Rund 229.000 Menschen in der Bundesrepublik sterben jedes Jahr an Krebs. Keine Frage: Es sind viel zu viele – gerade, wenn man bedenkt, dass Expert:innen zufolge ein großer Teil der Erkrankungen und Todesfälle durch verstärkte Prävention und Früherkennung, moderne Behandlung und Nachsorge vermeidbar wäre (s. Pharma Fakten). Und trotzdem sind die Fortschritte enorm – das zeigt der Blick auf die sogenannten altersstandardisierten Sterberaten: Sie sind in den vergangenen 25 Jahren bei Frauen um 21 Prozent und bei Männern um 31 Prozent gesunken. Altersstandardisierung bedeutet, dass Effekte von Bevölkerungswachstum und -alterung rausgerechnet werden – dies macht es möglich, die Sterblichkeit von heute mit der von vor Jahrzehnten zu vergleichen, obwohl etwa der Anteil der Menschen in höherem Alter (und mit entsprechend höherem Krebsrisiko) inzwischen größer ist als früher.
Krebs betrifft alle

„Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebserkrankung, die in den letzten fünf Jahren diagnostiziert wurde“, schreibt das RKI in der jüngsten Ausgabe von „Krebs in Deutschland“. Es sind Cancer Survivor. „Fast 4,8 Millionen der Ende 2023 lebenden Menschen waren in den 25 Jahren zuvor an Krebs erkrankt.“ Allein diese Zahlen zeigen: Krebs geht alle an. Laut RKI „erkranken im Laufe des Lebens fast jeder zweite Mann (49 %) und mehr als zwei von fünf Frauen (43%) an Krebs“.
Über alle Krebsformen hinweg liegen die absoluten 5-Jahres-Überlebensraten bei 57 Prozent für Frauen und bei 50 Prozent für Männer. Das heißt: Fünf Jahre nach Diagnose lebt rund die Hälfte der Betroffenen noch. Letztlich ist die Prognose aber von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von der Art und dem Stadium des Tumors. Beim schwarzen Hautkrebs liegt die absolute 5-Jahres-Überlebensrate bei 86 Prozent (Frauen) bzw. 78 Prozent (Männer) – bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nur bei jeweils rund 10 Prozent.
Pharmaforschung: Fokus auf Krebs
Es gibt also noch einiges zu tun: Die Onkologie ist daher weiterhin ein Schwerpunkt forschender Unternehmen. Der Pharmaverband vfa rechnet mit vielen neuen Krebsmedikamenten, die 2026 in die deutsche Versorgung kommen – unter anderem mit jeweils bis zu drei neuen Arzneimitteln gegen kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom und Blasenkrebs sowie mit zwei gegen Brustkrebs.
Die Patient:innen, sagt Martin Völkl, General Manager bei BeOne Medicines für Deutschland und Österreich, können „erwarten, dass diese Dynamik in der Forschung weitergeht, sich vielleicht sogar noch beschleunigen wird. Wir haben bispezifische Antikörper, wir haben Protein-Degrader oder hochspezifische Kinase-Hemmer, wir haben die Antikörper-Wirkstoff-Konjugate oder DNA-basierte Ansätze. Und wir haben die Möglichkeit, diese Ansätze intelligent zu kombinieren, um wirksamer, aber auch verträglicher zu werden. Zusammen mit der molekularen Diagnostik werden wir zunehmend mehr personalisierte Therapieentscheidungen treffen können. Davon werden Menschen mit Krebs massiv profitieren.“ Wann Krebs heilbar ist? „Es wäre unseriös ein konkretes Datum zu nennen. Umso mehr müssen wir mit hohem Tempo weiter forschen. Nur in der Wissenschaft finden wir die Antworten darauf, wie wir Krebserkrankungen vielleicht eines Tages heilen können.“
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Krebsforschung: „Wir wollen niemanden zurücklassen“
Krebserkrankungen immer besser und verträglicher behandeln: Das ist ein Forschungsschwerpunkt von Pharmafirmen auf der ganzen Welt. Das global aufgestellte Onkologie-Unternehmen BeOne Medicines etwa arbeitet an 175 klinischen Arzneimittelstudien. Wir sprachen mit Martin Völkl, General Manager bei BeOne für Deutschland und Österreich, über die Herausforderungen. Sein Ziel: Mehr klinische Studien nach Deutschland holen.

Vom Nutzen neuer Krebsmedikamente
Trotz aller Fortschritte bei Prävention, Diagnose, neuartigen Arzneimitteln und besserer Nachsorge stellen Krebserkrankungen eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. Gerade deshalb sollten Arzneimittelinnovationen als das betrachtet werden, was sie sind: eine Investition in die Zukunft und in eine prosperierende Wirtschaft. Das zeigt eine Studie, die der europäische Pharmaverband EFPIA vorgestellt hat.

Krebs in Europa: Die Überlebensraten steigen
Das schwedische Institute for Health Economics hat sich 31 europäische Länder über einen Zeitraum von fast 30 Jahren angeschaut – und beeindruckende Fakten zu Krebserkrankungen zusammengetragen. Demnach gibt es zwar immer mehr Neudiagnosen – doch auch die Überlebensraten steigen. Unter anderem habe die „Einführung neuer, effektiverer Krebsmedikamente“ dazu beigetragen, heißt es. Fast 200 neue Onkologika hat die Arzneimittelbehörde EMA seit 1995 zugelassen.
