Die Fakten
- Jedes Jahr erkranken rund 75.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs.
- Viele Klinikbesuche: Moderne Therapien erfordern oft eine enge medizinische Überwachung.
- 3 Partner, 1 „Remote-Care“-Projekt: Die Firmen Novartis und Luscii sowie das varisano Klinikum Frankfurt Höchst haben sich zusammengetan, um die Versorgung der Patient:innen mit digitalen Lösungen zu verbessern.
Novartis Deutschland, das varisano Klinikum Frankfurt Höchst und der Telemonitoring-Partner Luscii haben gemeinsam ein digitales Monitoring-Konzept für Brustkrebspatientinnen gestartet. Wie genau funktioniert das?

Nicolas Weber: Unser gemeinsames Projekt ist ein sogenanntes Remote-Care-Modell für Brustkrebspatientinnen unter einer bestimmten Krebstherapie. Wir wollen damit zeigen, wie Patientinnen, Brustkrebszentren und das Gesundheitssystem gezielt entlastet werden können, indem eine verlässliche und kontinuierliche Betreuung sichergestellt, Nebenwirkungen frühzeitig erkannt und die Therapietreue nachhaltig gestärkt wird. Konkret nutzen die Patientinnen eine digitale Plattform unseres Partners Luscii, über die sie regelmäßig ihre Symptome sowie ihre Medikamenteneinnahme dokumentieren. Die Angaben werden strukturiert und in Echtzeit an das Brustzentrum des varisano Klinikums Frankfurt Höchst übermittelt und dort in einem übersichtlichen Dashboard gebündelt. Die relevanten Vital‑ und Laborwerte werden vom Brustzentrum in das System eingepflegt – bei Überschreitung definierter Grenzwerte wird dies im Dashboard unmittelbar sichtbar. Das Behandlungsteam kann die eingehenden Informationen kontinuierlich überwachen und sieht auf einen Blick, ob Handlungsbedarf besteht. Es kann also bei Auffälligkeiten frühzeitig intervenieren. Unauffällige Verläufe müssen dagegen nicht automatisch zu einem zusätzlichen Kliniktermin führen.
Welche Rolle spielt dabei Novartis?
Weber: Die wissenschaftliche Leitung des Projekts liegt beim varisano Klinikum Frankfurt Höchst, das die Telemonitoring-Plattform auch in die bestehende Behandlungsroutine integriert. Luscii stellt die digitale Infrastruktur bereit und entwickelt gemeinsam mit dem Klinikteam praxisnahe, strukturierte Behandlungspfade für das Monitoring. Novartis Deutschland übernimmt dabei die Rolle des Katalysators: Wir bringen die Partner zusammen und unterstützen bei der Projektorganisation. Außerdem fördern wir die Evidenzgenerierung, um festzustellen, ob das Modell praktikabel ist und die Versorgung verbessert. Und wir bringen unsere wissenschaftliche Expertise und medizinischen Erkenntnisse ein, denn wir sind sehr aktiv in Forschung und Entwicklung im Bereich Brustkrebs und verfügen über langjährige Erfahrungen mit unseren innovativen Produkten auf dem deutschen Markt. Im Rahmen unserer Digitalstrategie fördern wir Initiativen wie das Remote-Care-Projekt, um Versorgung, Patientensicherheit und Lebensqualität durch vernetzte Daten zu verbessern.
Für welche Patient:innen ist das „Remote Care“-Projekt gedacht?
Weber: Das Remote-Care-Projekt richtet sich zunächst an Patientinnen des varisano Klinikums Frankfurt Höchst mit einer sehr häufigen – der hormonrezeptorpositiven, HER2-negativen – Form des Brustkrebses, die eine zielgerichtete Therapie mit einem sogenannten CDK4/6-Inhibitor erhalten.

Welchen medizinischen Bedarf adressiert das Projekt? Inwiefern verbessert es die Versorgung?
Weber: Zielgerichtete Therapien wie CDK4/6-Inhibitoren haben die Behandlung von Brustkrebs deutlich verbessert. Ihre engmaschige Kontrolle, insbesondere zu Beginn der Behandlung, erfordert aber in der Praxis zahlreiche Vor-Ort-Termine. Viele dieser Termine verlaufen jedoch unauffällig. Wenn die Vital‑ und Laborwerte stabil sind und sich die Patient:innen gut fühlen, wäre ein persönlicher Besuch in der Klinik nicht erforderlich. Gleichzeitig bedeutet dies für die Kliniken, dass sie Kapazitäten bereitstellen müssen. Unser Remote-Care-Modell setzt genau hier an, indem es eine kontinuierliche, strukturierte Überwachung zwischen den Vor-Ort-Terminen schafft. Insgesamt stärkt das Projekt also die Versorgungskontinuität und zeigt, wie digitale Lösungen helfen können, moderne onkologische Therapien sicher und patientenzentriert in den Alltag zu integrieren. Unser Ziel ist, innovative Modelle zu fördern und die Qualität und Effizienz der Patientenversorgung zu steigern. Denn Therapieerfolg hängt nicht nur vom Medikament ab, sondern auch von einer gut vernetzten Versorgung und der Therapietreue, der sogenannten Adhärenz.
Welche Vorteile bietet das Projekt – sowohl den Patient:innen als auch Kliniken?
Weber: Für die Patientinnen bedeutet das Remote-Care-Modell vor allem mehr Sicherheit bei gleichzeitig geringerer Belastung im Alltag. Symptome und Gesundheitsdaten werden kontinuierlich digital erfasst, unnötige Klinikbesuche entfallen. Dadurch steigt die Lebensqualität, und die medizinische Versorgung lässt sich besser in den persönlichen Alltag integrieren. Zugleich steigert die Einbindung in das eigene Behandlungsmanagement die Adhärenz – und unterstützt so die langfristigen Therapieerfolge. Auch für die Kliniken entsteht ein klarer Mehrwert. Die digitalen Dashboards bündeln die relevanten Patientendaten übersichtlich und ermöglichen es Ärztinnen und Ärzten, ihre Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Dies steigert die Effizienz, entlastet das Personal und stärkt eine moderne, digital gestützte Versorgungsstruktur.

Ist es geplant, das Ganze deutschlandweit auszurollen?
Weber: Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das langfristig bundesweit eingesetzt werden kann, sodass hochwertige Brustkrebsversorgung weniger vom Wohnort abhängt und moderne Therapien effizient in die Regelversorgung integriert werden können. Die Pilotphase mit dem Klinikum Höchst läuft bis zum dritten Quartal 2027 und wird wissenschaftlich evaluiert. Auf Basis der Ergebnisse soll geprüft werden, wie sich das Remote-Care-Konzept auf weitere Standorte übertragen lassen könnte. Jede Frau mit Brustkrebs soll so die Chance auf die für sie beste Therapie und eine optimale Versorgung erhalten – unabhängig von Wohnort, Lebensumständen oder behandelndem Arzt.
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