Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
- Penicillin leitete 1928 die Antibiotika-Ära ein und revolutionierte die Behandlung bakterieller Infektionen.
- Die Entwicklung moderner Impfstoffe reicht von Jenner und Pasteur bis zur Ausrottung der Pocken und zahlreichen Schutzimpfungen gegen schwere Infektionskrankheiten.
- Impfstoffe wirken, indem sie das Immunsystem gezielt vorbereiten – als Lebend-, Tot-, Protein-, Vektor- oder mRNA-Impfstoff.
- mRNA-Impfstoffe markieren einen technologischen Durchbruch: Sie nutzen genetische Baupläne statt Erregerbestandteile und können schnell angepasst werden.
- Arzneimittel-Innovationen zeigen: Forschung und klinische Entwicklung retten Millionen Leben und treiben die Medizin stetig voran.
Bahnbrechende Arzneien wie Penicillin oder moderne mRNA-Impfstoffe haben Infektionskrankheiten bekämpft, Leben gerettet und das öffentliche Gesundheitswesen grundlegend verändert. Sie sind stille Helden der Medizin – und ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie wichtig Investitionen in Forschung und klinische Entwicklung sind.
Der erste Meilenstein der modernen Medizin: Penicillin
Penicillin revolutionierte die Medizin – insbesondere im Zweiten Weltkrieg, als es erstmals in großen Mengen produziert und zur Behandlung verwundeter Soldaten eingesetzt wurde. Bei den Penicillinen handelt es sich um eine Gruppe antibiotisch wirksamer Substanzen, die teilweise natürlich vorkommen, teilweise synthetisch hergestellt werden. Ihre Wirkung entfalten sie im Prinzip immer auf die gleiche Weise: Sie schwächen die Zellwand von Bakterien, sodass diese platzt und die Bakterie stirbt.1 Bis heute sind Antibiotika unverzichtbar im Kampf gegen bakterielle Infektionen. Gleichzeitig hat ihre Geschichte auch ein aktuelles Thema: Antibiotikaresistenzen – ein weltweites Problem, das neue Forschung dringend notwendig macht.
Die Entdeckung von Penicillin
Der Engländer Alexander Fleming gilt offiziell als Entdecker des Penicillins. Sein Zitat „Manchmal findet jemand etwas, wonach er gar nicht gesucht hat“2 fasst die Entdeckungsgeschichte in einem Satz zusammen: Fleming war im Jahr 1928 am St. Mary’s Hospital in London beschäftigt. Im Rahmen seiner Forschungen setzte er eine Staphylokokken-Kultur an und ging dann in die Sommerferien. Nach seiner Rückkehr entdeckte er, dass auf dem Nährboden ein Schimmelpilz wuchs und die Staphylokokken sich in der Nähe des Pilzes nicht vermehrt hatten. Der bakterientötenden Substanz gab er den Namen Penicillin, in Anlehnung an den Namen des Pilzes (Penicillium notatum); sein erster Bericht erschien am 10. Mai 1929 in einer britischen Fachzeitschrift. Fleming kam aber offenbar nicht auf die Idee, Penicillin als Medikament einzusetzen, und auch bei seinen Kollegen fand seine Veröffentlichung kaum Beachtung.1, 2
Bis zur flächendeckenden Verwendung als Antibiotikum sollte daher noch viel Zeit vergehen:
- Ende der 1930er Jahren untersuchten die Wissenschaftler Howard W. Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley die therapeutische Wirkung von Penicillin und veröffentlichten 1940 einen richtungsweisenden Artikel: „Penicillin als chemotherapeutischer Wirkstoff“.
- Die Herstellung von Penicillin war in den Anfangsjahren sehr mühsam und der Stoff so wertvoll, dass er teilweise aus dem Urin der Patienten zurückgewonnen wurde.
- Erst im Laufe des 2. Weltkriegs fanden US-amerikanische Wissenschaftler:innen heraus, dass es günstiger ist, den Pilz in flüssigen Nährmedien zu kultivieren. Zeitgleich wurden neue Stämme gezüchtet, die größere Mengen Penicillin produzierten.
- Ab 1940 wurde Penicillin zur Behandlung von Syphilis eingesetzt, ab 1942 bei Verwundeten.
- 1943 stellten US-Pharmafirmen bereits 1,5 Tonnen reines Penicillin her, im Jahr 1945 waren es über 400 Tonnen. In Deutschland war Penicillin erst ab 1949 allgemein erhältlich.
- 1945 erhielt Penicillin-Entdecker Alexander Fleming gemeinsam mit Chain und Florey den Nobelpreis für Medizin.
- Mittlerweile gibt es mehrere Antibiotika-Klassen, die sich in ihrem Wirkspektrum und ihrer Anwendung unterscheiden. Zum Beispiel Beta-Laktam-Antibiotika (u. a. Penicillin), Glykopeptide, Polyketide, Polypeptide, Aminoglykoside, Lipopeptide und viele mehr.1
Herausforderung für die Medizin: Antibiotika-Resistenzen
„Wenn Du Penicillin nimmst, dann nimm genug davon.“2 – Diesen Ausspruch tat Alexander Fleming bei der Entgegennahme des Nobelpreises 1945 aus gutem Grund: Zu kurze Einnahme oder zu niedrige Dosierung fördern Resistenzmechanismen, sodass die Bakterien unempfindlich gegenüber Antibiotika werden. Resistente Bakterien zählen heute zu den drängendsten Problemen der Medizin, weshalb antibiotische Forschung und die Entwicklung neuer Antibiotika wichtiger sind denn je. Auf Betreiben der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde daher die „Globale Partnerschaft für Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika“ (GARDP: „Global Antibiotic Resarch and Development Partnership“) ins Leben gerufen, in Deutschland hat das Bundesministerium für Gesundheit die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2030 entwickelt, deren Ziel es ist, den sachgerechten Einsatz von Antibiotika zu fördern und Resistenzen durch internationale Kooperation und Wissensaustausch zu bekämpfen.3
Penicillin und Robert Koch: Was hat Robert Koch entdeckt?
Oftmals wird fälschlicherweise angenommen, Robert Koch hat das Penicillin erfunden, doch das ist falsch. Die Penicillin Entdeckung und die Identifizierung von Penicillin als Antibiotika sind kein Verdienst von Robert Koch, sondern von Alexander Fleming. Doch was hat Robert Koch erfunden?
Auch wenn Koch das Penicillin nicht erfunden hat, gilt er als wichtiger Wegbereiter der Infektionsmedizin:
- Koch kultivierte 1876 den Milzbrand-Erreger außerhalb des Organismus und beschrieb erstmals dessen Lebenszyklus.
- 1882 entdeckte Koch den Tuberkulose-Erreger, 1883 bestimmte er den Erreger von Cholera.
- 1890 formuliert er die Henle-Koch-Postulate – grundlegende Prinzipien, um den Zusammenhang zwischen Krankheiten und bestimmten Mikroorganismen nachzuweisen.4
Aktuelle News aus der Pharmaforschung

Gesundheit in Deutschland: Todesfälle, die nicht sein müssten
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Geplante Biobank-Plattform: „Damit Forschungsergebnisse schneller beim Patienten ankommen“
Noch in diesem Jahr soll in Deutschland eine „Nationale Biobank“ eingeführt werden – entscheidend vorangetrieben wurde dieses Projekt vom German Biobank Network (GBN). Dr. Ronny Baber ist dort Vorstandsmitglied und Leiter der Leipzig Medical Biobank an der Universität Leipzig. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welchen Nutzen die „Nationale Biobank“ für Forschende und Patient:innen haben wird – und welche Faktoren über den Erfolg dieses Projekts entscheiden könnten.

Seltene Erkrankungen: Perspektiven für eine bessere Versorgung
Die Diagnose mit einer seltenen Erkrankung trifft Menschen mit voller Wucht. Oft fehlt es an Therapien oder die Versorgungsstrukturen sind mindestens ausbaufähig. Neben dem Management der klinischen Symptome ergeben sich für die betroffenen Familien organisatorische und emotionale Herausforderungen, die das seelische Wohlbefinden, das Arbeitsleben und auch die wirtschaftliche Situation beeinträchtigen können. Beim Tagesspiegel Fachforum Gesundheit diskutierten Expert:innen über Wege zu schnelleren Diagnosen und besserer Versorgung.
Geschichte der Impfstoffe – Der präventive Durchbruch
Lange bevor Antibiotika gegen bakterielle Infektionskrankheiten verfügbar waren, wurde bereits ein anderer medizinischer Ansatz verfolgt: Krankheiten verhindern, bevor sie entstehen.
Den Anfang machte Edward Jenner, der Ende des 18. Jahrhunderts mit Kuhpockenmaterial experimentierte und so die erste Impfung gegen Pocken entwickelte.
Im Laufe der Zeit folgten Impfstoffe gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und viele weitere Erkrankungen. Anders als oft angenommen war Robert Koch zwar nicht der Entdecker des Penicillins, doch seine Beiträge zur Identifikation von Erregern (z. B. Tuberkulose) legten den Grundstein für gezielte Impfstoffentwicklung.
Die wechselvolle Geschichte der Impfstoffe hier im Überblick:
- 1796: Edward Jenner entwickelt die erste Impfung gegen Pocken, indem er das Kuhpockenvirus verwendet. Dies gilt als Geburtsstunde der modernen Vakzinologie.
- 1885: Louis Pasteur führt die erste Impfung gegen Tollwut durch, basierend auf geschwächten Viren.
- Es folgten weitere Impfstoffe, die von Forschern wie Robert Koch und Emil von Behring entwickelt wurden, darunter Impfstoffe gegen Tetanus, Cholera und Diphtherie.
- 1955: Jonas Salk entwickelt den ersten inaktivierten Polioimpfstoff (Totimpfstoff).
- 1960er-70er Jahre: Einführung des MMR-Impfstoffs gegen Masern, Mumps und Röteln.
- 1980: weltweite Ausrottung der Pocken durch umfassende Impfkampagnen der WHO5
- 1981: Einführung des weltweit ersten Hepatitis-B-Impfstoffs – zunächst aus Blutplasma gewonnen, später rekombinant hergestellt. Dies markiert den Beginn der gentechnisch produzierten Impfstoffe.
- 1990er Jahre: Entwicklung weiterer kombinierter Kinderimpfstoffe (z. B. Sechsfachimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hib und Hepatitis B).
- 2007: Einführung des HPV-Impfstoffs zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs und anderen durch Humane Papillomviren verursachten Tumoren.
- 2008: Erste Zulassung eines Grippeimpfstoffs aus Zellkultur.
- 2020: Zulassung des ersten mRNA-Impfstoffs gegen COVID-19 – der Beginn einer neuen Ära in der Impfstofftechnologie.
- Ab 2022: mRNA-Technologie wird in Studien zur Krebsimpfung sowie zu Impfstoffen gegen RS-Virus, Grippe und HIV getestet – mit ersten vielversprechenden Ergebnissen.
- 1796: Edward Jenner entwickelt die erste Impfung gegen Pocken, indem er das Kuhpockenvirus verwendet. Dies gilt als Geburtsstunde der modernen Vakzinologie.
Wie funktionieren Impfstoffe?
Im Kern geht es darum, das Immunsystem durch abgeschwächte oder tote Erreger „vorzubereiten“. So kann es im Ernstfall schneller und gezielter reagieren – ein Prinzip, das bis heute unverändert gilt, auch wenn moderne Impfstoffe hochkomplexe Technologien nutzen. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Impfstoffarten:
- Lebendimpfstoffe (z. B. gegen Masern) enthalten abgeschwächte Krankheitserreger.
- Totimpfstoffe (z. B. gegen Tollwut) enthalten inaktivierte Erreger.
- Protein-basierte Impfstoffe (z. B. gegen Hepatitis B) enthalten spezifische Proteine eines Erregers.
- mRNA-Impfstoff (z. B. COVID-19) enthält genetisches Material eines Erregers.
- Vektor-Impfstoffe (z. B. Ebola) enthalten gentechnisch veränderte Viren, die als Vektor dienen.
mRNA-Impfstoffe – Der Innovationsschub der Gegenwart
Zu den wichtigsten medizinischen Innovationsschüben der Gegenwart zählen mRNA-Impfstoffe. Bei einer mRNA-Impfung werden keine Bestandteile des Erregers verabreicht, sondern lediglich die genetische Bauanleitung für ein spezifisches Protein. Das Protein wird von den Zellen hergestellt und löst eine Immunantwort aus. Die mRNA-Bedeutung kann nicht groß genug bewertet werden, denn:
- mRNA-Impfstoffe können besonders schnell und flexibel hergestellt werden. Im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie konnten so viele Menschenleben gerettet werden.
- Bei einer mRNA-Impfung findet kein direkter Kontakt mit dem abgeschwächten oder inaktivierten Erreger statt.
- mRNA-Impfstoffe sind leicht modifizierbar und können schnell an neue Virus-Varianten angepasst werden.
- mRNA-Impfstoffe können eine starke und langanhaltende Immunantwort auslösen.5, 6
Was ist mRNA eigentlich?
Messenger-RNA (mRNA) ist eine Art molekularer Botenstoff, der dem Körper beibringt, ein ungefährliches Stück eines Virus selbst herzustellen. Das Immunsystem erkennt dieses Teilstück als fremd – und entwickelt gezielt Abwehrkräfte. mRNA-Impfstoffe haben die Entwicklung moderner Impfstoffe grundlegend verändert und eröffnen vielversprechende Möglichkeiten für den Einsatz bei weiteren Krankheiten, darunter Krebs und seltene genetische Störungen. Sie stehen exemplarisch für die transformative Kraft von Innovationen, die die medizinische Forschung vorantreiben und die Gesundheit und Lebensqualität der Gesellschaft nachhaltig verbessern können.7
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Die erste Herztransplantation: Der mutige Schritt in eine neue Ära
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Medizinische Innovationen eröffnen neue Perspektiven im Kampf gegen Krankheiten und ermöglichen es, Leben zu retten und zu verbessern. Die Erforschung der Stammzellen verkörpert diesen Innovationsgeist in besonderer Weise. Doch was ist Stammzellforschung eigentlich, warum sind Stammzellen so besonders und mit welchen ethischen Herausforderungen sieht sich die moderne Stammzellforschung konfrontiert?

Künstliche Intelligenz in der Medizin: Diagnose, Therapie, Prävention
Technologische Innovationen durchdringen sämtliche Lebensbereiche, so auch die Welt der Medizin. Künstliche Intelligenz (KI) fungiert dabei als Schlüsselelement. Sie revolutioniert die traditionellen Ansätze in Diagnose, Therapie und Prävention, indem sie Prozesse präziser, effizienter und individueller gestalten kann. Dadurch können Fehlerquellen reduziert, Fachkräfte entlastet und Patient:innen gezielter und effektiver behandelt werden.
- https://de.wikipedia.org/wiki/Penicilline
- https://www.deutschlandfunk.de/entdeckung-des-penicillins-ein-zufall-100.html
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/antibiotika-resistenzen/erforschung-und-entwicklung-neuer-antibiotika.html
- https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Koch
- https://de.wikipedia.org/wiki/Impfstoff
- https://www.gesundheit.gv.at/leben/gesundheitsvorsorge/impfungen/impfstoffarten.html
- https://www.impfen.de/wissenswelt/genbasierte-impfstoffe/
