Todesfälle bei Kindern: „Die meisten sind vermeidbar“

Jedes Jahr sterben weltweit fast fünf Millionen Kinder vor ihrem 5. Geburtstag. Ein Team der Online-Publikation „Our World in Data“ hat sich die Todesursachen genau angeschaut und visualisiert. Denn: „Um die Mortalität zu reduzieren, müssen wir wissen, woran Kinder sterben“, so Wissenschaftlerin Hannah Ritchie. Ein Blick auf die Statistik.

„Es gibt nahezu eine gleich große Verteilung zwischen Infektionskrankheiten – wie Lungenentzündung, Malaria, Durchfallerkrankungen und Masern – und angeborenen Erkrankungen bzw. Geburtskomplikationen, die vor allem durch Frühgeburten und neonatale Erstickung geprägt sind. Beide Kategorien machen jeweils über 40 Prozent der Todesfälle bei Kindern aus“, fasst Ritchie für Our World in Data zusammen. Nichtübertragbare Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden sind für insgesamt neun Prozent der Todesfälle weltweit verantwortlich; auf Verletzungen und Unfälle entfallen fast fünf Prozent (s. Grafik).

Diese Statistik ist in den Augen von Ritchie nicht nur so tragisch, weil sie für viel „Schmerz und Verlust“ steht; sondern „besonders auch deshalb, weil die meisten dieser Todesfälle vermeidbar sind“.

Kinder: Ungleiche Chancen weltweit

Kinder: Ungleiche Chancen weltweit
Kindergesundheit: Weltweit ungleiche Chancen. Foto: ©iStock.com / Rido

Ein Baby, das in Nigeria geboren wird, hat eine mehr als 20-fach höhere Wahrscheinlichkeit, vor dem fünften Geburtstag zu sterben als ein Baby im Vereinigten Königreich (UK). Infektionskrankheiten sind in dem westafrikanischen Land für 56 Prozent dieser Todesfälle verantwortlich. Im Fokus steht vor allem Malaria – „eine Krankheit, die […] verhindert oder behandelt werden kann“, betont Ritchie.

Ähnliches gilt für viele andere Bereiche: „Es gibt Vakzine gegen Rotaviren, die häufigste Ursache von Durchfallerkrankungen“, erläutert sie, und „gegen Masern“ sowie „gegen Meningitis und Keuchhusten.“ Und: „Nur die Hälfte aller Geburten in Nigeria wird von medizinisch geschultem Personal begleitet; eine höhere Versorgungsquote würde das Risiko von Komplikationen senken und Leben retten.“

Immerhin: Große Fortschritte wurden bereits erzielt. Berichten der Vereinten Nationen zufolge ist die weltweite Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um 60 Prozent gesunken – von 93,5 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten im Jahr 1990 auf 37,4 im Jahr 2024. Ein Beispiel: Gerade in Ländern wie UK oder den USA sterben heute deutlich weniger Kinder an Krebs als früher. Anderes Beispiel: Die Zahl der Verkehrstoten ist vielerorts gesunken. Doch da geht noch mehr. „Wenn ich also sage, dass die meisten Todesfälle von Kindern weltweit verhindert werden könnten, meine ich damit nicht nur den Schutz vor Infektionskrankheiten; auch wenn dies oft der kosteneffektivste Weg ist, viele Leben zu retten. Es gibt viele weitere Bereiche, in denen wir Fortschritte gemacht haben und noch deutlich weiterkommen können“, resümiert Ritchie. Übrigens: In Deutschland führen laut Our World in Data Frühgeburten die Todesursachenliste dieser Altersgruppe an (27 %); es sind im Durchschnitt zwei Todesfälle pro Tag.

Weiterführender Link:
https://ourworldindata.org/five-million-children-die-every-year-what-do-they-die-from

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