Für viele Menschen ist die Klimakrise zu weit weg, zu abstrakt, zu wenig fassbar: Als ob sie nach wie vor nur ein Thema der Zukunft oder des globalen Südens wäre. (Und als ob das weniger Dringlichkeit begründen dürfte.) Dabei sprechen die Zahlen schon längst eine andere Sprache:

- Laut einer Publikation im Fachmagazin „The Lancet Public Health“ stieg in nahezu allen untersuchten europäischen Regionen „die Zahl der hitzebedingten Todesfälle im Zeitraum 2015-24 gegenüber 1991-2000.“ Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge sterben allein in Deutschland jedes Jahr zwischen 1.200 und über 7.000 Menschen hitzebedingt. So ist zum Beispiel das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht – gerade bei älteren Menschen.
- Weil sich die klimatischen Bedingungen verändert haben, können sich die Erreger mancher Infektionskrankheiten wie bestimmte Mückenarten in neue Regionen ausbreiten. „So stieg das jährliche Übertragungsrisiko für das Dengue-Virus in Europa im Zeitraum 2015-24 gegenüber 1980-2010 um 297 Prozent“, heißt es in der Lancet-Veröffentlichung. Zudem habe sich „die Pollensaison um ein bis zwei Wochen verlängert, wodurch sich die Expositionsdauer für Menschen mit allergischer Rhinitis erhöht hat.“
- Ereignisse wie die Flutkatastrophe im Jahr 2021, bei der mehr als 180 Menschen vor allem im rheinland-pfälzischen Ahrtal starben und viele weitere ihre Existenz verloren, können außerdem langfristige psychische Folgen mit sich bringen – wie Angstzustände, Stress oder Depressionen.
Die gesundheitlichen Auswirkungen sind vielfältig. Und teuer: „690 Milliarden Euro Schäden könnten in Deutschland in den nächsten 25 Jahren durch den Klimawandel entstehen – vor allem in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und in der Versicherungswirtschaft“, schreibt die Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen. Immer wieder betonen Expert:innen: Nichtstun ist teurer als Klimaschutz.
Klimakrise: Gesundheitsnotstand

Dass die WHO die Klimakrise zur gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite ausrufen sollte – das forderte vor Kurzem eine von der WHO selbst eingesetzte paneuropäische Kommission. Darunter sind Expert:innen wie Deutschlands ehemaliger Gesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach. Der SPD-Politiker sagte: „Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass wir es mit einem medizinischen Notfall zu tun haben.“ Die Fachleute wollen unter anderem, dass Regierungen die Klimakrise in ihrer nationalen Sicherheits- und Gesundheitspolitik verankern.
Dr. Hans Henri P. Kluge von der WHO bestätigte: Die Klimakrise sei eine „Sicherheitsbedrohung, ein Gesundheitsnotstand und wirtschaftliche Zeitbombe – alles in einem“. Wenn nicht jetzt handeln – wann dann? In einer Pressemitteilung der WHO heißt es dazu: „Die Energiepreise sind volatil, Lieferketten stehen unter Druck, und die geopolitischen Erschütterungen der vergangenen Jahre haben offengelegt, wie anfällig die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen Gesellschaften macht – wirtschaftlich, politisch und gesundheitlich.“ In den vergangenen zehn Jahren habe sich der globale Temperaturanstieg deutlich beschleunigt; die gesamteuropäische Region sei die sich am schnellsten erwärmende Region der Erde: „Der rasche Temperaturanstieg erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass plötzlich sogenannte ´Kipppunkte` im Klimasystem erreicht werden, an denen es zu tiefgreifenden Veränderungen zentraler Erdsysteme kommt. Das Zeitfenster, um irreversible Schäden zu verhindern, wird immer kleiner.“
Soll sagen: Die Klimakrise ist weder abstrakt noch weit entfernt. Sie schadet Menschen. Tag für Tag.
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