„Für 14 Arzneimittel (einschließlich Impfstoffen) hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA in den letzten Wochen eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen, worauf in der Regel auch die formelle Zulassung durch die EU-Kommission folgt“, schreibt der vfa in einer Pressemitteilung. „Bei mehr als 30 weiteren ist das EU-Zulassungsverfahren schon so weit fortgeschritten, dass über sie wahrscheinlich noch 2026 entschieden wird. “ Hinzu kommt: Allein seit 2022 steht „für mehr als zwei Dutzend Medikamente mit neuem Wirkstoff trotz EU-Zulassung eine Ausbietung in Deutschland noch aus.“ Es stehen also einige Präparate in den Startlöchern, um auf den hiesigen Markt eingeführt zu werden. Laut vfa-Präsident Han Steutel könnten forschende Pharmaunternehmen damit „weitere wichtige Beiträge zu einer besseren Medizin leisten.“
Neue Medikamente 2026: Was kommen könnte

Rund ein Drittel der erwarteten Neuheiten – darunter etwa Checkpoint-Inhibitoren, Kinasehemmer, bispezifische Antikörper – könnte der Prognose zufolge Menschen mit unterschiedlichen Krebsarten zugutekommen. Der vfa rechnet unter anderem mit jeweils bis zu drei Medikamenten gegen kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom und Blasenkrebs und mit zwei gegen Brustkrebs. Große Hoffnungen gibt es auch im Bereich von Diabetes Typ 1: Womöglich wird ein Medikament verfügbar, „mit dem sich Studien zufolge der Übergang dieser Krankheit ins symptomatische Stadium um durchschnittlich zwei Jahre hinauszögern lässt. Dazu muss die Krankheit allerdings rechtzeitig erkannt werden“, so der vfa. Soll heißen: Die Betroffenen könnten damit länger beschwerdefrei sein.
Und wie sieht es im Kampf gegen Infektionskrankheiten aus? „Unter den Impfstoffen, für die eine Markteinführung in Betracht kommen könnte, findet sich unter anderem der erste Kombinationsimpfstoff gegen saisonale Grippe und Covid-19 zugleich; er basiert auf mRNA-Technologie“, heißt es. Und: „Jeweils ein Medikament könnte zur Therapie von Covid-19 im Frühstadium bzw. bei einem schweren Verlauf mit Atemnot herauskommen.“ Unwahrscheinlich sei hingegen, dass es im kommenden Jahr neue Antibiotika in die hiesige Versorgung schaffen. „Denn nach wie vor sind die Marktkonditionen für Reserveantibiotika recht prohibitiv“, kritisiert der Pharmaverband. „Derzeit befinden sich keine neuen Antibiotika im EU-Zulassungsverfahren; wenn überhaupt, könnte also nur ein bislang hierzulande unvermarktetes Antibiotikum ausgeboten werden.“ Dabei wären neue Wirkstoffe wichtig, um der Ausbreitung resistenter Keime etwas entgegensetzen zu können.
Wenn die vfa-Prognose Realität wird, wird sich knapp ein Drittel der neuen Arzneimittel 2026 der Behandlung von seltenen Erkrankungen widmen. „So kommt möglichweise ein Medikament zur Linderung der Krankheit Niemann-Pick Typ C heraus. Diese Stoffwechselkrankheit geht mit einem Abbau im Gehirn einher; die Lebenserwartung ist nicht hoch.“ Und zur „Therapie des Wiskott-Aldrich-Syndroms, einem angeborenen Immundefekt, der bislang nur mit einer Stammzelltransplantation nachhaltig behandelt werden kann, könnte eine Gentherapie verfügbar werden.“
Arzneimittel-Innovationen 2026: Große Unsicherheiten

Eine solche Prognose ist immer mit Unsicherheiten verbunden – das liegt schon daran, dass Dauer und Ausgang von klinischen Arzneimittel-Studien und von Zulassungsverfahren ganz unterschiedlich ausfallen können. Mit Blick auf 2026 sagt Steutel außerdem: „Selten war es so schwierig einzuschätzen, welche und wie viele neue Medikamente im neuen Jahr in Deutschland tatsächlich verfügbar werden.“ Alle Unternehmen, die über eine Markteinführung zu entscheiden haben, stünden unter „erheblichem Druck“: Denn „hohe gesetzlich geforderte Rabatte in Deutschland, der Most Favored Nation-Preisansatz der US-Regierung und weitere Unsicherheiten prägen das Umfeld.“ Es bestehe die Gefahr, dass sich die Innovationslücke in der Bundesrepublik – und somit der Rückstand des hiesigen Arzneimittelangebots gegenüber dem der USA – weiter vergrößert, „zum Nachteil betroffener Patientinnen und Patienten. Dieser Zusammenhang sollte bei gesundheits- und forschungspolitischen Entscheidungen nicht ausgeblendet werden“, fordert der Verbandschef.
Das zeigte sich bereits bei der Innovationsbilanz 2025: Zwar haben Pharmaunternehmen 36 neue Medikamente in die hiesige Versorgung gebracht – doch es hätten eigentlich mehr Präparate für eine Neueinführung bereitgestanden. „Die Entscheidungen gegen eine Markteinführung könnten von Forderungen der US-Regierung nach umverteilten Arzneimittelausgaben beeinflusst worden sein“, erklärte Steutel in einer Pressemitteilung dazu. „Die Zahl zugelassener, aber hierzulande nicht vermarkteter Medikamente wächst“. In spätestens einem Jahr wird sich zeigen, ob das Fazit für 2026 ähnlich ausfällt.
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2025: 36 neue Medikamente für die Patient:innen in Deutschland
Same procedure as every year: Das Jahr neigt sich dem Ende zu und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) zieht seine „Innovationsbilanz“. 2025 haben Pharmaunternehmen 36 Medikamente in die hiesige Versorgung gebracht. Für Menschen mit Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Krebs sind das gute Nachrichten. Aus Sicht der Industrie hätte die Zahl der neu eingeführten Präparate aber durchaus höher ausfallen können.

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1995 wurde die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) gegründet. Das Ziel: Die Zulassung und Überwachung von Arzneimitteln in der Europäischen Union zu vereinheitlichen und damit den Zugang zu sicheren, wirksamen und qualitativ hochwertigen Medikamenten in allen Mitgliedstaaten sicherzustellen. Annähernd 2.000 neue Arzneimittel und Impfstoffe haben seitdem grünes Licht bekommen – und die Therapie- und Präventionsmöglichkeiten erheblich verbessert.

Pharmaforschung: Wie Innovation Krankheit besiegt
Arzneimittelinnovationen ermöglichen die Behandlung von Krankheiten, für die es bisher keine wirksame Therapie gab, und verbessern bestehende Behandlungen durch höhere Wirksamkeit und bessere Verträglichkeit. Sie spielen damit eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen. Um zu zeigen, wie sehr die Menschheit von medizinischen Innovationen profitiert, hat der Verein LAWG das Projekt „Der Wert medizinischer Innovationen“ gestartet, das Pharma Fakten in einer Serie aufgreift.
