
„Krankheiten bedrohen unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, sind eine Last für das Gesundheitssystem und beschneiden das Potenzial unserer Wirtschaft. Und vor allem rauben sie den Menschen ihr Potenzial – ihre Fähigkeit, ein erfülltes Leben zu leben, Träume zu verfolgen und etwas zur Gesellschaft beizutragen“, erklären Stephen J. Ubl, Präsident und CEO bei PhRMA, sowie Daniel O’Day, CEO beim biopharmazeutischen Unternehmen Gilead Sciences. In einem Vorwort des Innovation Reports 2025 schreiben sie: „In den vergangenen 25 Jahren haben bahnbrechende medizinische Innovationen die Gesundheitsversorgung transformiert und in der Folge Patient:innen und ihren Familien Hoffnung geschenkt.“
Das, was die Arzneimittelentwicklung für die Menschen erreicht hat, lässt sich in Zahlen ausdrücken: „Forschungsarbeiten zeigen, dass Pharmazeutika ungefähr einen 14-fach höheren Einfluss auf die Lebenserwartung haben als andere Möglichkeiten der medizinischen Versorgung“, schreibt PhRMA. Zudem können sie die Lebensqualität verbessern, zu mehr Produktivität beitragen und Kosten, die durch Krankheiten entstehen, senken.
Immuntherapien erhöhen die Überlebensraten und die Lebensqualität für Menschen mit Krebs:
In Europa sind sie seit 2011 verfügbar – inzwischen gibt es ganz unterschiedliche Wirkprinzipien, vom Checkpoint-Inhibitor, über ein onkolytisches Virus, bis hin zur CAR-T-Zelltherapie. Immuntherapien haben bei manchen Erkrankungen wie Hautkrebs eine Revolution eingeläutet und die Behandlungsstandards auf den Kopf gestellt – zugunsten der Patient:innen.
Und damit nicht genug: PhRMA berichtet von über 1.000 Präparaten in der klinischen Entwicklung.
Die CAR-T-Technologie hilft, Krebszellen zu entdecken und zu zerstören:
CAR-T-Zelltherapien gehören zu den Immunonkologika – sie sind etwas ganz Besonderes. Denn sie nutzen körpereigene Immunzellen der Patient:innen – diese werden mithilfe von Gentechnik verändert und so dazu befähigt, bösartige Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Möglich ist das erst seit 2017 (in den USA) bzw. 2018 (in Europa).
„Während meiner Facharztausbildung betreute ich meinen ersten Patienten, der im Rahmen einer klinischen Studie auf eine neuartige Immuntherapie ansprach – sie gab Hoffnung für eine Krebsart, die bis dahin als unbehandelbar galt. Fast 15 Jahre später erinnern mich die Fortschritte in der Krebsbehandlung daran, wie weit wir gekommen sind“, erzählt Michael Ybarra, leitender medizinischer Direktor bei PhRMA.
Medikamente heilen wirksam Hepatitis C und sparen Kosten:
In den frühen 2000er-Jahren waren Erkrankungen durch das Hepatitis C-Virus „eine große Last für Patient:innen und das Gesundheitssystem“, so PhRMA. „Die Behandlungsmöglichkeiten hatten niedrigere Heilungsraten als heute, brachten den Patient:innen viele Nebenwirkungen und ließen sie ggf. mit einer lebenslangen Infektion zurück.“ Das änderte sich mit der Zulassung einer neuen Generation direkt antiviral wirkender Arzneimittel (DAA, in Europa ab 2014). Eine Heilung ist heute in nahezu 100 Prozent der Fälle möglich – innerhalb weniger Wochen und relativ nebenwirkungsarm.
Anfangs mit Blick auf vermeintlich zu hohe Preise verschrien, stellte sich schon bald heraus: Die Investition in diese modernen Präparate lohnt sich. „DAA-Behandlungen bringen dem Gesundheitssystem Kosteneinsparungen, indem sie das Risiko für kostenintensive Komplikationen wie Zirrhose, Lebererkrankungen, Leberkrebs oder gar Lebertransplantation reduzieren“, heißt es im Report.
Der Durchbruch im Kampf gegen HIV geschah bereits Mitte der 1990er-Jahre – und seitdem ist viel passiert:
Durch die antiretrovirale Kombinationstherapie ab Mitte der 1990er-Jahre wurde eine Infektion mit dem lebensbedrohlichen Immunschwächevirus zunehmend zu einer gut händelbaren, chronischen Erkrankung. Im 21. Jahrhundert kamen Neu- sowie Weiterentwicklungen hinzu, die den Menschen mehr Präventionsmöglichkeiten (etwa in Form der HIV-PrEP), mehr Lebensqualität, mehr Langzeitgesundheit schenken.
Die Forschung geht weiter – vor allem mit Blick auf langwirksame Optionen, welche die Einnahmehäufigkeit weiter reduzieren. Und schließlich treibt Wissenschaftler:innen weltweit die Hoffnung auf Heilung an.
Impfstoffe haben eine einmalige Erfolgsbilanz – sowohl mit Blick auf den Gesundheitsschutz als auch auf Kosteneinsparungen:

Sie schauen schon auf eine vergleichsweise lange Geschichte zurück – und immer wieder kommen neue Kandidaten hinzu. Allein 2024 erreichten in Deutschland zwei neue Vakzine die Versorgung, gegen Tollwut und gegen das Atemwegsvirus RSV.
„Impfstoffe gehören zu den kosteneffektivsten Instrumenten, die wir haben, um Krankheiten zu verhindern oder zu mildern und gesundes Altern zu unterstützen“, findet PhRMA. Aus einer Publikation von „Vaccines Europe“ geht hervor: Jeder in der EU in Erwachsenen-Impfungen ab 50 Jahren investierte Euro generiert Einnahmen in Höhe von vier Euro, die im Laufe des restlichen Lebens der Betroffenen erwirtschaftet werden. Menschen, die seltener krank sind, können mehr arbeiten, sich gesellschaftlich engagieren und belasten weniger die Sozial- und Gesundheitssysteme (s. Pharma Fakten).
Generika bleiben wichtiger Teil der Behandlung und senken Kosten:
Der große Innovationsboom im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt schon etwas zurück. Ein Durchbruch waren etwa die sogenannten Statine zur Cholesterinsenkung, die ab den 1980er-Jahren erstmals zum Einsatz kamen.
Nach dem Auslaufen des Schutzes vor Nachahmung sind seit Beginn des 21. Jahrhunderts immer mehr Generika als Nachfolgepräparate für die einstigen Innovationen in die Versorgung gekommen. So stellen Statine heute eine hochwirksame, kostengünstige Behandlungsmöglichkeit für viele Menschen dar – während im Gesundheitssystem finanzieller Spielraum für die nächsten Innovationen frei wird.
Forschung braucht innovationsfreundliche Rahmenbedingungen:

„Wir haben wahrhaftige Fortschritte im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts erzielt“, betont PhRMA. Mit Blick auf die USA schreibt der Verband weiter: „Wenn sie mit schwerwiegenden und chronischen Erkrankungen konfrontiert sind, sind Amerikaner:innen heute besser dran als zu jedem anderen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte.“ So ähnlich dürfte das wohl auch für Menschen in Europa, insbesondere in Ländern wie Deutschland gelten. Doch das nächste Viertel dieses Jahrhunderts „könnte die bislang bemerkenswerteste Periode biopharmazeutischer Innovation werden“, heißt es. Große Hoffnungen liegen auf Gentherapien, die fehlerhafte Gene reparieren oder ersetzen sollen, um Erbkrankheiten, Krebs und seltene Leiden zu verhindern oder zu behandeln. „Aufgrund ihrer langfristigen und potenziell heilenden Wirkung erlauben Gentherapien es den Patient:innen länger und gesünder zu leben und sie können dazu beitragen, die signifikante Last und Kosten, die mit verfügbaren Standardbehandlungen assoziiert sind, zu vermeiden“, erklärt PhRMA. Laut dem Verband sind mehr als 2.000 Gentherapien in den Pipelines der Unternehmen.
Doch wie gut die Forschung florieren und in am Krankenbett verfügbare Therapien übersetzt werden kann, ist nicht nur eine Frage der Wissenschaft, sondern auch der Politik. Denn innovationsfreundliche Rahmenbedingungen sind das A und O. „Patente und andere Instrumente für den Schutz geistigen Eigentums sind als Anreiz gedacht, damit biopharmazeutische Unternehmen in teure, hochriskante Forschung und Entwicklung investieren, obwohl es keine Erfolgsgarantie gibt.“ Das ist auch gerade deshalb wichtig, weil der Wettbewerb immer härter wird: Im Zeitraum zwischen 1990 und 2003 vergingen im Schnitt rund 15 Jahre, bis nach Einführung einer Innovation zwei weitere Vertreter derselben Wirkstoffklasse in die (US-amerikanische) Versorgung kamen. Inzwischen ist diese Spanne auf zwei Jahre gesunken (2013-2021). Was für Pharmaunternehmen aus unternehmerischer Sicht eine Herausforderung ist (Konkurrenz), ist eine gute Nachricht für Patient:innen (mehr Therapieoptionen) und Gesundheitssysteme (sinkende Preise).
Neue Arzneimittel sind Teil der Lösung:
„Allzu oft sehen Menschen ein neues Arzneimittel einfach als einen neuen Kostenverursacher an“, kritisiert PhRMA. Doch den Verlauf einer Krankheit zu beeinflussen – das ist ein Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitssystem. Der Verband plädiert daher für eine umfassendere Perspektive: Seien es Innovationen im Kampf gegen Morbus-Alzheimer oder Medikamente gegen Krankheiten wie Diabetes und Adipositas – sie alle haben Auswirkungen, die über die einzelnen Patient:innen weit hinausgehen.
Weiterführender Link:
https://www.innovation.org/
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