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Warum kommt es bei einer Demenz auch zum körperlichen Abbau?
Bei einer Demenzerkrankung wie beispielsweise Morbus Alzheimer fallen im Laufe der Zeit immer mehr Gehirnfunktionen aus. Das Gehirn fungiert für den gesamten Körper als Steuerungszentrale. Körperliche Einschränkungen und der allmähliche körperliche Verfall zählen daher zu den typischen Symptomen einer weiter fortgeschrittenen Demenz.1
Körperliche Symptome bei Demenz
In den ersten Phasen einer Demenz leiden Betroffene in der Regel noch nicht unter körperlichen Beeinträchtigungen. Zu diesem Zeitpunkt stehen eher Gedächtnislücken, Wortfindungsstörungen und Orientierungsprobleme im Vordergrund. Im weiteren Verlauf und späteren Stadien der Erkrankung können dann in den folgenden Bereichen körperliche Symptome auftreten.
Verschlechterung der Bewegungsfähigkeit und Gangstörungen
Patient:innen mit fortgeschrittener Demenz entwickeln häufig Schwierigkeiten beim Gehen oder können bei Demenz plötzlich nicht mehr laufen. Der Gang ist unsicher und mitunter schwankend. Die Gangart ist eher kleinschrittig und instabil, was ein erhöhtes Sturzrisiko zur Folge hat. Dazu kommen grobmotorische Einschränkungen und Schwierigkeiten bei der Koordination – beispielsweise greifen Betroffene häufig ins Leere oder haben Schwierigkeiten, mit beiden Händen zwei verschiedene Bewegungen gleichzeitig auszuführen. Die Körperhaltung bei Demenz im fortgeschrittenen Stadium ist eingesunken, weil Betroffene nicht mehr in der Lage sind, den Kopf aufrecht zu halten. Die schiefe Körperhaltung geht mit einem teilnahmslosen Gesichtsausdruck bei Demenz einher, die Gesichtszüge wirken wie eingefroren.1
Allmählich kommt es auch zum Verlust der Feinmotorik, das heißt: Solche Tätigkeiten, die etwas Geschick oder Präzision erfordern, sind ohne Unterstützung nicht mehr möglich. Dazu zählen beispielsweise das Essen mit Messer und Gabel, das An- und Ausziehen von Kleidung und das tägliche Waschen und Zähneputzen. Betroffene verlieren zunehmend ihre Selbstständigkeit, was letztlich zu großer Frustration und damit einhergehend zu unkooperativem Verhalten führen kann.1
Inkontinenz
Harn- und/oder Stuhlinkontinenz schränken die Selbstständigkeit bei fortgeschrittener Demenz weiter ein. Zum einen verlieren die Betroffenen aufgrund der Veränderungen in ihrem Gehirn die Kontrolle über Blase und Darm, zum anderen sind sie oftmals nicht fähig, den Weg zur Toilette zu finden und urinieren dort, wo sie sich gerade befinden. Diese Entwicklung ist nicht nur für die Angehörigen eine große Belastung, sondern auch für die Betroffenen selbst. Sie ist mit Scham und Unsicherheit verbunden und hat oftmals einen weiteren Rückzug zur Folge.1, 2
Schluckstörung
Bei Demenzkranken im fortgeschrittenen Stadium ist oftmals die neurologische Steuerung jener Muskeln einschränkt, die am Schluckvorgang beteiligt sind. Schluckstörungen, sogenannte Dysphagien, treten daher im Zuge einer Demenz sehr oft auf. Die Folge: Betroffene verschlucken sich häufig, was das Risiko für eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) erhöht. Außerdem kann eine Dysphagie auch zur Nahrungsverweigerung und schlimmstenfalls zu Dehydrierung, Mangelernährung und damit einhergehend zu einer allgemeinen Verschlechterung des Gesundheitszustands führen. In einigen Fällen ist die natürliche Nahrungsaufnahme gar nicht mehr möglich, sodass eine künstliche Ernährung erforderlich wird.4
Veränderter Schlaf
Demenzkranke leiden häufig unter einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus. Infolgedessen wandern sie nachts umher und sind allgemein unruhig und verwirrt. Oder aber die Schlafphasen werden immer länger und die Patient:innen haben nur noch sehr kurze aktive Wachphasen. Eine Rund-um-die-Uhr Betreuung ist spätestens in dieser Phase der Demenz unerlässlich.1
Zu den ebenfalls möglichen körperlichen Symptomen bei fortgeschrittener Demenz zählen:
- Sinnestäuschungen/Halluzinationen
- allgemeine Kraftlosigkeit
- motorische Unruhe
- Appetitlosigkeit
- Luftnot (durch eine geschwächte Lunge oder Blutarmut)
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Gewonnene Zeit – Durchbruch in der Alzheimertherapie
Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab. Das sind Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München (EGKM) gingen Expert:innen der Frage nach, was das für die Versorgungsstrukturen, für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen bedeutet. Denn klar ist auch: Eine Heilung ist die neue Therapie nicht.

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Das Jahr 2025 wird in die Geschichtsbücher eingehen: Erstmals erhält ein Medikament in Europa eine Zulassung, das an den Ursachen der Alzheimer-Krankheit ansetzt. Wirken können derartige Therapien nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist eine frühe Diagnose. Doch daran hapert es in Deutschland all zu oft. Auf dem Gesundheitskongress des Westens sprachen Expert:innen darüber, wie sich das ändern lässt – große Hoffnungen liegen auf einer digitalen Plattform mit dem Namen ALFie.

Alzheimer-Erkrankung: Die Versorgung neu denken
Große Fortschritte in Diagnostik und Therapie der Demenzerkrankung Alzheimer sind in nächster Zukunft zu erwarten. Sie werden die bisherige Behandlung der Krankheit auf den Kopf stellen. Was muss passieren, dass diese Innovationen bei den Menschen ankommen? Ein Gespräch mit Oliver Stenzel vom forschenden Pharmaunternehmen Lilly.
Die körperlichen Anzeichen verschlechtern sich im weiteren Verlauf. Im Endstadium der Demenz sind Betroffene vollständig auf Pflege angewiesen – beim Essen und Trinken ebenso wie beim Anziehen, bei der Körperpflege und beim Toilettengang. In der letzten Phase werden die Erkrankten häufig bettlägerig, was – im Zusammenspiel mit der Verschlechterung des Allgemeinzustands – zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führt. Insbesondere Lungenentzündungen treten in dieser Phase der Demenz häufig auf und führen nicht selten zum Tod. Problematisch ist zudem, dass Erkrankte möglicherweise unter Schmerzen leiden, die nicht erkannt werden, weil die betroffene Person sich nicht bemerkbar machen kann.3
Im Sterbeprozess ist der Herzschlag oft erhöht, der Blutdruck hingegen erniedrigt. Die Haut wirkt sehr blass oder ist bläulich-gemustert, das Gesicht ist eingefallen. Die Atmung ist flach und eher langsam oder unregelmäßig; außerdem kommt es häufig zu Atemgeräuschen, die ihre Ursache darin haben, dass Sekret in den Atemwegen nicht mehr abgehustet werden kann.3
Individuelle Pflegestrategie – für ein würdevolles Leben bis zum Schluss
Die Kombination aus erheblichen kognitiven Einschränkungen mit einem fortschreitenden körperlichen Verfall macht die Pflege von Demenzkranken besonders herausfordernd. Viele Betroffene werden zu Hause gepflegt, andere in ambulant betreuten Demenz-Wohngruppen oder in stationären Einrichtungen. In jedem Fall gilt: Eine umfassende Pflegestrategie, die die Bedürfnisse und Ängste der Angehörigen mit einbezieht, ist daher unerlässlich, um Betroffenen so lange wie möglich ein würdevolles Leben zu ermöglichen.5
Weitere Hintergrundinfos zum Thema Demenz

Der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz
Die Begriffe Alzheimer und Demenz werden oftmals synonym verwendet. Manche Menschen gehen auch davon aus, dass es sich um zwei verschiedene Krankheitsbilder handelt. Dabei gilt: Demenz ist ein Oberbegriff für etwa 50 verschiedene neurophysiologische Erkrankungen, von denen Morbus Alzheimer lediglich eine ist, wenn auch die häufigste. Mit anderen Worten: Die Alzheimer-Krankheit ist eine von vielen möglichen Formen der Demenz.

Demenzformen: Arten von Demenz in der Übersicht
Bei Demenz denken viele Menschen sofort an die Alzheimer-Krankheit – dabei ist diese nur eine von über 50 Demenzerkrankungen. Es handelt sich somit um ein sehr vielfältiges Krankheitsbild, das verschiedene Ursachen haben und mit unterschiedlichsten Symptomen einhergehen kann.

Vaskuläre Demenz: Was ist das?
Die vaskuläre Demenz (VD) ist eine Form der Demenz, die ihren Ursprung in den Blutgefäßen des Gehirns hat – der Begriff „vaskulär“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „die Gefäße betreffend“. Ähnlich wie die Alzheimer-Krankheit manifestiert sich VD in kognitiven Einschränkungen, kann aber je nach betroffener Hirnregion und Ausmaß der Schädigung auch mit körperlichen Symptomen einhergehen.
Quellen:
- https://www.visite-medizin.de/demenz/leben-mit-demenz/k%C3%B6rperliche-probleme-bei-demenz-mehr-als-nur-geistige-einschr%C3%A4nkungen.html
- https://www.visite-medizin.de/demenz/leben-mit-demenz/schwierigkeiten-bei-allt%C3%A4glichen-aufgaben-wenn-selbstst%C3%A4ndigkeit-verloren-geht.html
- https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/sterbephase-193460
- https://www.deutsche-alzheimer.de/archiv-alzheimer-info/medizinische-versorgung/umgang-mit-schluckstoerungen-bei-demenz
- https://www.pflege.de/krankheiten/demenz/hilfe/demenzbetreuung/
