Leandra

Über das „Gender Gap“ im Gesundheitswesen haben wir mit Mareike Geier vom forschenden Pharmaunternehmen AstraZeneca Deutschland gesprochen.

Frauen im Gesundheitswesen: „systematisch unterversorgt“

Nach einem Herzinfarkt haben Frauen ein etwa 20 Prozent höheres Risiko zu sterben als Männer. Und auch in vielen anderen Bereichen zeigt sich ein „Gender Gap“ im Gesundheitswesen. Aktuelle Daten zeigen zum Beispiel: Frauen erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie – etwa bei einer chronischen Nierenkrankheit. All das sei kein Zufall, sondern „ein systematisches Problem“, erklärt Mareike Geier vom forschenden Pharmaunternehmen AstraZeneca Deutschland im Interview.

Deutschland muss „Gesundheit nicht länger primär als Kostenfaktor, sondern als Produktivkraft und Grundlage gesellschaftlichen Wohlstands“ begreifen, fordern Expert:innen. Foto: ©iStock.com/Stadtratte

Gesundheit: „Basis gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit“

Was wird aus der Bundesrepublik? Sie steht vor zahlreichen Herausforderungen – wie einer stagnierenden Wirtschaft und dem demografischen Wandel. In einem Positionspapier schreiben nun mehrere Expert:innen: „Die Zukunft des Wirtschafts- und Sozialstandorts Deutschland wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, Gesundheit nicht länger primär als Kostenfaktor, sondern als Produktivkraft und Grundlage gesellschaftlichen Wohlstands zu begreifen.“ Vor allem in der Prävention sehen die Fachleute großes Potenzial.

HPV: Warum niedrige Impfquoten vermeidbare Todesfälle bedeuten

Es ist zum Verzweifeln: Da gibt es Impfstoffe, die nicht nur vor einer Infektion mit bestimmten Humanen Papillomviren (HPV) schützen, sondern nachweislich Krebsvorstufen verhindern und sogar die Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs auf nahezu null senken können – und trotzdem nutzen in Deutschland zu wenige Menschen diese Chance.

Hitzedom

Ein Hitzedom ist eine Wetterlage, bei der sich ein starkes Hochdruckgebiet über einer Region festsetzt und sehr warme Luft über Tage hinweg gewissermaßen „einschließt“. Meteorologisch handelt es sich meist um ein langanhaltendes Hochdruckgebiet mit blockierter heißer Luftmasse.

Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle schätzt das RKI auf bisher 12.500. Es ist gegenüber den Vorjahren ein sprunghafter Anstieg. Foto: ©iStock.com/Liudmila Chernetska

Hitze: Ein Gesundheitsrisiko erster Ordnung

Auf 12.500 hitzebedingte Todesfälle schätzt das Robert Koch-Institut (RKI) die bisherige Bilanz dieses Sommers – ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Die Aufregung darüber hält sich in überraschend engen Grenzen. Dabei gilt Europa als der sich am schnellsten erwärmende Kontinent; seit den 1980er-Jahren erwärmt er sich etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Setzt sich diese Tendenz fort, dürfte auch die Sterblichkeit durch Hitze deutlich steigen: Klimaanpassungsmaßnahmen sind das Gebot der Stunde.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen kosten Europa jedes Jahr mehr als 280 Milliarden Euro. Was es braucht: mehr Gesundheitschecks zur Prävention und Früherkennung. Foto: iStock.com/NanoStockk

Herz-Kreislauf: Warum Europa Prävention neu denken muss

„In Europa kennt fast jeder einen Menschen, der von einem Herzleiden, einem Schlaganfall, Diabetes, Adipositas oder Bluthochdruck betroffen ist“, heißt es seitens des Pharmaverbands EFPIA. 1,7 Millionen EU-Bürger:innen sterben jedes Jahr an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Analyse der Beratungsgesellschaft PwC zeigt: Gesundheitschecks zur Prävention und Früherkennung könnten dazu beitragen, die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen zu verringern. Die Zeit drängt.

Public Health

Public Health bezeichnet die Wissenschaft und Praxis, die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zu fördern, Krankheiten vorzubeugen und die Lebensqualität durch Prävention, Gesundheitsförderung und gesundheitspolitische Maßnahmen zu verbessern. Das kann dazu beitragen, die Kosten im Gesundheitssystem zu senken.

Von moderner Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik keine Spur: Das GKV-Spargesetz wird dem Land teuer zu stehen kommen – gesundheitlich, sozial, wirtschaftlich. iStock.com / chris-mueller

GKV-Spargesetze: Konsequentes Ausblenden der Realität

Wir können nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen – das ist die politische Begründung für Gesetze à la GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Damit mag man eine treue Krämerseele überzeugen können. Als Leitmotiv für eine moderne Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik taugt das Mantra nicht, weil der langfristige Ertrag von Investitionen in die Gesundheit der Menschen ausgeblendet wird. Das aber kann sich eine alternde Gesellschaft nicht leisten; die sogenannte „einnahmenorientierte Ausgabenpolitik“ entstammt der sozial- und wirtschaftspolitischen Mottenkiste. Sie wird dem Land teuer zu stehen kommen – gesundheitlich, sozial, wirtschaftlich.

Klinische Studien: Der Mythos vom „Studienmuffel Deutschland“

Sind die Menschen in Deutschland Studienmuffel? Das wird seit Jahren als selbstverständlich angenommen. In der Tat: Gemessen an der Zahl der klinischen Studien pro 1 Millionen Einwohner:innen ist das Land international weit abgeschlagen. Doch nach einer repräsentativen Umfrage des forschenden biopharmazeutischen Unternehmens UCB würden fast zwei Drittel der Bundesbürger:innen an einer Studie teilnehmen, um die Medizin voranzubringen.

Wie sehr Hitze die Menschen im Krankenhaus belastet und was dort für einen wirksamen Hitzeschutz sorgen könnte, das erzählt Prof. Dr. Henriette Neumeyer im Interview.

Hitze: Der stille Killer im Krankenhaus

Die aktuelle Hitzewelle belastet alle Menschen – ganz besonders aber jene, die in einem Krankenhaus liegen oder dort arbeiten. Welche Folgen die Hitze für die Krankenhäuser hat und was dort dringend in Sachen Hitze- und Klimaschutz getan werden muss, darüber haben wir mit Prof. Dr. Henriette Neumeyer gesprochen, Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

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