Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
- Stammzellen können sich selbst erneuern und in verschiedene Zelltypen differenzieren. Sie sind zentral für die regenerative Medizin.
- Die Forschung entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten rasant – von ersten Hypothesen über Knochenmarktransplantationen bis zu embryonalen und induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen).
- Stammzellen werden bereits bei Leukämie eingesetzt (z. B. in Form von Transplantationen). Für Erkrankungen wie Parkinson, Herzinfarkt, Diabetes oder Alzheimer werden sie derzeit intensiv erforscht.
- In Deutschland regelt das Stammzellgesetz streng die Nutzung embryonaler Stammzellen; iPS-Zellen eröffnen ethisch weniger umstrittene Alternativen.
Was sind Stammzellen und warum sind sie so besonders?
Stammzellen sind einzigartige Zellen, die sich von nahezu allen anderen Zellen in unserem Körper dadurch unterscheiden, dass sie sowohl die Fähigkeit zur Selbsterneuerung als auch zur Differenzierung besitzen. Konkret bedeutet das, dass Stammzellen …
- durch Zellteilung identische Kopien von sich selbst erzeugen können und …
- gleichzeitig in der Lage sind, sich in spezialisierte Zellen zu verwandeln – in Hautzellen ebenso wie in Blut- oder Nervenzellen.
Es gibt zwei Arten von Stammzellen. Pluripotente Stammzellen, zu denen auch die embryonalen Stammzellen gehören, können sich zu nahezu jeder beliebigen Körperzelle entwickeln. Bei multipotenten Stammzellen ist dies anders: Sie können sich nur zu verschiedenen Zelltypen einer bestimmten Linie entwickeln. So bilden adulte Stammzellen, die zu den multipotenten Stammzellen zählen, ausschließlich organische Zellen aus.1, 2
Die enorme Bedeutung von Stammzellen liegt in ihrem Potenzial für die regenerative Medizin, denn sie ermöglichen es, geschädigtes Gewebe zu reparieren oder zu ersetzen. Das macht Stammzellen zu einem echten Hoffnungsträger für Patient:innen mit chronischen oder degenerativen Erkrankungen.3
Geschichte der Stammzellforschung
Auch wenn die Stammzellforschung als hochmodernes Fachgebiet der Medizin gilt, reicht ihre Geschichte mehr als 100 Jahre in die Vergangenheit zurück.
- 1909: Der russische Forscher Alexander Maximow äußert erstmals die Hypothese, dass Stammzellen existieren.
- 1957: Durchführung der ersten Knochenmarktransplantation.
- 1962: Erste Kultivierung von embryonalen Stammzellen aus Kaninchen-Embryonen.
- 1969: Erste Experimente mit In-vitro-Befruchtungen (IVF) mit menschlichen Keimzellen.
- 1975: Erste erfolgreiche Knochenmarktransplantation in Deutschland.
- 1985: Kultivierung embryonaler Stammzellen in Mausmodellen.
- 1992: Isolation menschlicher Blutstammzellen – ein Meilenstein für die Diagnostik und die Entwicklung neuer Therapien.
- 1996: Geburt des ersten geklonten Säugetiers (Schaf Dolly) – die Klontechnik ebnet dem Gewinnen von Stammzellen für Therapiezwecke den Weg.
- 1998: Erfolgreiche Kultivierung embryonaler Stammzellen aus menschlichen Embryonen.
- 2002: Einführung gesetzlicher Regelungen in Deutschland, um den Rahmen für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen zu definieren.
Dieser kurze Abriss zeigt: Im Laufe weniger Jahrzehnte hat sich die Stammzellforschung von theoretischen Ansätzen zu einem wesentlichen Baustein moderner regenerativer Medizinforschung entwickelt.4, 5
Aktuelle News aus der Pharmaforschung

Teil 2: Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage
Impfungen werden nur zugelassen und für die deutsche Bevölkerung empfohlen, wenn ihr potenzieller Nutzen größer ist als ihr potenzielles Risiko. Dazu werten die Mitglieder der „STIKO“ – ein unabhängiges, ehrenamtliches Expertengremium – Unmengen an wissenschaftlichen Daten aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) betont: „Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen.“

Impfen oder nicht impfen – das ist hier (nicht) die Frage
Dass US-Präsident Donald Trump trotz aller Kritik aus Fachkreisen die Empfehlungen seiner Regierung für Impfungen im Kindesalter zusammenstreichen will, dürfte viele Menschen weltweit verunsichern. Welche Impfungen sind sinnvoll und sicher? Welche sind es nicht? Tatsache ist: Niemand muss diese Fragen allein beantworten. Wissenschaftler:innen werten seit Jahrzehnten Daten zu Nutzen und Risiken von Vakzinen aus. In Deutschland etwa prüft die STIKO die Evidenz und leitet daraus Empfehlungen ab: auf Basis von Fakten anstatt leeren Behauptungen.

Digitales Gesundheitswesen: 2029 hat sich „ausgefaxt“
Das Bundeskabinett hat vor der Sommerpause den Gesetzentwurf zur Digitalisierung im Gesundheitswesen (GeDIG) beschlossen. Damit soll ein vernetztes Gesundheitsdatenökosystem entstehen. Es will die Grundlagen schaffen, um die elektronische Patient:innen-Akte (ePA) alltagstauglicher zumachen, die digitale Infrastruktur zu stabilisieren und Versicherten neue Wege in die Versorgung zu eröffnen. Für die Arzneimittelforschung könnte es eines der wichtigsten Strukturgesetze werden. Denn Deutschland sitzt auf einem gewaltigen Datenschatz – doch bisher fehlen die Schlüssel, um ihn für Forschung, Innovation und Versorgung nutzbar zu machen.
Stammzellenforschung in Deutschland
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat über viele Jahre hinweg den Aufbau einer leistungsstarken Forschungslandschaft im Bereich der Stammzellforschung in Deutschland ermöglicht – auch wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen hierzulande im internationalen Vergleich als besonders streng gelten. Seit Inkrafttreten des Stammzellgesetzes im Jahr 2002 ist es deutschen Wissenschaftler:innen erlaubt, menschliche embryonale Stammzelllinien zu Forschungszwecken zu verwenden – vorausgesetzt, sie wurden vor dem 1. Januar 2007 im Ausland gewonnen. Bis Ende 2021 wurden insgesamt 175 solcher Genehmigungen ausgestellt.
Über 100 Arbeitsgruppen an rund 60 Einrichtungen – von Universitätskliniken über Forschungszentren bis zu Unternehmen – beschäftigen sich aktuell mit verschiedenen Aspekten der Stammzellforschung. Auch innovative Verfahren wie die Reprogrammierung von Körperzellen zu sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) werden intensiv erforscht. Diese iPS-Zellen versprechen neue Wege in der regenerativen Medizin – ohne die ethisch umstrittene Nutzung embryonaler Stammzellen.11, 12
Das deutsche Stammzellgesetz einfach erklärt
Das deutsche Stammzellgesetz (StZG) ist zum 1. Juli 2002 in Kraft getreten und regelt insbesondere den Umgang mit embryonalen Stammzellen. Grundsätzlich verbietet es die Herstellung neuer embryonaler Stammzellen, erlaubt jedoch deren Import sowie ihre Verwendung zu Forschungszwecken. Unter anderem sieht das Stammzellgesetz vor, dass embryonale Stammzellen ausschließlich von nicht mehr benötigten IVF-Embryonen stammen und der forschenden Stelle unentgeltlich überlassen werden.
Auch in anderen Ländern gibt es gesetzliche Regelungen zum Umgang mit embryonalen Stammzellen, die sich von den Vorgaben zur Stammzellen Forschung in Deutschland zum Teil stark unterscheiden. So existiert in den USA kein bundeseinheitliches Gesetz, stattdessen stützt man sich hier eher auf Richtlinien und Förderbedingungen. Großbritannien verfolgt mit dem „Fertilisation and Embryology Act“ einen liberalen Ansatz. Danach können neue embryonale Stammzellen unter strengen Auflagen und mit Genehmigungen der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) gewonnen werden, wobei immer auch ethische Überlegungen in die Genehmigungsprozesse mit einfließen.9, 10
Stammzellentherapie: Bei welchen Krankheiten kann sie helfen?
Die Stammzelltherapie zählt zu den vielversprechendsten Ansätzen der modernen Medizin – und könnte in Zukunft ganz neue Wege eröffnen, um bislang unheilbare Erkrankungen zu behandeln. Der große therapeutische Wert von Stammzellen liegt in zwei zentralen Eigenschaften: ihrer Fähigkeit zur Selbstvermehrung und ihrer Fähigkeit, sich in eine Vielzahl spezialisierter Zelltypen zu entwickeln. Genau das macht sie zu einem Hoffnungsträger für die sogenannte „Zellersatztherapie“, bei der beschädigtes Gewebe durch neue, gesunde Zellen ersetzt werden soll.
Besonders embryonale Stammzellen zeigen dabei ein enormes Potenzial, da sie sich theoretisch in jede Zellart des menschlichen Körpers differenzieren lassen. Auch wenn ihre Anwendung aufgrund ethischer Bedenken und möglicher Nebenwirkungen bislang begrenzt ist, zeigen erste Studien – etwa bei Augenerkrankungen wie der Makuladegeneration – bereits ermutigende Erfolge. Hoffnung gibt es auch für Parkinson-Patienten. In einer klinischen Studie werden embryonale Stammzellen zu bestimmten Nervenzellen gezüchtet, um sie in das Gehirn von Parkinson-Betroffenen zu transplantieren, wo sie bereits abgestorbene Zellen ersetzen sollen.
Doch nicht nur embryonale, auch adulte Stammzellen – etwa aus dem Knochenmark oder aus dem Nabelschnurblut – bergen große Chancen. Sie könnten zukünftig helfen, degenerative Erkrankungen von Knochen, Knorpel, Muskeln oder sogar des Nervensystems zu behandeln. Erste Studien belegen etwa Erfolge bei der Knochenregeneration oder bei der Entwicklung von Nervenzellen aus mesenchymalen Stammzellen (multipotente Vorläuferzellen). Besonders attraktiv: Adulte Stammzellen könnten dem:der Patient:in womöglich oft selbst entnommen werden, was das Risiko von Abstoßungsreaktionen reduziert.
Darüber hinaus wird erforscht, ob Stammzellen auch durch die Ausschüttung schützender Wachstumsfaktoren zur Regeneration beitragen könnten – selbst dann, wenn sie sich nicht in neues Gewebe verwandeln. Das eröffnet zusätzliche therapeutische Optionen, etwa zum Schutz von Restfunktionen bei degenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson. Weitere Ansätze befassen sich mit der Behandlung von Gelenkschäden, der Regeneration von Herzgewebe nach Herzinfarkten oder auch der Therapie von Morbus Alzheimer, ALS und Diabetes.2, 6, 7
Insbesondere Stammzelltransplantationen haben sich zu einem Standardverfahren der modernen Medizin entwickelt, das routinemäßig durchgeführt wird. Unterschieden wird dabei zwischen der autologen und der allogenen Transplantation.
- Bei einer autologen Transplantation werden dem:der Patient:in vor Beginn einer Chemotherapie oder Bestrahlung Stammzellen entnommen und nach der Therapie wieder zurückgegeben, um die Funktion des Knochenmarks wiederherzustellen. Eine Chemotherapie mit hohen Dosen wird durch diese Vorgehensweise überhaupt erst möglich.
- Bei verschiedenen Formen der Leukämie sowie bei malignen Lymphomen werden allogene Stammzelltransplantationen durchgeführt. Dabei werden die Blutstammzellen einem:einer Spender:in entnommen, um das erkrankte Blutsystem durch das gesunde System des:der Spender:in zu ersetzen.6
Chancen und Risiken der Stammzellforschung
Wie nahezu alle neuartigen Therapieansätze ist auch eine Stammzellentherapie sowohl mit Chancen als auch mit Risiken verbunden.
Risiken der Stammzellforschung
- Es gibt ethische Fragestellungen, vor allem mit Blick auf die Gewinnung von embryonalen Stammzellen.
- Bei unsachgemäßer Anwendung besteht das Risiko ungewollter Zelldifferenzierungen bis hin zur Tumorbildung.
- Die Gewinnung, Kultivierung und gezielte Differenzierung von Stammzellen ist nur durch hochkomplexe technische Verfahren möglich, die fehleranfällig sind.
Chancen der Stammzellforschung
- Stammzellen können beschädigtes Gewebe reparieren und regenerieren, was die Stammzellentherapie für bisher schwer behandelbare oder unheilbare Krankheiten ermöglicht.
- Embryonale Stammzellen sind in der Lage, sich nahezu unbegrenzt zu vermehren und in jede Zellform zu differenzieren. Dies ermöglicht es, Gewebe und Organe in vitro zu züchten.
- Die Stammzellforschung erlaubt tiefe Einblicke in die molekularen Grundlagen der Krankheitsentstehung. Diese Erkenntnisse können genutzt werden, um Therapieansätze zu verbessern und neue Medikamente zu entwickeln.2,3
Diese Ausführungen verdeutlichen, warum die Stammzellforschung nicht nur als eines der fortschrittlichsten medizinischen Gebiete gilt, sondern auch als eines der heikelsten. Damit sie sicher und erfolgreich angewandt werden kann, muss ihr großes Potenzial also sorgfältig gegen die ethischen und technischen Herausforderungen abgewogen werden.2, 8
Stammzellforschung – Medizinische Hoffnung mit Verantwortung
Die Stammzellforschung verkörpert wie kaum ein anderes Feld den medizinischen Fortschrittsgeist unserer Zeit: Sie eröffnet neue Wege, bisher unheilbare Krankheiten zu behandeln, beschädigtes Gewebe zu regenerieren und die Ursachen von Erkrankungen besser zu verstehen. Dabei reicht ihr Spektrum von der routinemäßigen Stammzelltransplantation bei Blutkrebs bis hin zu visionären Therapien gegen neurodegenerative Erkrankungen oder Herzschäden.
Gleichzeitig verlangt dieser Fortschritt einen verantwortungsvollen Umgang – insbesondere, wenn es um ethisch sensible Themen wie die Gewinnung embryonaler Stammzellen geht. Dass es heute bereits experimentelle Verfahren gibt, die ohne Zerstörung von Embryonen auskommen, zeigt: Wissenschaft und Ethik müssen kein Widerspruch sein, sondern lassen sich durch technologische Innovation in Einklang bringen.
Die Zukunft der Stammzellforschung ist vielversprechend. Damit aus Hoffnung Realität wird, braucht es jedoch weiterhin sorgfältige Forschung, klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine offene gesellschaftliche Debatte. Denn am Ende steht immer ein Ziel im Mittelpunkt: das Leben von Millionen Menschen spürbar zu verbessern.
Weitere Meilensteine der Medizin

Vom Gen zum Heilmittel: Wie Genomik und personalisierte Medizin die Therapie revolutionieren
Die erfolgreiche Sequenzierung des menschlichen Genoms im Rahmen des Humangenomprojekts hat gezeigt, dass 99,9 Prozent der Gene bei allen Menschen identisch sind1 – und dass es eben gerade die winzigen Unterschiede sind, die einen großen Einfluss auf Gesundheit und Krankheit haben. Während klassische Therapien häufig nach dem Prinzip ‚One size fits all‘ funktionieren, ermöglichen Genomik und personalisierte Medizin einen gezielten und wirksameren Behandlungsansatz – abgestimmt auf das genetische Profil jedes einzelnen Menschen.

Antoni van Leeuwenhoek und die Erfindung des Mikroskops
Kleine Dinge sichtbar machen: Das ist die wörtliche Übersetzung des Begriffs „Mikroskop“. Der niederländische Naturforscher Antoni van Leeuwenhoek hat unser Verständnis von der Welt maßgeblich verändert, indem er uns mit seinen Mikroskopen das Tor zur Welt des winzig Kleinen öffnete und es der Menschheit ermöglichte, Bakterien, Protozoen und andere Mikroorganismen zu entdecken und zu untersuchen. So revolutionierte Leeuwenhoek die Biologie und die Medizin und legte den Grundstein für unser modernes Verständnis von großen und kleinen Lebewesen.

Die Geschichte der Anästhesie
„Ich habe heute etwas gesehen, das um die Welt gehen wird.“ – Diese Bemerkung des Chirurgen Henry Jacob Bigelow im Anschluss an die erste öffentliche Demonstration einer Äther-Narkose sollte sich bewahrheiten: Das Jahr 1846 gilt heute als Geburtsjahr der modernen Anästhesie. Doch wie liefen Operationen vorher ab, mit welchen Mitteln versuchten Mediziner:innen, den Schmerz ihrer Patient:innen zu lindern, und wie hat sich die Anästhesie seit dem Jahr 1846 weiterentwickelt?
- https://de.wikipedia.org/wiki/Stammzelle
- https://de.wikipedia.org/wiki/Stammzelltherapie
- https://www.deutsche-stammzellenbank.de/was-ist-das-besondere-an-stammzellen/
- https://www.wissenschaft.de/allgemein/geschichte-der-stammzellen/
- https://www.wissenschaft.de/allgemein/meilensteine-der-stammzellforschung/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Stammzelltransplantation
- https://www.stammzellen.nrw.de/fileadmin/user_upload/Informieren/Patienteninformationen/Patienteninfo_Mit_Stammzellen_heilen.pdf
- https://www.stammzellen.nrw.de/informieren/ethik-und-recht/ethische-fragestellungen
- https://de.wikipedia.org/wiki/Stammzellgesetz
- https://zellux.net/m.php?sid=98
- https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/stammzellforschung-6579.php
- https://www.aerzteblatt.de/news/bislang-175-genehmigungen-fuer-den-import-embryonaler-stammzellen-1c8a7d8e-1318-42a1-bbd2-1c6d0e1aff66
