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Alzheimer und Demenz: Unterschied schon in der Definition
Da Alzheimer eine von vielen verschiedenen Demenzformen ist – und damit nicht das Gleiche – lässt sich der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer schon in der Definition festhalten.
Alzheimer: Definition
Die Alzheimer-Krankheit, Fachbegriff Morbus Alzheimer, wurde nach ihrem Entdecker Alois Alzheimer benannt und macht etwa zwei Drittel aller Demenzfälle aus, was sie zur häufigsten Demenzform macht.1 Es handelt sich um eine bislang unheilbare Erkrankung des Gehirns, die zu einer allmählichen Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit führt. Typische Symptome sind:
- Vergesslichkeit
- Verwirrtheit
- Orientierungslosigkeit
- Wortfindungs- und Sprachstörungen
Wissenschaftler:innen verstehen Morbus Alzheimer heute etwas besser als noch vor einigen Jahrzehnten und wissen, dass schädliche Proteinablagerungen im Gehirn (Beta-Amyloid-Ablagerungen und Fibrillen aus Tau) für die Krankheit typisch sind. Die genauen Mechanismen der Alzheimer-Entstehung sind bislang jedoch nicht vollständig geklärt.
Demenz: Definition
Der Begriff Demenz leitet sich vom Lateinischen „Dementia“ ab, was so viel wie „Torheit“ oder „Wahnsinn“ bedeutet. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für eine Vielzahl von neurologischen und neurophysiologischen Erkrankungen, die mit einer Minderung der kognitiven Fähigkeiten einhergehen. Hier einige Demenzformen im Überblick:
- Morbus Alzheimer
- vaskuläre Demenz
- frontotemporale Demenz
- Lewy-Körperchen-Demenz
- Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
- Chronische traumatische Enzephalopathie (CTE)
Nicht immer lässt sich genau abgrenzen, welche Demenzform konkret vorliegt. Dazu kommt, dass auch Mischformen unterschiedlicher Demenzen möglich sind – insbesondere die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz treten häufig gemeinsam auf. (1)
Aktuelle News zum Thema Demenz

Gewonnene Zeit – Durchbruch in der Alzheimertherapie
Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab. Das sind Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München (EGKM) gingen Expert:innen der Frage nach, was das für die Versorgungsstrukturen, für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen bedeutet. Denn klar ist auch: Eine Heilung ist die neue Therapie nicht.

Alzheimer-Erkrankung: Früher diagnostizieren, besser behandeln
Das Jahr 2025 wird in die Geschichtsbücher eingehen: Erstmals erhält ein Medikament in Europa eine Zulassung, das an den Ursachen der Alzheimer-Krankheit ansetzt. Wirken können derartige Therapien nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist eine frühe Diagnose. Doch daran hapert es in Deutschland all zu oft. Auf dem Gesundheitskongress des Westens sprachen Expert:innen darüber, wie sich das ändern lässt – große Hoffnungen liegen auf einer digitalen Plattform mit dem Namen ALFie.

Alzheimer-Erkrankung: Die Versorgung neu denken
Große Fortschritte in Diagnostik und Therapie der Demenzerkrankung Alzheimer sind in nächster Zukunft zu erwarten. Sie werden die bisherige Behandlung der Krankheit auf den Kopf stellen. Was muss passieren, dass diese Innovationen bei den Menschen ankommen? Ein Gespräch mit Oliver Stenzel vom forschenden Pharmaunternehmen Lilly.
Demenz vs. Alzheimer: ein Vergleich
1. Ursachen
Die Ursachen für Morbus Alzheimer sind noch nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung scheinen aber bestimmte Proteinablagerungen im Gehirn zu spielen, die sich im Anfangsstadium vorrangig im Hippocampus bilden – jenem Hirnbereich, der für das Gedächtnis zuständig ist. Nach und nach sterben Nervenzellen ab. Der größte Risikofaktor ist das Alter, lediglich ein Prozent aller Alzheimer-Fälle ist erblich bedingt.1, 4
Die Ursachen anderer Demenzformen sind vielfältig und reichen von Durchblutungsstörungen im Gehirn (vaskuläre Demenz) über Ablagerungen sogenannter Lewy-Körperchen im Zellinneren (Lewy-Körperchen-Demenz) bis hin zum Absterben von Gehirnzellen im Stirn- und Schläfenlappen , wahrscheinlich unter anderem verursacht durch bestimmte Proteinablagerungen in den Nervenzellen (frontotemporale Demenz).3
2. Häufigkeit
Morbus Alzheimer ist die häufigste Demenzform und macht etwa 70 Prozent aller Demenzfälle aus.3
Andere Demenzformen sind wesentlich seltener: Die vaskuläre Demenz ist mit circa 15 Prozent die zweithäufigste Form, gefolgt von frontotemporaler Demenz und Lewy-Körperchen-Demenz.3
3. Hauptmerkmale
Hauptmerkmale der Alzheimer-Krankheit sind Gedächtnisstörungen und eine Veränderung der Wahrnehmung.3
Je nach Form können die Symptome einer Demenz unterschiedlich sein. Bei vaskulärer Demenz stehen allgemeine Denkschwierigkeiten im Vordergrund, während für die frontotemporale Demenz Veränderungen der Persönlichkeit und Auffälligkeiten im zwischenmenschlichen Verhalten typisch sind. Patient:innen mit Lewy-Körperchen-Demenz leiden u. a. unter optischen Halluzinationen sowie unter starken Schwankungen der Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit.3
4. Beginn
Morbus Alzheimer zeigt sich fast immer im späteren Lebensalter, meist nach dem 65. Lebensjahr. Gleiches gilt für die Lewy-Körperchen-Demenz und die vaskuläre Demenz. Die frontotemporale Demenz beginnt durchschnittlich zwischen den 50. und 60. Lebensjahr.3
5. Verlauf
Morbus Alzheimer nimmt einen fortschreitenden Verlauf und ist nicht heilbar. Wie schnell die kognitiven Fähigkeiten nachlassen, ist dabei individuell sehr verschieden und lässt sich nicht voraussagen.
Es gibt aber auch Demenzformen, deren Ursachen außerhalb des Gehirns liegen (Beispiel: Vitaminmangel). Diese sogenannten sekundären Demenzen sind teilweise vollständig reversibel, also heilbar.
6. Therapie
Für die Alzheimer-Behandlung sind verschiedene Wirkstoffe zugelassen, darunter sogenannte Cholinesterase-Hemmer. Sie beeinflussen genau die Botenstoffe im Gehirn, die für die Gedächtnisfunktion eine zentrale Rolle spielen, und können den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit leicht verzögern. Bei anderen Demenzformen wirken diese Medikamente in der Regel nicht.5, 6
Ob Alzheimer, vaskuläre oder frontotemporale Demenz: Nicht-medikamentöse Therapiebausteine nehmen bei allen Formen der Demenz eine wichtige Funktion ein – neben täglichem Gedächtnistraining, wie zum Beispiel Ergotherapie, Musiktherapie oder Biographiearbeit. Auch Psychotherapie kann eine Option sein, schließlich stellt die Diagnose Demenz auch eine große emotionale Belastung dar. Das Ziel besteht in jedem Fall darin, Betroffenen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern und ihnen so lange wie möglich ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.7
Neu sind monoklonale Antikörper. Ein Wirkstoff wurde in diesem Jahr in der EU zugelassen. Er richtet sich gezielt gegen Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn – eine der vermuteten Ursachen der Alzheimer-Krankheit. Damit steht nun eine Alzheimer-Therapie zur Verfügung, die nicht nur symptomatisch wirkt, sondern ursächlich in den Krankheitsprozess eingreift. Möglich ist, das Fortschreiten der Erkrankung im frühen Stadium um einige Monate verlangsamen, eine Heilung bringt das Medikament aber nicht.8
Weitere Hintergrundinfos zum Thema Demenz

Was ist Alzheimer? Einer Demenzart auf der Spur
Alzheimer-Demenz (lat. Fachbegriff: Morbus Alzheimer) ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung – also eine Erkrankung, die mit dem Abbau von Nervenzellen im Gehirn einhergeht. Fälschlicherweise wird Morbus Alzheimer häufig mit Demenz gleichgesetzt, dabei gilt: Demenz ist der Überbegriff für über 50 hirnorganische Erkrankungen. Alzheimer-Demenz ist nur eine davon.

Demenzformen: Arten von Demenz in der Übersicht
Bei Demenz denken viele Menschen sofort an die Alzheimer-Krankheit – dabei ist diese nur eine von über 50 Demenzerkrankungen. Es handelt sich somit um ein sehr vielfältiges Krankheitsbild, das verschiedene Ursachen haben und mit unterschiedlichsten Symptomen einhergehen kann.

Frontotemporale Demenz: eine neurodegenerative Erkrankung
Bei der frontotemporalen Demenz (FTD) handelt es sich um eine eher seltene neurodegenerative Erkrankung. Sie wurde erstmals im Jahr 1892 von dem Prager Neurologen Arnold Pick beschrieben und wird daher auch als Pick-Krankheit bezeichnet. Der Begriff frontotemporale Demenz bezieht sich auf die Hirnbereiche, deren Nervenzellen durch FTD besonders in Mitleidenschaft gezogen werden: den Frontallappen (Stirnlappen) und den Temporallappen (Schläfenlappen).
Quellen:
- https://www.alzheimer-deutschland.de/ueber-alzheimer-demenz/unterschied-alzheimer-demenz
- https://www.alzheimer-forschung.de/alzheimer/
- https://www.friedrich-verlag.de/friedrich-plus/pflegen-demenz-palliativ/symptome-interventionen/die-verschiedenen-formen-von-demenz-und-ihre-ursachen/
- https://www.alzheimer-forschung.de/alzheimer/wasistalzheimer/veraenderungen-im-gehirn/
- Arzneimittel gegen Alzheimer: Kommt jetzt der Durchbruch?
- https://www.aerzteblatt.de/archiv/49670/Evidenzbasierte-medikamentoese-Therapie-der-Alzheimer-Erkrankung
- https://www.alzheimer-forschung.de/alzheimer/behandlung/nicht-medikamentoese-behandlung/
- https://www.alzheimer-forschung.de/aktuelles/meldung/eu-zulassung-leqembi/
