Der rückläufige Trend spiegelt vor allem zwei Dinge wider: Zum einen wurden weltweit Maßnahmen ergriffen, um Masernausbrüche einzudämmen; zum anderen sinkt mit jeder bereits erkrankten Person die Zahl der Menschen, die noch anfällig für das Virus sind. Denn eine Infektion hinterlässt in der Regel eine lebenslange Immunität. Dass das nur bedingt eine gute Nachricht ist, weiß die Wissenschaft schon lange – nicht nur, weil eine Infektion potenziell lebensbedrohlich ist. Betroffene sind zudem über mehrere Jahre nach der Erkrankung anfälliger für andere Erreger. Und durchschnittlich nach sechs bis acht Jahren kann eine „Subakute Sklerosierende Panenzephalitis“ (SSPE) auftreten: Es ist eine fortschreitende Entzündung des Gehirns und des Nervensystems, die immer tödlich verläuft. Das passiert sehr selten. Doch die Gefahr besteht – über Jahre.
Impfungen können schützen. Auch WHO und UNICEF schreiben in ihrer Pressemitteilung, dass viele Masernfälle „durch eine höhere routinemäßige Impfquote […] und ein schnelleres Reagieren auf Ausbrüche“ hätten verhindert werden können.
Masernfälle 2025 auf hohem Niveau

Die Zahl der Erkrankungen liegt weiterhin über den Werten der meisten Jahre seit 2000, heißt es. Der Rückgang zum Vorjahr – so deutlich er auch ausfallen mag – sollte also keinen Jubel auslösen: 2024 war schlicht besonders schlimm; es waren so viele Menschen betroffen wie seit 1997 nicht mehr. Und trotzdem meldeten einige der 53 untersuchten Länder aus der WHO-Region Europa für 2025 sogar einen Anstieg.
2026 sucht sich das Virus weiter seinen Weg. „Die Faktoren, die in den vergangenen Jahren zum Wiederaufflammen dieser tödlichen Krankheit geführt haben, bleiben weiterhin bestehen und müssen dringend angegangen werden“, erklärt Regina De Dominicis, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien. „Solange nicht alle Kinder durch Impfungen geschützt sind und Impfskepsis – angeheizt durch die Verbreitung von Fehlinformationen – anhält, bleiben Kinder dem Risiko von Tod oder schweren Erkrankungen durch Masern und andere vermeidbare Infektionskrankheiten ausgesetzt“.
Masern-Eliminierung: Impfquoten erhöhen

Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, ergänzt: „In den vergangenen drei Jahren sind in unserer Region über 200.000 Menschen an Masern erkrankt. Solange nicht jede Gemeinschaft eine Impfquote von 95 Prozent erreicht, Immunitätslücken in allen Altersgruppen geschlossen sind, die Krankheitsüberwachung gestärkt und rechtzeitig auf Ausbrüche reagiert wird, wird sich dieses hoch ansteckende Virus weiter ausbreiten.“ Die Eliminierung der Masern sei „von zentraler Bedeutung für die nationale und regionale Gesundheitssicherheit“. Doch damit sieht es suboptimal aus: Im September 2025 kam die Verifizierungskommission der Europäischen Region für die Eliminierung der Masern und Röteln zu dem Schluss, dass die Zahl der Länder mit anhaltender oder erneut etablierter endemischer Masernübertragung von 12 im Vorjahr auf 19 gestiegen ist. Es ist ein gravierender Rückschlag.
Die zweifache Masernimpfung verhindere „bei nahezu 100 Prozent der Geimpften den Ausbruch einer Erkrankung“, betont das Robert Koch-Institut (RKI). Deutschlandweit waren dennoch nur 78 Prozent der im Jahr 2022 geborenen Kinder im Alter von 24 Monaten zweimal geimpft – eine enttäuschende Quote.
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Polio „bleibt eine Bedrohung, solange es irgendwo auf der Welt existiert“
Poliomyelitis lähmte früher jedes Jahr hunderttausende Kinder und verbreitete auf dem ganzen Globus Angst und Schrecken. Dank weltweiter Impfprogramme sind die Fallzahlen „seit 1988 um 99,9 Prozent gesunken“, sagt Vismita Gupta-Smith, die bei der Weltgesundheitsorganisation die Kommunikationsabteilung leitet. In einer Folge der WHO-Videoreihe „Science in 5“ spricht sie mit dem Experten Dr. Jamal Ahmed über die mögliche Ausrottung der Krankheit.

Impfungen für Erwachsene: Ein Trauerspiel
„Die empfohlenen Impfungen für Erwachsene werden zu selten genutzt“, kritisiert das Robert Koch-Institut (RKI). Grippe, Gürtelrose, COVID-19 oder Pneumokokken: Diese Erkrankungen können insbesondere für Menschen ab einem Alter von 60 Jahren gefährlich werden. Vakzine könnten schützen – aber von diesem Angebot machen viele Menschen nicht Gebrauch.

SSPE: Tödliche Komplikation einer Masernerkrankung
Die Zahl der Masern-Fälle weltweit ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuletzt gestiegen – die Impflücken sind zu groß. Die Viruserkrankung ist alles andere als harmlos: Es ist sogar möglich, dass noch viele Jahre nach einer Infektion Komplikationen auftreten, die tödlich enden. Die Rede ist von „SSPE“ – eine seltene, schwere Gehirnentzündung. Die Sache ist die: Es gibt Impfstoffe, die vor den Masern schützen können.
