
Aus den Köpfen ist das nur schwer herauszubekommen: Ausgaben für pharmazeutische Innovationen gelten als Belastung – und das umso mehr, je größer die Finanzprobleme von Krankenkassen sind. Doch das einseitige Schielen auf den Erstattungsbeitrag verzerrt das Gesamtbild erheblich und lässt oft weitaus mehr als nur den medizinischen Benefit außer Acht. Denn ganz unter den Tisch fällt der langfristige Nutzen. Das zeigt die Studie des IPF. Die zentrale Botschaft: Innovationen im Gesundheitssystem sind als Investition in die Zukunft zu sehen. Oder einfacher: Gesundheit lohnt sich.
Für die Studie haben sich die Forschenden fünf Indikationen angeschaut: Melanom (Hautkrebs), Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED), Hämophilie, Gürtelrose (Herpes zoster) und psychische Erkrankungen. Anschließend haben sie verschiedene Szenarien analysiert (siehe die Ergebnisse für Österreich). Durch höhere Behandlungszahlen mit hochinnovativen Medikamenten oder die Erhöhung der Impfquoten rechnet das IPF gesamtgesellschaftlich mit hohen Einsparungen für Gesundheits- und Sozialsysteme und vor allem mit Impulsen auf makroökonomischer Ebene. „Eine isolierte Betrachtung der Behandlungsausgaben wird dem gesamten Werte- und Nutzenspektrum von Innovationen niemals gerecht“, kommentiert Jens Weidner vom Pharmaverband FOPI, der die Untersuchung in Auftrag gegeben hat.
Die zentralen Ergebnisse:
- Demnach profitieren Patient:innen und ihre Angehörigen von neuen Arzneimitteln und Impfstoffen direkt durch längere Lebenserwartung, verbesserte Lebensqualität und in einigen Indikationen durch Heilung oder bessere Krankheitskontrolle.
- Das Gesundheitssystem gewinnt an Effizienz, da innovative Therapien Komplikationen, Hospitalisierungen und kostenintensive Folgebehandlungen reduzieren können. Die Krankheitslast verringert sich, das Gesundheitssystem kann seine Ressourcen effizienter einsetzen.
- Gesamtgesellschaftlich entstehen positive Effekte durch höhere Erwerbsfähigkeit und Produktivität.
- Gestärkt wird eine Industrie, die wie kaum eine andere für Innovation, Wertschöpfung und Zukunft steht. Das triggert Forschung sowie Produktion und schafft hochqualifizierte Arbeitsplätze. Es ist eine Industrie, die relativ resilient gegen Krisen ist – Arzneimittel und Impfstoffe werden immer gebraucht.
- Gestärkt werden auch Forschung und Wissenschaft und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Klinische Studien sind wesentlicher Bestandteil des Innovationsprozesses zur Entwicklung neuer Therapien.
Ein innovationsoffenes System garantiert nicht nur die beste medizinische Versorgung, sondern stärkt auch die Wirtschaftskraft und ist damit ein zentraler Hebel für langfristige Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Wohlstand. „Die Gesundheit und die Wirtschaft eines Landes bedingen sich gegenseitig“, sagt Dr. Evelyn Walter, Geschäftsführerin des IPF. „Eine gesunde Bevölkerung trägt entscheidend zum Wohl eines Sozial- und Wirtschaftssystems bei. Gleichzeitig ist eine leistungsfähige Wirtschaft notwendig, um ein soziales Gesundheitssystem zu finanzieren und aufrechtzuerhalten. Investitionen in präventive und therapeutische Innovationen sind deshalb Investitionen in Humankapital und von zentraler Bedeutung.“ Gesundheit ist der Schlüssel zu einer leistungsfähigen Gesellschaft.
Perspektivwechsel gefordert: Ausgaben für Gesundheit als Investition
Vor diesem Hintergrund ist die reine Kostenbetrachtung einer pharmazeutischen Innovation weit mehr als nur ein Rechenfehler: Betrachtet man den Nutzen von Arzneimitteln und Impfstoffen als Ganzes ist sie unverantwortlich. Denn das schadet nicht nur den Betroffenen, es vernichtet gesamtgesellschaftlichen Wohlstand. FOPI tritt deshalb für einen Perspektivwechsel ein – vom „kurzfristigen Fokus auf die Kosten hin zu einer langfristigen Strategie, die Ausgaben für Gesundheit als Investition betrachtet“, so Weidner.
Links:
Pharma Fakten (Serie): Wie Innovation Krankheiten besiegt.
Institut für Pharmaökonomische Forschung (IPF): Gesellschaftlicher Wert pharmazeutischer Innovationen für Österreich, 2025.
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