen Nachfrage aus dem Ausland und hohen Energiekosten haben sich Fehlzeiten durch Krankheit als „veritable Wachstumsbremse“ herausgestellt, sagt vfa-Chefvolkswirt Dr. Claus Michelsen. Tatsächlich wäre die deutsche Wirtschaft ohne die überdurchschnittlichen Krankentage um knapp 0,5 Prozent gewachsen. „Bereits seit geraumer Zeit ist der Krankenstand so hoch, dass krankheitsbedingte Ausfälle nicht mehr ohne Weiteres mit den üblichen Mitteln wie Überstunden und Umstrukturierungen aufgefangen werden können“, so. Dr. Michelsen.

Deutschland im demografischen Wandel: Mehr Gesundheit?

Warum gerade in Deutschland und ausgerechnet im Jahr 2023 der Krankenstand so außergewöhnlich hoch war – dazu gibt es laut vfa „noch keine abschließenden Erkenntnisse.“ Klar aber ist: Die hiesige Wirtschaft steht so oder so „vor erheblichen strukturellen Problemen“, gleichzeitig ist der internationale Wettbewerb enorm.

Die Gesellschaft altert – ein immer höherer Anteil an Menschen ist in der Altersgruppe 60+, während vergleichsweise wenige Junge für Erwerbstätigkeiten zur Verfügung stehen. Angesichts dieser Tatsache wird das Ziel von „mehr Gesundheit“ zunehmend wichtig für den künftigen Wohlstand der Bundesrepublik. Doch die Herausforderungen werden nicht abnehmen:

Krankheiten, die besonders ältere Menschen treffen, nehmen zu
Krankheiten, die besonders ältere Menschen treffen, nehmen zu. Foto: ©iStock.com/Inside Creative House

Krankheiten, die besonders ältere Menschen treffen, nehmen zu:

Demenz ist da nur ein Beispiel von vielen: In Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen betroffen – 2050 könnten es bereits bis zu 2,8 Millionen sein. Oder Krebs: Rund 500.000 Neuerkrankungen sind es momentan pro Jahr – Fachleute gehen davon aus, dass es dabei nicht bleiben wird und die Zahlen deutlich steigen werden.

Die Krise in der Pflege ist eine Krise der Medizin:

Der demografische Wandel trifft besonders hart die Menschen, die in der Pflege tätig sind. Während die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, nimmt das Personal ab. Bis zu 690.000 Pflegekräfte könnten 2049 in Deutschland fehlen. Kranke und hilfsbedürftige Menschen in Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, Pflege-, Alten- und Behindertenheimen sowie Patient:innen von Pflege- und Betreuungsdiensten sind auf sie angewiesen. Bürokratieabbau, Künstliche Intelligenz und Robotik versprechen Entlastung – doch eine richtige Lösung des Problems ist noch nicht in Sicht.

Die jüngere Generation wird früher und häufiger krank als ältere:

Im vergangenen Jahr machte eine Arbeit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Runde, wonach zwar die heute ältere Generation „wesentlich gesünder“ ist „als die Generation ihrer Eltern und Großeltern.“ Aber: Diese positive Entwicklung setzt sich momentan bei den später Geborenen nicht fort. „So hat sich der Anteil adipöser Menschen im Alter zwischen 25 und 55 Jahren im Zeitraum von 2004 bis 2020 fast verdoppelt.“ Und „Adipositas begünstigt wiederum Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Fettleber“, so die Wissenschaftler:innen. Mehr Gesundheit? Davon bewegt sich die Gesellschaft grad eher weg.

Nach der Pandemie ist vor der Pandemie:

Die Klimakrise ist eine Gesundheitskrise
Klimakrise = Gesundheitskrise: Umweltkatastrophen vorprogrammiert. ©iStock.com/12521104

COVID-19 hat gezeigt, was es bedeutet, wenn ein Virus Gesellschaften weltweit lahmlegt: zahlreiche Krankheits- und Todesfälle, Long Covid, Lockdowns mit privaten, gesellschaftlichen, ökonomischen Auswirkungen, Disruptionen in globalen Lieferketten. „Gemessen an einem Szenario ohne Pandemie fiel das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Bundesrepublik in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt um annähernd 350 Milliarden Euro niedriger aus“, so das Institut der Deutschen Wirtschaft. Und für die meisten Fachleute steht fest: Die Frage ist nicht, ob nochmal eine neue Pandemie über die Menschheit kommt, sondern wann.

Die Klimakrise ist eine Gesundheitskrise:

Die Auswirkungen der globalen, menschengemachten Erderwärmung werden auch für die Menschen in Deutschland immer ersichtlicher – und das nicht nur mit Blick auf Umweltkatastrophen wie die Flut im Ahrtal 2021. „Mehr Hitzetote, neue und vermehrt auftretende Infektionskrankheiten, erhöhte Allergiebelastung, Zunahme von Antibiotikaresistenzen, mehr Lungenerkrankungen als Folge zunehmender Feinstaubbelastung, mehr Hautkrebs durch erhöhte UV-Strahlung – das sind einige der negativen Folgen des Klimawandels für die Gesundheit der Bevölkerung“, fasst das Robert Koch-Institut (RKI) zusammen.

Mehr Gesundheit: Prävention ist gefragt

Hinzu kommen zunehmende geopolitische Unsicherheiten, eine Ausbreitung von (gesundheitsgefährdenden) Verschwörungsideologien (s. Pharma Fakten) sowie ein harter Standortwettbewerb: Klingt nicht gerade rosig.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Viele der beschriebenen Entwicklungen lassen sich in ihrem künftigen Ausmaß beeinflussen – sie sind nicht in Stein gemeißelt. Wie stark zum Beispiel die Klimakrise die Menschen und ihre Gesundheit treffen wird, ist davon abhängig, wie schnell wirksame Maßnahmen ergriffen werden, um die Erderwärmung einzudämmen, und wie gut es einer Gesellschaft gelingt, sich vorzubereiten und anzupassen.

Aufklärung und Prävention sind zudem wichtige Stellschrauben: Mehr Bewegung, gesünderer Lebensstil, bessere Ernährung – das kann das Risiko für viele Krankheiten senken.

Mehr Gesundheit: Fortschritt durch Forschung

Mehr Gesundheit: Fortschritt durch Forschung
Antwort auf Herausforderungen: Forschung. Foto: ©iStock.com/Jacob Wackerhausen

Zusätzlich ist Forschung, ist medizinischer Fortschritt Antwort auf zahlreiche Herausforderungen. Neue Krebsmedikamente haben die Prognosen und Lebensqualität für viele Patient:innen verbessert, die Sterblichkeit sinkt. Und die „Teilhabe am selbstbestimmten Berufsleben“ steigt, so der vfa. Gleichzeitig erlebt die Onkologie momentan einen Innovationsboom, der Hoffnung gibt, dass bald immer mehr Krebserkrankungen Schritt für Schritt an Schrecken verlieren.

Dass vergleichsweise schnell Impfstoffe gegen COVID-19 zur Verfügung standen, hat zahlreiche Menschen vor schweren Verläufen und Tod bewahrt. Ähnlich gilt das für die Grippe: Bis zu 332 Millionen Euro kann Europa jährlich an Gesundheitskosten einsparen, weil die Impfung Arzt- und Krankenhausbesuche reduziert (s. Pharma Fakten-Flyer). Die Liste der sogenannten impfpräventablen Erkrankungen wächst immer weiter an.

Und auch in besonders herausfordernden Bereichen gibt die Forschung nicht auf – Wissenschaftler:innen weltweit verfolgen unaufhörlich das Ziel, dass eines Tages auch Krankheiten wie Morbus Alzheimer oder seltene Leiden besser behandel- oder heilbar sind.

Pharmaindustrie: Gut für Gesundheit, Innovation, Wohlstand

Gerade in ressourcenarmen Gesellschaften wie in Deutschland ist Innovationskraft essenziell, um im internationalen Wettbewerb bestehen und auch künftig Gesundheit sowie Wohlstand schaffen zu können. Die pharmazeutische Industrie ist die forschungsintensivste Branche Deutschlands. Das Ergebnis: Neue Arzneimittel und Impfstoffe. Allein 2023 haben die Unternehmen 30 Medikamente mit neuem Wirkstoff hierzulande eingeführt. So lassen sich mehrere Fliegen mit einer Klatsche schlagen: Denn Menschen, die gesund sind, können ihrem Alltag, ihrem Ehrenamt, ihrer Arbeit nachgehen sowie ihr Leben mehr genießen – und zusätzlich auch noch Steuereinnahmen generieren.

Mehr Gesundheit? „Pharma“ kann dazu beitragen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Es braucht dazu eine stabile Finanzierung des Gesundheitssystems – und daran hapert es aktuell. Forschung und medizinischer Fortschritt für immer mehr Menschen kosten Geld. Es ist eine Investition in die Zukunft dieses Landes. Angesichts dessen sind die Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums für eine GKV-Reform „auffallend unambitioniert“, kommentierte jüngst Pharma Fakten-Redakteur Florian Martius. Eine langfristige, umfassende Strategie fehlt. Deutschland schafft momentan nicht die Voraussetzungen für eine gesunde Zukunft.

Weiterführende Links:
Flyer: „Forschende Pharmaindustrie. Für Gesundheit, Innovation und Wohlstand.“

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