Warum eine starke Pharmabranche wichtig für Deutschland ist

Sie bietet zahlreiche Arbeitsplätze und gilt als besonders forschungsintensiv: Die aktuellen „Pharma-Daten“ des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zeigen einmal mehr, warum die Pharmabranche wichtig für die Bundesrepublik ist. Daraus geht aber auch hervor: Zu Stabilität und Sicherheit kann sie nur dann voll beitragen, wenn sie politisch gestärkt wird.

Die Fakten

  • 2024 waren in Deutschland 133.376 Menschen in der Pharmaindustrie beschäftigt.
  • Die hiesige Pharmabranche investiert rund 17 Prozent vom Umsatz wieder in die Forschung.
  • 2025 haben Pharmaunternehmen voraussichtlich mit mehr als 24 Milliarden Euro zur Entlastung der GKV beigetragen – etwa über Rabattverträge und Zwangsabschläge.

„Trotz steigender Kosten vor allem für Energie ist die pharmazeutische Industrie nach wie vor diejenige Branche, die mit einer Re-Investitionsquote von bis zu 17 Prozent vom Umsatz deutlich mehr Geld in Forschung und Entwicklung steckt als jede andere Industrie hierzulande“, schreibt der BPI. Die Pharma-Daten 2025 zeigen: Auf dem zweiten Platz folgt der Fahrzeugbau mit großem Abstand (8,5 %, s. Grafik). Die Folge dieser intensiven Forschung: Im vergangenen Jahr empfahl die Europäische Arzneimittelagentur die Zulassung für 38 Medikamente mit neuen Wirkstoffen. Es sind innovative Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit schweren Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer.

Die Pharmaindustrie ist weit mehr als nur ein Innovationsmotor: Sie ist zugleich Wirtschaftsfaktor. Über 133.000 Menschen arbeiten hierzulande bei den Unternehmen. Sie stellten 2024 pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von fast 38 Milliarden Euro her.

Die Bundesregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag die Gesundheitswirtschaft und speziell die pharmazeutische Industrie als „Leitwirtschaft“ definiert, die gestärkt werden solle, betont der BPI. Das sei wichtig, „wenn die Branche ein stabiler und sicherer Standortfaktor bleiben soll.“ Denn die Herausforderungen sind groß – und Produktions- sowie Umsatzzahlen rückläufig. „Sah es im ersten Quartal 2025 nach einer Erholung aus, ging der Umsatz im zweiten Quartal um acht Prozent zurück; die Produktion verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Minus von knapp sechs Prozent. Im Inlandsgeschäft ist die Trendwende ausgeblieben. Angesichts geopolitischer Turbulenzen wächst die Sorge vor zu großer Abhängigkeit von Lieferanten aus Asien. Dazu kommen die handelspolitischen Unsicherheiten insbesondere mit den USA, dem mit Abstand wichtigsten Exportmarkt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Pharmabranche stärken statt belasten

BPI-Hauptgeschäftsführer Dr. Kai Joachimsen erklärt: „Die pharmazeutische Industrie kann sich trotz der schwierigen konjunkturellen Lage noch einigermaßen behaupten. Jedoch sind die Warnsignale nicht zu übersehen. Wir gehen davon aus, dass die Unternehmen 2025 genau wie schon 2024 durch Rabattverträge, Zwangsabschläge sowie Fest- und Erstattungsbeträge mehr als 24 Milliarden Euro zur Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung (GVK) gezahlt haben.“

Und trotzdem werden „die Stimmen aus der Kassenlandschaft lauter, die den Preisdruck weiter erhöhen wollen“, kritisiert Joachimsen. „Wenn die pharmazeutische Industrie eine ‚Leitwirtschaft‘ bleiben soll, dann muss sie entlastet und gestärkt statt noch mehr belastet und geschwächt werden.“

Zumal keine 12 Prozent der GKV-Ausgaben auf die pharmazeutischen Hersteller entfallen. Dieser Anteil ist – genauso wie die 16,88 Prozent für die Arzneimittel insgesamt – schon seit längerer Zeit relativ stabil. Von übermäßigem Ausgabenwachstum kann hier keine Rede sein.

Pharma- und Biotechnologieverbände schreiben der Bundesgesundheitsministerin

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Weiterführende Links:
BPI Pharma-Daten 2025
https://pharma-fakten.de/die-branche/

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