Am 28. Juli ist Welt-Hepatitis-Tag. Virushepatitis verursacht weltweit zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle, die eigentlich vermeidbar wären. Foto: ©iStock.com/Rowr
Am 28. Juli ist Welt-Hepatitis-Tag. Virushepatitis verursacht weltweit zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle, die eigentlich vermeidbar wären. Foto: ©iStock.com/Rowr

Virus-Hepatitis: Vorbeugen, therapieren, Leben retten

Virus-Hepatitis weltweit eliminieren: Das ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Denn es gibt wirksame Impfstoffe, Tests zur Diagnostik sowie Therapiemöglichkeiten. Und „dennoch bleiben Millionen von Menschen undiagnostiziert, unbehandelt oder haben keinen Zugang zu einer angemessenen Versorgung“, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli. Auch in Deutschland ist Luft nach oben.

Die Fakten

  • 287 Millionen Infektionen und 1,3 Millionen Todesfälle gehen weltweit auf das Konto von Hepatitis B und C (Stand: 2024).
  • Die WHO hat das Ziel ausgerufen, Virushepatitis bis 2030 zu eliminieren. Doch die verfügbaren Instrumente – Diagnostik-Tests, Impfstoffe, Behandlungsmöglichkeiten usw. – werden zu wenig genutzt.
Bayerns Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach
Judith Gerlach. Foto: Tobias Blaser © Stimmkreisbüro Judith Gerlach

Es gibt fünf Typen von Hepatitis-Viren: A, B, C, D und E. Sie sind zwar sehr unterschiedlich, aber haben eines gemeinsam: Sie können eine Leberentzündung (Hepatitis) und somit langfristig auch schwere Erkrankungen wie Leberkrebs auslösen. Hepatitis B und C sind für die größte Krankheitslast verantwortlich: Laut WHO lebten 2024 rund 287 Millionen Menschen weltweit mit mindestens einer der beiden Varianten, 1,3 Millionen Betroffene starben an den Folgen.

Das müsste nicht sein: „Gegen Hepatitis B können wir vorbeugen. Die Impfung ist der wirksamste Schutz vor einer Infektion“, betont Bayerns Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach. Zudem gibt es Medikamente zur Behandlung. Gegen Hepatitis C gibt es zwar bisher keine Vakzine, aber „eine hochwirksame Therapiemöglichkeit mit direkt wirkenden antiviralen Mittel (DAA)“, so die Bayerische Staatsregierung. Mit ihnen ist in der Regel eine Heilung innerhalb weniger Wochen möglich. Ziel der WHO ist es, die Virushepatitis bis 2030 zu eliminieren – bis dahin sollen die Zahlen der Infektionen und Todesfälle um 90 Prozent bzw. um 65 Prozent sinken und 80 Prozent der therapiebedürftigen Infizierten behandelt sein.

Hepatitis eliminieren – Hürden abbauen

Es gebe durchaus „Grund zu Optimismus“, findet Dr. Tereza Kasaeva, bei der WHO Direktorin für den Bereich HIV, Tuberkulose, Hepatitis und sexuell übertragbare Infektionen. „Seit 2015 ist die Zahl der Neuinfektionen mit Hepatitis B um fast ein Drittel zurückgegangen. Das zeigt, welchen Erfolg der Ausbau von Impfprogrammen und Präventionsmaßnahmen hat. Auch die Zahl der Menschen, die mit Hepatitis C leben, nimmt ab, da immer mehr Betroffene Zugang zu kurativen Therapien erhalten.“ Und trotzdem ist gleichzeitig Realität, dass „nur etwa jede vierte Person mit Hepatitis B“ ihren Infektionsstatus kennt und „weniger als jede zwanzigste“ eine Behandlung erhält. „Millionen von Menschen, die von Hepatitis C geheilt werden könnten, haben weiterhin keinen Zugang zu Diagnostik oder Therapie.“

Hepatitis eliminieren – Hürden abbauen
Ausbau von Impfprogrammen zeigt Erfolg. Foto: ©iStock.com/Zerbor

Die WHO hat fünf Forderungen:

  • Das nutzen, was schon da ist: Impfungen, Tests und wirksame Therapien gibt es – sie müssen allen Betroffenen schnell und flächendeckend zugänglich gemacht werden. Dafür braucht es „mehr politisches Engagement, höhere Investitionen und eine klare Verantwortlichkeit.“
  • Betroffene stärker einbeziehen: Menschen mit Hepatitis sollten die Entwicklung von Angeboten und politischen Maßnahmen aktiv mitgestalten.
  • Gleicher Zugang für alle: Jeder Mensch sollte unabhängig von Wohnort oder Lebenssituation Zugang zu Prävention, Diagnostik, Behandlung und Versorgung haben.
  • Hepatitis-Versorgung ins Gesundheitssystem integrieren: Angebote sollten fester Bestandteil der regulären Gesundheitsversorgung sein.
  • Forschung und Innovation vorantreiben: Dazu braucht es u. a. Investitionen und mehr sektorenübergreifende Zusammenarbeit.

„Die Elimination der Virushepatitis ist weiterhin möglich – vorausgesetzt, wir handeln gemeinsam und erreichen alle Menschen, überall auf der Welt“, resümiert Dr. Tereza Kasaeva.

Deutschland gegen Virus-Hepatitis

Hepatitis Day 2026

Erst kürzlich äußerten Fachleute in Deutschland auf einer Tagesspiegel-Veranstaltung jedoch Zweifel, ob die Elimination bis 2030 noch zu schaffen ist. Laut „HCV-Tracker“ sind in der Bundesrepublik aktuell 672 weniger HCV-Patient:innen diagnostiziert und 16.629 weniger therapiert, als zum jetzigen Zeitpunkt zur Zielerreichung notwendig wären (Stand: 1. Quartal 2026). Wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilt, sind bestimmte Bevölkerungsgruppen „weiterhin überproportional betroffen.“ Hierzu gehören unter anderem Menschen mit injizierendem Drogenkonsum, Wohnungslose oder Gefängnisinsassen. 2025 wurden insgesamt 8.085 HCV-Infektionen an das RKI übermittelt. Fast die Hälfte davon sind 30- bis 59-jährige Männer. „Als häufigster wahrscheinlicher Übertragungsweg wurde intravenöser Drogenkonsum […] angegeben.“ In den Augen von Prof. Frank Tacke, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie an der Charité, braucht es daher unter anderem mehr niedrigschwellige Test- und Therapieangebote – in Drogenhilfeeinrichtungen und Notunterkünften zum Beispiel (s. Pharma Fakten).

Luft nach oben gibt es auch bei der Hepatitis B-Impfung: Bereits ab dem Säuglingsalter wird sie von der Ständigen Impfkommission empfohlen. „Die Impfquote gegen Hepatitis B lag bei Einschulungskindern in Bayern im Schuljahr 2023/24 bei 88,4 Prozent“, weiß Gerlach. Bundesweit liegt die Impfquote unter den Schulanfänger:innen zwischen 87 Prozent und 92 Prozent (s. RKI). „Unser Ziel muss sein, möglichst viele junge Menschen zu erreichen, bevor aus einer versäumten Impfung ein vermeidbares Gesundheitsrisiko wird“. Bei Menschen, die nicht geimpft sind, sei „die Früherkennung einer Infektion durch Tests besonders wichtig“, so die Ministerin. „Ein einmaliges kostenfreies Screening auf bestehende Infektionen mit Hepatitis B und C ist seit Ende 2020 im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung Check-up 35 möglich.“

Die WHO bringt es auf den Punkt: „Die notwendigen Instrumente, um Virushepatitis zu eliminieren, existieren bereits.“ Sie können Infektionen verhindern, behandeln, Leben retten und das Risiko für Leberkrebs und Leberzirrhose senken. Wenn nicht jetzt – wann dann?

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