Leandra

Es ist an der Zeit, das Thema Gesundheit gesamtgesellschaftlich zu einer Priorität zu machen. Alles andere wäre fahrlässig. Ein Kommentar von Alina Massari. Foto: ©iStock.com/Totojang

Gesundheit ist kritische Infrastruktur – doch Deutschland redet zu wenig darüber

Neben Sektoren wie Ernährung oder Energie nennt das „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik“ auch Gesundheit als kritische Infrastruktur: Gibt es hier Ausfälle oder Beeinträchtigungen hätte das dramatische Folgen für das staatliche Gemeinwesen. Ist es da nicht verwunderlich, wie selten Ausgaben im Gesundheitssystem als Investition in die Zukunftsfähigkeit Deutschlands diskutiert werden? Und wie wenig Innovation als Treiber für Wohlstand und nationale Sicherheit im Fokus steht? Es ist an der Zeit, das Thema zu einer gesamtgesellschaftlichen Priorität zu machen. Alles andere wäre fahrlässig. Ein Kommentar von Alina Massari.

Médard Schoenmaeckers, Deutschlandchef von Boehringer Ingelheim, spricht im Interview über die Bedeutung der Pharmabranche für die Menschen in der Bundesrepublik.

„Gesundheit ist Basis für Resilienz und Wohlstand“

Geopolitische Instabilität, Klimakrise, demografischer Wandel, Wirtschaft im Krisenmodus: Die Bundesregierung steht vor enormen Herausforderungen. Wie gelingt es trotz allem, den Wohlstand Deutschlands zu erhalten und auszubauen? Eine entscheidende Rolle kann dabei die forschende Pharmaindustrie spielen, ist Médard Schoenmaeckers überzeugt. Er ist Vorsitzender der Geschäftsführung bei Boehringer Ingelheim Deutschland. Im Interview erklärt er, warum pharmazeutische Innovationskraft wichtig für die Gesundheit der Menschen und die hiesige Wirtschaft ist.

JAK-Inhibitor

Ein JAK-Inhibitor oder Januskinase-Hemmer ist ein Arzneistoff, der die Januskinasen (JAK) hemmt – Enzyme, die für die Signalübertragung bei Entzündungs- und Immunprozessen wichtig sind. Sie blockieren fehlgesteuerte Immunreaktionen und werden bei Autoimmunerkrankungen und bestimmten Krebserkrankungen eingesetzt.  

Im Gespräch mit Pharma Fakten erläutert Onofrio Mastandrea, Geschäftsführer von Incyte Biosciences Germany, wie er mehr Innovationen nach Deutschland holen will.

Deutschland als Innovations-Hub

In der öffentlichen Wahrnehmung geht manchmal ein wenig unter, was Wissenschaft und Forschung alles erreichen können. Das gilt auch für den Nutzen, den Pharmaunternehmen mit der Entwicklung von Arzneimittelinnovationen für Menschen mit schweren Erkrankungen schaffen können. Es ist ein Thema, das Onofrio Mastandrea umtreibt. Er leitet seit Sommer 2025 das Deutschland-Geschäft des forschenden Biotech-Unternehmens Incyte Biosciences. Im Gespräch mit Pharma Fakten erläutert er, wie er mehr Innovationen in die Bundesrepublik holen will.

Zero-Dose-Kinder

Zero-Dose-Kinder sind Kinder, die im ersten Lebensjahr keine einzige Routineimpfung erhalten haben. Die WHO definiert sie in der Regel über die fehlende Gabe der ersten Dosis des Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Impfstoffs (DTP1).

Impfstoffe sind eines der erfolgreichsten Instrumente, die die Medizin zu bieten hat. Wunder vollbringen sie nicht – sie wirken nur, wenn sie auch tatsächlich eingesetzt werden. Foto: iStoc.k.com / www.peopleimages.com

Wie Innovation Krankheit besiegt: Impfungen

Impfstoffe gehören zu den erfolgreichsten und effizientesten Instrumenten, welche die Medizin zu bieten hat – die Zahl der jährlich geretteten Menschenleben geht in die Millionen. Wenn es sie nicht gäbe, müssten sie erfunden werden; schließlich verhindern sie Krankheiten, bevor sie entstehen. Wunder vollbringen sie nicht – sie wirken nur, wenn sie auch tatsächlich eingesetzt werden. Daran hapert es zunehmend.

Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Das verändert die Art und Weise, wie die Krankheit behandelt werden muss. Foto: ©istock.com/LightFieldStudios

Gewonnene Zeit – Durchbruch in der Alzheimertherapie

Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab. Das sind Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München (EGKM) gingen Expert:innen der Frage nach, was das für die Versorgungsstrukturen, für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen bedeutet. Denn klar ist auch: Eine Heilung ist die neue Therapie nicht.

Kontraindikation

Eine Kontraindikation ist ein Umstand, bei der eine bestimmte medizinische Behandlung, ein Medikament oder ein Eingriff nicht angewendet werden darf, weil dadurch gesundheitliche Schäden oder Risiken für die Patient:innen entstehen könnten.

Wie kann „Shared decision making“ heute und in Zukunft aussehen? Das war Thema auf dem Herbstforum 2025 – eine Veranstaltung von Amgen, AstraZeneca, Bristol Myers Squibb und Roche. Foto: ©iStock.com/nensuria

Ärzt:innen und Patient:innen auf Augenhöhe

„Jahrhundertelang war es so, dass der Patient das Objekt des Behandlungsgeschehens war“, so Dr. Martin Danner, BAG Selbsthilfe. Mitbestimmen? Mitgestalten? Das war nicht vorgesehen. Und heute? Im Idealfall schafft es ein Konzept in die Regelversorgung, das den Namen „Shared Decision Making“ trägt: Es sieht vor, dass Patient:innen die Entscheidungen im Behandlungsprozess gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal treffen. Darüber sprachen Expert:innen aus dem Gesundheitswesen auf einer Veranstaltung in Berlin.

Produktionsindex

Der Produktionsindex misst die Veränderung des Produktionsvolumens einer Volkswirtschaft oder eines bestimmten Wirtschaftssektors über die Zeit und ist damit ein zentraler Indikator für die Konjunktur.

© Pharma Fakten e.V.
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