Alina

Welche Impfungen sind sinnvoll und sicher, welche nicht? Wissenschaftler:innen werten seit Jahrzehnten Daten zu Nutzen und Risiken aus. Foto: iStock.com / Alessandro Biascioli

Teil 2: Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage

Impfungen werden nur zugelassen und für die deutsche Bevölkerung empfohlen, wenn ihr potenzieller Nutzen größer ist als ihr potenzielles Risiko. Dazu werten die Mitglieder der „STIKO“ – ein unabhängiges, ehrenamtliches Expertengremium – Unmengen an wissenschaftlichen Daten aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) betont: „Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen.“

Ständige Impfkommission

Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges, ehrenamtlich arbeitendes Expert:innengremium, das in erster Linie Impfempfehlungen für die Menschen in Deutschland erarbeitet. Bei der Bewertung von Daten zu Impfstoffen und zu Erkrankungen und bei der Erarbeitung von Impfempfehlungen folgt die STIKO den Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Es werden sowohl der individuelle als auch der gesamtgesellschaftliche Nutzen von Impfungen berücksichtigt. Eine Impfung wird von der STIKO nur empfohlen, wenn auf Basis der untersuchten Daten ihr Nutzen deutlich größer als ihr potenzielles Risiko ist.

Welche Impfungen sind sinnvoll und sicher, welche nicht? Wissenschaftler:innen werten seit Jahrzehnten Daten zu Nutzen und Risiken aus. Foto: iStock.com / gorodenkoff

Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage

Dass US-Präsident Donald Trump trotz aller Kritik aus Fachkreisen die Empfehlungen seiner Regierung für Impfungen im Kindesalter zusammenstreichen will, dürfte viele Menschen weltweit verunsichern. Welche Impfungen sind sinnvoll und sicher? Welche sind es nicht? Tatsache ist: Niemand muss diese Fragen allein beantworten. Wissenschaftler:innen werten seit Jahrzehnten Daten zu Nutzen und Risiken von Vakzinen aus. In Deutschland etwa prüft die STIKO die Evidenz und leitet daraus Empfehlungen ab: auf Basis von Fakten anstatt leeren Behauptungen.

Forschungsdatenzentrum Gesundheit

Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ), angesiedelt beim BfArM, stellt pseudonymisierte Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgung sicher, kontrolliert und datenschutzkonform zur Verfügung. Es ist damit die zentrale Dateninfrastruktur für die sichere Nutzung von Gesundheitsdaten zu Forschungszwecken.

Interoperabilität

interoperabel bezeichnet die Fähigkeit verschiedener Informationssysteme, Anwendungen und Organisationen, Daten einheitlich auszutauschen, zu verstehen und gemeinsam zu nutzen. Fehlende Interoperabilität im Gesundheitswesen verschlechtert die Versorgungsqualität, führt zu höheren Kosten und einer eingeschränkten Nutzung von Daten für Forschung und Gesundheitsplanung.

Mit dem Gesetzentwurf zur Digitalisierung im Gesundheitswesen soll ein vernetztes Gesundheitsdatenökosystem entstehen. Das Ziel: ein effizienteres Gesundheitssystem, eine bessere Medizin. Foto: iStock.com / piyaphun

Digitales Gesundheitswesen: 2029 hat sich „ausgefaxt“

Das Bundeskabinett hat vor der Sommerpause den Gesetzentwurf zur Digitalisierung im Gesundheitswesen (GeDIG) beschlossen. Damit soll ein vernetztes Gesundheitsdatenökosystem entstehen. Es will die Grundlagen schaffen, um die elektronische Patient:innen-Akte (ePA) alltagstauglicher zumachen, die digitale Infrastruktur zu stabilisieren und Versicherten neue Wege in die Versorgung zu eröffnen. Für die Arzneimittelforschung könnte es eines der wichtigsten Strukturgesetze werden. Denn Deutschland sitzt auf einem gewaltigen Datenschatz – doch bisher fehlen die Schlüssel, um ihn für Forschung, Innovation und Versorgung nutzbar zu machen.

41 Millionen Menschen mit HIV weltweit

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen und der Aids-bedingten Todesfälle ist „so niedrig wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr“, meldet die Organisation UNAIDS. Immer mehr Betroffene haben Zugang zur sogenannten antiretroviralen Therapie. Doch die Bekämpfung des Immunschwächevirus gerät ins Stocken: Expert:innen fürchten ein „Wiederaufflammen der Epidemie“.

Die globale Impfquote bei Kindern ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, melden WHO und UNICEF. Doch noch ist es nicht gelungen, die Rückschritte aus der Pandemiezeit wettzumachen. Foto: iStock.com / Jacob Wackerhausen

19,6 Millionen Babys und Kleinkinder ohne (ausreichenden) Impfschutz

Die globale Impfquote bei Kindern ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, melden die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk UNICEF. Doch noch immer ist es nicht gelungen, die Rückschritte aus der Pandemiezeit wieder wettzumachen. „Millionen besonders gefährdeter Kinder bleiben aufgrund von Konflikten, Vertreibung und Armut weiterhin ungeschützt“, sagt Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Kein Kind sollte an einer Krankheit leiden, die sich mit einer einfachen Impfung verhindern lässt.“ In Deutschland sind rund 21.000 Säuglinge komplett ohne Impfschutz.

Die im GKV-Spargesetz geplante „Auffanglösung“ für Preis-Mengen-Regelungen ist ein Systembruch, nicht zielführend und gefährdet die Patient:innen-Versorgung mit Arzneimittelinnovationen. Foto: iStock.com / peakSTOCK

Preis-Mengen-Regelung: Sondersteuer für neue Arzneimittel

Was darf ein neues Medikament kosten? Diese Frage sollen in Deutschland der GKV-Spitzenverband und das pharmazeutische Unternehmen in den Erstattungsbetragsverhandlungen klären. Schon heute müssen sie dabei laut Gesetz auch mengenbezogene Aspekte vereinbaren – also zum Beispiel Rabatte, die greifen, wenn ein Präparat in größerem Umfang eingesetzt wird. Mit dem GKV-Spargesetz plant die Bundesregierung einen weiteren Eingriff: Sie gibt eine konkrete Rechenformel vor, mit der sich ein Mengenrabatt künftig als „Auffanglösung“ festlegen lässt. Die Formel ist ein Systembruch – und gleicht einem automatischen Preisabsenkungsmechanismus, der den Zugang zu Arzneimittelinnovationen mit hohem medizinischem Bedarf gefährdet.

„Deutschland auf der Zielgeraden? Die Elimination von Hepatitis C BIS-2030“ – das war Thema einer Tagesspiegel-Expertenrunde.

Hepatitis C-Elimination bis 2030: Warum Fachleute Zweifel haben

Potenziell lebensbedrohlich: Das ist Hepatitis C. Doch es gibt Test- und Behandlungsmöglichkeiten, die eine Elimination dieser gefährlichen Lebererkrankung möglich machen. Bis 2030 soll das eigentlich gelingen, gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor. Doch Deutschland schafft das nicht – so sieht es aktuell zumindest aus. Die Leidtragenden sind die Betroffenen. Was nun passieren muss? Darüber sprachen Fachleute bei einer Tagesspiegel-Veranstaltung in Berlin.

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