Die Fakten
- Noch nie haben mehr Menschen in Deutschland gearbeitet: 42,3 Millionen Arbeitnehmer:innen waren es 2025. Die Erwerbsbeteiligung liegt in der Bevölkerung bei über 80 Prozent.
- Knapp vier von zehn Arbeitnehmer:innen arbeiten in Teilzeit. Faktoren wie eine fehlende Kinderbetreuung hindern v. a. Frauen daran, ihr gesamtes Arbeitsmarktpotenzial zu entfalten.
42,3 Millionen Arbeitnehmer:innen zählte die Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2025. Über 80 Prozent der 15- bis 64-Jährigen sind hierzulande erwerbstätig – innerhalb Europas ist diese Quote nur in Estland, auf Malta, in den Niederlanden und auf Island höher. Mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 34,8 Stunden pro Erwerbstätigen bewegt sich Deutschland jedoch auf eher niedrigem Niveau. Der vfa hat das in seiner Publikation „MacroScope Pharma 03/26“ untersucht und ergänzt: „Tatsächlich hat das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen sein Rekordniveau des Jahres 2019 nicht mehr erreicht. Damals leisteten die Arbeitnehmer:innen gut 62,1 Milliarden Arbeitsstunden. Seither stagnierten die Wirtschaftsleistung und mit ihr das Arbeitsvolumen. Im vergangenen Jahr lag es bei 61,26 Milliarden Stunden und damit 1,4 Prozent unter dem Wert von 2019.“
Erwerbsbeteiligung von Frauen gestiegen

Der Vorwurf, ein wachsender Freizeitwunsch und eine hohe Teilzeitquote seien schuld, greife zu kurz, heißt es seitens des vfa. „Ausschlaggebender ist vielmehr, dass die Zahl der Überstunden in den vergangenen Jahren kontinuierlich sank, während zugleich der Krankenstand stieg“. Verstärkte Vorsorge und Prävention – über mehr Grippeimpfungen etwa – könnten Belastungen reduzieren (s. vfa). Deutschland schneidet da im internationalen Vergleich schlecht ab, wie der Public Health Index verdeutlicht.
Zwar stimmt: Knapp vier von zehn Arbeitnehmer:innen sind inzwischen in Teilzeit beschäftigt – und natürlich hat das rechnerisch Auswirkungen auf die Arbeitsstunden pro Kopf. Laut vfa wurde das gesamte Arbeitsvolumen „dadurch aber nicht belastet, denn Teilzeitbeschäftigte haben ihre durchschnittliche Arbeitszeit seit Jahren ausgeweitet.“ Die größere Flexibilität des Arbeitsmarktes habe vielmehr „dazu beigetragen, dass insbesondere die Erwerbsbeteiligung von Frauen deutlich zunahm. Lag sie 2005 noch bei etwa 60 Prozent, erreichte sie 2024 bereits 74 Prozent – ein großer arbeitsmarktpolitischer Erfolg.“ Dr. Claus Michelsen, Geschäftsführer des Bereichs Wirtschaftspolitik im vfa, betont im MacroScope-Podcast: „Ob es möglich ist, in Teilzeit zu arbeiten, ist eine Antwort auf die Frage, ob ich Beruf und Familie in Einklang bringen kann. Und das hat in Deutschland zunehmend besser geklappt, damit sind die Erwerbsbeteiligungsquoten gestiegen und auch die Teilzeit.“
Viele Frauen wollen mehr arbeiten – können aber nicht

Das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft: Denn noch immer stecken vor allem Frauen beruflich zurück, weil sie Aufgaben wie Kinderbetreuung oder häusliche Pflege übernehmen. Gerade bei jüngeren Menschen sei es selten so, dass Teilzeitarbeit „eine bewusste Entscheidung für mehr Freizeit ist“, weiß der vfa-Chefökonom. In der Regel würden sie sich aufgrund von anfallender Care Arbeit dazu entscheiden. Das geht nicht nur zulasten der Volkswirtschaft, sondern auch der Betroffenen: „Die Erwerbsbeteiligung heute entscheidet ja darüber, in welchem Wohlstand man alt wird, welche Rentenansprüche man erwirbt“.
Michelsen findet daher: „Wir müssen über die Gründe sprechen, weshalb Menschen weniger umfangreich im Erwerbsleben stehen als andere – und versuchen, die Hürden abzubauen. Wenn wir das schaffen, dann werden sich die Menschen gerne stärker ins Berufsleben einbringen, weil ein Großteil derjenigen, die in Teilzeit sind, eigentlich Vollzeit arbeiten möchten. Wir haben da kein Motivationsproblem“. Schon aufgrund der demografischen Entwicklung könne es sich Deutschland nicht leisten, „gut ausgebildete Menschen nicht in das Erwerbsleben zu integrieren“.
Übrigens: 2022 nannten 74 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer mit Kindern die Kinderbetreuung als Hauptgrund für ihre reduzierte Arbeitszeit, schreibt der vfa. 21 Prozent der Familien mit Kindern im Alter von unter drei Jahren verfügen trotz Betreuungswunsch über keinen Kita-Platz.
Frauen-Erwerbsbeteiligung stärken
An die Politik gerichtet, resümiert Michelsen: „Man muss grundsätzlich erstmal die Voraussetzungen dafür schaffen, dass man vollzeitnah arbeiten kann“ – etwa durch genügend Betreuungsplätze für die Kinder. Dem vfa zufolge hat das einen Effekt, der über die reine Arbeitszeit hinausgeht: „Wenn Frauen ihre Branchenwahl danach ausrichten, wie gut sich Beruf und Familie vereinbaren lassen, führt dies häufig dazu, dass sie bei anderen Kriterien hinsichtlich ihrer Präferenzen Abstriche machen müssen. Verlässliche Betreuungsstrukturen können daher dazu beitragen, dass Frauen stärker in traditionell männerdominierte Berufe wechseln – und damit ihre Qualifikationen und Entwicklungsmöglichkeiten besser ausschöpfen. Letztlich führt das indirekt zu einer Verringerung des Gender Pay Gaps“.

Zudem spielen die Lohnchancen eine große Rolle: Steuerliche und arbeitsmarktpolitische Anreize müssten so ausgestaltet werden, „dass sich eine Ausweitung der Arbeitszeit lohnt“, fordert der Pharmaverband. „Gleichzeitig sollten Rahmenbedingungen gestärkt werden, die transparente Karrierewege, moderne Vergütungssysteme und eine höhere Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen fördern. Eine konsequente Ausrichtung der Arbeitsmarkt-, Familien- und Wirtschaftspolitik auf diese Hebel kann dazu beitragen, das Arbeitskräftepotenzial nachhaltig zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern.“ Mit einer vermeintlichen Faulheit der Menschen hat das wenig zu tun.
Auch die Betriebe sind gefragt. In der Pharmaindustrie läuft da schon vieles richtig: 48,5 Prozent der Beschäftigten sind weiblich; der Frauenanteil in Führungspositionen ist mit 34,1 Prozent überdurchschnittlich. Insgesamt offenbart die vfa-Analyse: Branchen mit guten Arbeitsbedingungen – wie flexible Arbeitszeitstrukturen, attraktive Vergütungssysteme und sichtbare Karriereperspektiven für Frauen – sind besonders erfolgreich darin, Frauen für sich zu gewinnen und zu halten. Das lohnt sich für alle Seiten. Die durchschnittliche Arbeitszeit in pharmazeutischen Unternehmen liegt über dem industriellen Durchschnitt. Das sei „ein Ergebnis auch der vollzeitnäheren Beschäftigung von Frauen“, fasst Michelsen zusammen.
Weitere News

Gesundheitswesen: Zu wenige Frauen in Führungspositionen
„Er sagte, er will Karriere machen. Ich fragte ihn: Aber wer kümmert sich dann um die Kinder?“ Unter dem Hashtag #WomenInMaleFields berichten hunderttausende Frauen in den sozialen Medien von sexistischen Erfahrungen im Privat- und Arbeitsleben – indem sie den Spieß umdrehen. In Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter ist noch viel zu tun. Auch im Gesundheitswesen: Führungspositionen sind noch immer vor allem männlich besetzt. Der Verein „Healthcare Frauen“ will das ändern – etwa mit einem Trainingsprogramm, für das sich Onkologinnen nun anmelden können. Ein Interview.

International Women’s Day: Frauen inspirieren Frauen
Das Motto des diesjährigen Welt-Frauen-Tags lautet: „Inspire Inclusion“. Wie das in der Realität aussehen kann? Das zeigen viele Beispiele aus der pharmazeutischen Industrie in Deutschland. Dort ist fast jede dritte Führungskraft weiblich. Rund 40 Prozent der Vollzeit-Beschäftigten sind es ebenfalls. Sie sind Vorbilder für die Nachwuchstalente von heute und morgen.

Arbeiten in der Pharmabranche: „treat the untreatable, offer hope, cure disease”
Für 89 Medikamente und Impfstoffe sprach die Europäische Arzneimittelbehörde EMA im vergangenen Jahr eine Zulassungsempfehlung aus. 41 davon beinhalteten einen neuartigen Wirkstoff. Darunter sind innovative Präparate gegen Krebs, COVID-19 oder seltene Leiden. Pharmazeutin Dr. Dorina van der Mey ist eine von vielen Menschen weltweit, die die Forschung weiter vorantreiben. Beim Unternehmen Bayer arbeitet sie tagtäglich an potenziellen, neuen Behandlungsmöglichkeiten – um immer mehr Krankheiten ihren Schrecken zu nehmen.
