Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
- Dialyse ersetzt bei Nierenversagen lebenswichtige Funktionen der Niere und ist oft über Jahre überlebensnotwendig – eine Transplantation bleibt jedoch die effektivere Lösung.
- Moderne Innovationen wie antivirale Therapien, ex-vivo-Organaufbereitung, verbesserte Immunsuppression und KI-gestützte Verfahren erweitern die Möglichkeiten der Transplantationsmedizin.
- Zukunftsweisende Ansätze wie künstliche Nieren, Stammzellforschung und Xenotransplantation könnten den Organmangel langfristig verringern und neue Therapieoptionen eröffnen.
Wie Dialyse funktioniert – und warum sie überlebenswichtig ist
Die Dialyse ist ein medizinisches Verfahren, welches die Nierenfunktion bei Menschen mit Nierenversagen ersetzt. Sie hilft, Abfallprodukte, Giftstoffe und überschüssiges Wasser aus dem Blut zu entfernen, die sich ohne Dialyse im Körper ansammeln würden. Mediziner:innen unterscheiden zwischen zwei Hauptformen der Dialyse:
- Hämodialyse: Das Blut des:der Patient:in wird außerhalb des Körpers gereinigt, indem es durch eine Maschine (Dialysator) geleitet wird, die wie eine künstliche Niere funktioniert. Der Vorgang muss mehrmals wöchentlich wiederholt werden.
- Peritonealdialyse: Bei der Peritonealdialyse wird das Bauchfell (Peritoneum) des:der Patient:in als Filter genutzt. Dazu wird eine spezielle Dialyselösung in die Bauchhöhle eingeführt, wo sie Abfallstoffe und überflüssige Flüssigkeit aufnimmt. Die verbrauchte Lösung wird nach einigen Stunden abgelassen und durch frische ersetzt. Oftmals ist es möglich, dass Patient:innen dieses Verfahren eigenständig zu Hause durchführen.1
Beide Dialyseverfahren übernehmen zentrale Aufgaben der Nieren – und sichern so das Überleben vieler Patient:innen. Doch was passiert, wenn keine Dialyse erfolgt? Wie lange kann man ohne Dialyse leben? Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, denn die Überlebenszeit hängt von individuellen Faktoren wie der Art des Nierenversagens (akut oder chronisch) sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand und etwaigen Begleiterkrankungen ab. Bei einem akuten Nierenversagen kann die Überlebenszeit ohne Dialyse nur wenige Tage betragen, bei chronischem Nierenversagen im Endstadium liegt die Lebenserwartung bei 6 bis 32 Monaten.2
Geschichte der Dialyse
Die Geschichte der Dialyse reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die folgende Zeitleiste zeigt die wichtigsten Stationen ihrer Entwicklung.1
- 19. Jahrhundert: Der schottische Chemiker Thomas Graham forscht zur Osmose und zur Diffusion und legt so die wissenschaftlichen Grundlagen für die Dialyse.
Gut zu wissen
Diffusion ist ein physikalischer Prozess, bei dem sich Teilchen (z. B. Moleküle oder Atome) aufgrund ihrer Eigenbewegung (brownsche Molekularbewegung) von einem Bereich hoher Konzentration zu einem Bereich niedriger Konzentration bewegen, bis ein Konzentrationsausgleich erreicht ist. Dieser Vorgang findet in Flüssigkeiten und Gasen statt und betrifft alle Arten von Teilchen. Osmose ist ein Spezialfall der Diffusion. Hierbei bewegt sich das Lösungsmittel (meist Wasser) durch eine semipermeable (halbdurchlässige) Membran von einem Bereich niedrigerer Konzentration gelöster Stoffe zu einem Bereich höherer Konzentration. Die Membran lässt dabei nur das Lösungsmittel, nicht aber die gelösten Stoffe hindurch. Ziel ist es, einen Konzentrationsausgleich herzustellen.
- 1913: Die Wissenschaftler Abel, Rowntree und Turner führen die ersten Dialyseversuche an Tieren durch, wobei sie auf semipermeable Membranen zurückgreifen.
- 1924: Der deutsche Arzt Georg Haas führt die erste Hämodialyse am Menschen durch.
- 1940er Jahre: Willem J. Kolff entwickelt die erste klinisch einsetzbare Dialysemaschine, „Kolfftrommel“ genannt.
- seit den 1950er Jahren: Kontinuierliche Verbesserung der Dialyseverfahren, etwa durch die Einführung von Blutpumpen und effizienter arbeitenden Dialysatoren.
- heute: Dialyse als lebensrettende Standardtherapie für Patient:innen mit Nierenversagen.
Die Entwicklung der Dialyse gilt als Meilenstein der Medizingeschichte, denn erst sie ermöglichte es, Menschen mit Nierenversagen eine Chance auf Leben zu geben – und das über Jahre hinweg. Das hat die medizinische Landschaft nachhaltig geprägt und den Anstoß für weitere Innovationen gegeben, etwa für regenerative Therapien.3
Aktuelle News aus der Pharmaforschung

Teil 2: Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage
Impfungen werden nur zugelassen und für die deutsche Bevölkerung empfohlen, wenn ihr potenzieller Nutzen größer ist als ihr potenzielles Risiko. Dazu werten die Mitglieder der „STIKO“ – ein unabhängiges, ehrenamtliches Expertengremium – Unmengen an wissenschaftlichen Daten aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) betont: „Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen.“

Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage
Dass US-Präsident Donald Trump trotz aller Kritik aus Fachkreisen die Empfehlungen seiner Regierung für Impfungen im Kindesalter zusammenstreichen will, dürfte viele Menschen weltweit verunsichern. Welche Impfungen sind sinnvoll und sicher? Welche sind es nicht? Tatsache ist: Niemand muss diese Fragen allein beantworten. Wissenschaftler:innen werten seit Jahrzehnten Daten zu Nutzen und Risiken von Vakzinen aus. In Deutschland etwa prüft die STIKO die Evidenz und leitet daraus Empfehlungen ab: auf Basis von Fakten anstatt leeren Behauptungen.

Digitales Gesundheitswesen: 2029 hat sich „ausgefaxt“
Das Bundeskabinett hat vor der Sommerpause den Gesetzentwurf zur Digitalisierung im Gesundheitswesen (GeDIG) beschlossen. Damit soll ein vernetztes Gesundheitsdatenökosystem entstehen. Es will die Grundlagen schaffen, um die elektronische Patient:innen-Akte (ePA) alltagstauglicher zumachen, die digitale Infrastruktur zu stabilisieren und Versicherten neue Wege in die Versorgung zu eröffnen. Für die Arzneimittelforschung könnte es eines der wichtigsten Strukturgesetze werden. Denn Deutschland sitzt auf einem gewaltigen Datenschatz – doch bisher fehlen die Schlüssel, um ihn für Forschung, Innovation und Versorgung nutzbar zu machen.
Tabletten statt Dialyse: Ist die Dialyse bald überflüssig?
Es gibt vielversprechende Entwicklungen, die darauf abzielen, die Dialyse in Zukunft zu ersetzen oder zumindest zu ergänzen. Beispielsweise wird an Medikamenten geforscht, die die Nierenfunktion unterstützen, das Fortschreiten von Nierenerkrankungen verlangsamen und die Notwendigkeit einer Dialyse so hinauszögern können. Schon heute können etwa SGLT-2-Hemmer bei der chronischen Nierenkrankheit (CKD) zum Einsatz kommen. Eine frühe Behandlung kann die Patient:innen im besten Fall viele Jahre vor der Dialyse bewahren, wie eine Studie gezeigt hat.
Darüber hinaus arbeiten Wissenschaftler:innen an künstlichen Nieren, die implantiert werden und im Körper wichtige Nierenfunktionen übernehmen, ohne dass eine Dialyse erforderlich ist.
Da die Dialyse vor allem durch die erforderliche Häufigkeit und die Dauer des Vorgangs für Betroffene eine große Belastung ist, gibt es zudem Bestrebungen, die Dialysezeiten durch neuartige biophysikalische Verfahren zu verkürzen.
Blicken wir weit in die Zukunft, könnten Fortschritte und Innovationen in der Stammzellforschung und Geweberegeneration irgendwann sogar dazu führen, dass beschädigte Nierenzellen repariert oder womöglich sogar neue Nieren gezüchtet werden können.3
Bis es soweit ist, stellt für viele Patient:innen mit chronischem Nierenversagen die Dialyse über Jahre hinweg eine lebenswichtige Übergangslösung dar – doch sie ersetzt die natürliche Organfunktion nur unvollständig und schränkt die Lebensqualität erheblich ein. Wenn weder Medikamente noch Dialyse ausreichen, bleibt häufig nur ein letzter Ausweg: die Transplantation. Besonders die Nierentransplantation ist heute eine der häufigsten und erfolgreichsten Organverpflanzungen – und zugleich ein Paradebeispiel dafür, wie weit die Medizin gekommen ist.
Neue Organe, neues Leben: Organtransplantationen
Die Organtransplantation zählt zu den größten Errungenschaften der modernen Medizin. Sie ermöglicht es, schwer kranken Menschen eine zweite Chance auf Leben zu geben, wenn eigene Organe ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Die Organtransplantation in Deutschland und weltweit verzeichnet beeindruckende Fortschritte, sieht sich jedoch auch mit großen Herausforderungen konfrontiert.
Organtransplantation: Geschichte
Die Geschichte der Organtransplantationen zeigt eindrucksvoll den Wert medizinischer Innovationen:4, 5
- Antike: Bereits vor über 2.500 Jahren experimentierten indische Heiler mit Hauttransplantationen zur Behandlung von Verletzungen.
- 19. Jahrhundert: Beginn der systematischen Erforschung von Gewebetransplantationen.
- 1880er Jahre: Die Transplantation von Schilddrüsengewebe durch Theodor Kocher lieferte erste wichtige Erkenntnisse über die natürlichen Abstoßungsreaktionen des Körpers.
- 1933: Der ukrainische Arzt Yurii Voronoy führt die erste Nierentransplantation am Menschen durch, allerdings verstarb die Patientin aufgrund fehlender Blutgruppenkompatibilität.
- 1954: Nach einer Nierentransplantation durch den Mediziner Dr. Joseph Murray in Boston lebte der Patient noch weitere acht Jahre.
- 1967: In Südafrika gelang Dr. Christiaan Barnard die erste Herztransplantation.
Heute ist die Transplantationsmedizin ein hochkomplexes Fachgebiet. Viele Transplantationen können bereits routinemäßig durchgeführt werden . So werden allein deutschlandweit jedes Jahr zwischen 3.000 und 4.000 Organtransplantationen registriert.
Organtransplantation im Wandel: Neue Technologien und therapeutische Durchbrüche
Die moderne Transplantationsmedizin steht nicht still – ganz im Gegenteil: In den vergangenen Jahren haben neue Technologien und biomedizinische Fortschritte die Möglichkeiten zur Organverpflanzung revolutioniert. Neben innovativen chirurgischen Verfahren spielen auch therapeutische Entwicklungen eine zentrale Rolle: So ist es seit 2014 dank antiviraler Therapien möglich, Hepatitis C in der Regel innerhalb weniger Wochen zu heilen – ein Durchbruch, der auch auf die Transplantationsmedizin erhebliche Auswirkungen hat. So müssen heute deutlich weniger Lebertransplantationen aufgrund dieser Infektion durchgeführt werden. Dadurch steigen die Chancen auf ein Spenderorgan für Patient:innen mit anderen, nicht heilbaren Lebererkrankungen – ein bedeutender Fortschritt für die gesamte Transplantationsmedizin. Mehr verfügbare Organe, mehr Leben, die gerettet werden können.
Darüber hinaus sorgen weitere aktuelle Forschungsschwerpunkte und technologische Fortschritte dafür, dass immer mehr Menschen von einer erfolgreichen Organtransplantation profitieren können.
Einsatz innovativer Technologien
Neue Methoden wie die ex-vivo Lungenperfusion erlauben es, Spenderorgane, die nicht gänzlich kompatibel sind, nach der Entnahme zu untersuchen und für die Transplantationen nutzbar zu machen. Auch in der Aufbereitung von Organen, die von Hepatitis-C-infizierten Spender:innen stammen, konnten bereits große Fortschritte gemacht werden.7
Immunmonitoring
Ein zentrales Thema in der Transplantationsmedizin ist die Immunsuppression . Diese ist notwendig, damit das Immunsystem das transplantierte Organ nicht als fremd erkennt und angreift. Laufende Innovationen tragen dazu bei, dass Nebenwirkungen wie erhöhter Blutdruck, Konzentrationsstörungen oder eine Einschränkung der Nierenfunktion reduziert und die Lebensqualität von Patient:innen mit Spenderorganen verbessert wird.7
Xenotransplantation
Ein besonders zukunftsweisendes Feld ist die Xenotransplantation – also die Verpflanzung tierischer Organe auf den Menschen, z. B. von genetisch angepassten Schweineorganen. Die Forschungen sind vielversprechend, stehen aber noch am Anfang.8 Sollte es gelingen, die immunologischen Hürden dauerhaft zu überwinden, könnte die Xenotransplantation langfristig den Organmangel entscheidend lindern.
Hinweis
Die Organ- und Gewebespende sind in Deutschland durch das Transplantationsgesetz streng geregelt. Wichtiger Bestandteil ist hier die sogenannte Entscheidungslösung. Sie besagt, dass eine Organ- oder Gewebeentnahme nur nach vorheriger Zustimmung der verstorbenen Person zu Lebzeiten, oder stellvertretend ihrer Angehörigen, erfolgen darf. Die Zustimmung (oder auch Ablehnung) zu Lebzeiten kann über einen Organspendeausweis oder das Organspende-Register erklärt werden.
Fortschritt rettet Leben – und schafft neue Hoffnung
Dialyse und Organtransplantationen zeigen eindrucksvoll, was medizinische Innovationen bewirken können: Sie schenken Menschen mit schwerem Organversagen nicht nur Lebenszeit, sondern oft auch neue Lebensqualität. Was heute Routine ist – wie die regelmäßige Dialysebehandlung oder eine Nierentransplantation – war einst visionäre Forschung. Gerade die rasante Entwicklung neuer Technologien, individualisierter Therapien und biomedizinischer Erkenntnisse beweist, dass Fortschritt in der Medizin kein Selbstzweck ist, sondern ganz konkret Leben rettet.
Ob Hightech-Dialysegeräte, antivirale Heilungen wie bei Hepatitis C oder bahnbrechende Ansätze wie die Xenotransplantation – sie alle stehen für eine Medizin, die nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Und sie zeigen: Forschung ist die Grundlage für Hoffnung. Denn hinter jedem medizinischen Meilenstein steht der Wille, das Leben von Patient:innen besser, länger und lebenswerter zu machen.
Weitere Meilensteine der Medizin

Infektionskrankheiten verstehen – mit Louis Pasteurs Entdeckungen
Wenn es um Innovationen in der Medizingeschichte geht, darf einer nicht fehlen: Der französische Chemiker Louis Pasteur, der mit seinen Arbeiten die Infektionsmedizin revolutionierte und den Grundstein für moderne Impfstoffe legte. Doch was genau hat Louis Pasteur erfunden, wer hat die Bakterien entdeckt und was ist das moderne Erbe von Pasteur?

Die Geschichte der Anästhesie
„Ich habe heute etwas gesehen, das um die Welt gehen wird.“ – Diese Bemerkung des Chirurgen Henry Jacob Bigelow im Anschluss an die erste öffentliche Demonstration einer Äther-Narkose sollte sich bewahrheiten: Das Jahr 1846 gilt heute als Geburtsjahr der modernen Anästhesie. Doch wie liefen Operationen vorher ab, mit welchen Mitteln versuchten Mediziner:innen, den Schmerz ihrer Patient:innen zu lindern, und wie hat sich die Anästhesie seit dem Jahr 1846 weiterentwickelt?

Wie neue Medikamente entstehen: Der lange Weg vom Labor bis zur Zulassung
Der Weg vom Molekül zum Medikament ist langwierig, hochkomplex und voller Unsicherheiten. Das verdeutlichen auch die Zahlen: Von bis zu 10.000 Substanzen, die in einer frühen Forschungsphase hergestellt und untersucht werden, schaffen es im Schnitt nur rund neun in die erste Phase der klinischen Studien – und nur ein Medikament gelangt bis zur Zulassung. Von ersten Experimenten im Labor über präklinische Untersuchungen bis hin zu den klinischen Testphasen: In diesem Artikel begeben wir uns auf eine spannende Reise durch die Welt der Arzneimittelforschung und Arzneimittelentwicklung.
- https://de.wikipedia.org/wiki/Dialyse
- https://krisenvorsorge-forum.de/wie-lange-kann-man-bei-nierenversagen-ohne-dialyse-ueberleben-alles-was-du-wissen-musst/
- https://www.dgfn.eu/pressemeldung/weniger-nierenversagen-und-dialysen-moeglich.html
- https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/medizin-und-forschung/transplantationsmedizin/transplantieren-von-organen-geweben-Zellen/geschichte-der-transplantation.html
- https://www.transplant-wissen.de/geschichte-der-organtransplantation/
- https://das-wissen.de/die-moralischen-dilemmata-bei-organtransplantationen/
- https://www.universitaetsmedizin.de/forschung/transplantationsforschung/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Xenotransplantation
- https://www.organspende-info.de/gesetzliche-grundlagen/gesetze-und-richtlinien/
- https://www.organspende-info.de/gesetzliche-grundlagen/gesetz-staerkung-entscheidungsbereitschaft/
