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Führende Köpfe der Pharmaindustrie warnen in einem offenen Brief eindringlich, dass Europa im globalen Wettbewerb um Investition, Forschung und Innovation an Boden verliert. Foto: iStock.com / rarrarorro

Pharma in Europa: Es „schrillen die Alarmglocken“

Sie finden deutliche Worte: Neun Spitzenvertreter:innen großer Pharmaunternehmen warnen, dass Europa im globalen Wettbewerb um Investitionen, Forschung und Innovation an Boden verliert. Mit weitreichenden Konsequenzen: „Rund 40 Prozent der neu zugelassenen Therapien erreichen die Patient:innen in Europa nicht“. Doch die Geschichte des Kontinents müsse „keine Geschichte des Niedergangs“ sein. Noch können politische Entscheidungsträger:innen gegenlenken: Dafür müssten sie Arzneimittel als sinnvolle Investition in Gesundheit, Unabhängigkeit und Wohlstand anerkennen.

Die Thymidinkinase-2-Defizienz (TK2d) ist eine ultraseltene und lebensbedrohliche Erkrankung. Jetzt kann sie erstmals behandelt werden. Foto: iStock.com / klingsup

Forschung für die Ultraseltenen: Eine nicht behandelbare Krankheit behandelbar machen

Die Thymidinkinase-2-Defizienz (TK2d) ist eine ultraseltene, vererbbare und lebensbedrohliche Erkrankung mit einer hohen Sterblichkeit im Kindesalter. Zu den Folgen zählen zunehmende Muskelschwäche, Schwierigkeiten beim Schlucken, Sprechen und Atmen. Bisher war die Medizin relativ machtlos; behandelt wurden lediglich die Symptome. Doch ein in diesem Jahr zugelassenes Medikament verändert für Menschen mit TK2d die Perspektive: Erstmals geht es darum, den Krankheitsverlauf selbst zu beeinflussen und möglicherweise Fähigkeiten zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Der Pharmadialog geht weiter – er soll in eine Strategie münden, die die Rahmenbedingungen der Industrie in Deutschland verbessert. Wird daraus mehr als Symbolpolitik? Foto: iStock.com / hanohiki

Pharmadialog: Symbolpolitik oder echte Strategie?

Der Pharma- und Medizintechnikdialog geht weiter – noch in diesem Jahr sollen seine Ergebnisse in eine Strategie münden, die die Rahmenbedingungen für beide Branchen am Standort Deutschland verbessert. Wird daraus mehr als Symbolpolitik? Dafür müsste die Bundesregierung ihre industriepolitischen Ambitionen mit ihrer tatsächlichen Politik in Einklang bringen – und konterkarierende Spargesetze sowie aktuelle US-Arzneimittelpolitik nicht einfach ausblenden.

Welche Impfungen sind sinnvoll und sicher, welche nicht? Wissenschaftler:innen werten seit Jahrzehnten Daten zu Nutzen und Risiken aus. Foto: iStock.com / Alessandro Biascioli

Teil 2: Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage

Impfungen werden nur zugelassen und für die deutsche Bevölkerung empfohlen, wenn ihr potenzieller Nutzen größer ist als ihr potenzielles Risiko. Dazu werten die Mitglieder der „STIKO“ – ein unabhängiges, ehrenamtliches Expertengremium – Unmengen an wissenschaftlichen Daten aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) betont: „Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen.“

Ständige Impfkommission

Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges, ehrenamtlich arbeitendes Expert:innengremium, das in erster Linie Impfempfehlungen für die Menschen in Deutschland erarbeitet. Bei der Bewertung von Daten zu Impfstoffen und zu Erkrankungen und bei der Erarbeitung von Impfempfehlungen folgt die STIKO den Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Es werden sowohl der individuelle als auch der gesamtgesellschaftliche Nutzen von Impfungen berücksichtigt. Eine Impfung wird von der STIKO nur empfohlen, wenn auf Basis der untersuchten Daten ihr Nutzen deutlich größer als ihr potenzielles Risiko ist.

Welche Impfungen sind sinnvoll und sicher, welche nicht? Wissenschaftler:innen werten seit Jahrzehnten Daten zu Nutzen und Risiken aus. Foto: iStock.com / gorodenkoff

Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage

Dass US-Präsident Donald Trump trotz aller Kritik aus Fachkreisen die Empfehlungen seiner Regierung für Impfungen im Kindesalter zusammenstreichen will, dürfte viele Menschen weltweit verunsichern. Welche Impfungen sind sinnvoll und sicher? Welche sind es nicht? Tatsache ist: Niemand muss diese Fragen allein beantworten. Wissenschaftler:innen werten seit Jahrzehnten Daten zu Nutzen und Risiken von Vakzinen aus. In Deutschland etwa prüft die STIKO die Evidenz und leitet daraus Empfehlungen ab: auf Basis von Fakten anstatt leeren Behauptungen.

Forschungsdatenzentrum Gesundheit

Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ), angesiedelt beim BfArM, stellt pseudonymisierte Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgung sicher, kontrolliert und datenschutzkonform zur Verfügung. Es ist damit die zentrale Dateninfrastruktur für die sichere Nutzung von Gesundheitsdaten zu Forschungszwecken.

Interoperabilität

interoperabel bezeichnet die Fähigkeit verschiedener Informationssysteme, Anwendungen und Organisationen, Daten einheitlich auszutauschen, zu verstehen und gemeinsam zu nutzen. Fehlende Interoperabilität im Gesundheitswesen verschlechtert die Versorgungsqualität, führt zu höheren Kosten und einer eingeschränkten Nutzung von Daten für Forschung und Gesundheitsplanung.

Mit dem Gesetzentwurf zur Digitalisierung im Gesundheitswesen soll ein vernetztes Gesundheitsdatenökosystem entstehen. Das Ziel: ein effizienteres Gesundheitssystem, eine bessere Medizin. Foto: iStock.com / piyaphun

Digitales Gesundheitswesen: 2029 hat sich „ausgefaxt“

Das Bundeskabinett hat vor der Sommerpause den Gesetzentwurf zur Digitalisierung im Gesundheitswesen (GeDIG) beschlossen. Damit soll ein vernetztes Gesundheitsdatenökosystem entstehen. Es will die Grundlagen schaffen, um die elektronische Patient:innen-Akte (ePA) alltagstauglicher zumachen, die digitale Infrastruktur zu stabilisieren und Versicherten neue Wege in die Versorgung zu eröffnen. Für die Arzneimittelforschung könnte es eines der wichtigsten Strukturgesetze werden. Denn Deutschland sitzt auf einem gewaltigen Datenschatz – doch bisher fehlen die Schlüssel, um ihn für Forschung, Innovation und Versorgung nutzbar zu machen.

41 Millionen Menschen mit HIV weltweit

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen und der Aids-bedingten Todesfälle ist „so niedrig wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr“, meldet die Organisation UNAIDS. Immer mehr Betroffene haben Zugang zur sogenannten antiretroviralen Therapie. Doch die Bekämpfung des Immunschwächevirus gerät ins Stocken: Expert:innen fürchten ein „Wiederaufflammen der Epidemie“.

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