Das Wichtigste in Kürze
- Krebs entsteht durch Mutationen im Erbgut, die zu unkontrollierter Zellteilung führen. Die Zellen entziehen sich dem programmierten Zelltod, bilden Tumore und können Metastasen entwickeln.
- Zwischen der ersten Mutation und einer nachweisbaren Erkrankung können Jahre oder Jahrzehnte vergehen.
- Wichtige Risikofaktoren sind u. a. Rauchen, Alkohol, UV- und andere Strahlung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Umweltgifte, Infektionen (Hepatitis B/C) sowie genetische Veranlagung und höheres Alter.
- Mehrere Risikofaktoren zusammen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung; ein gesunder Lebensstil kann das Risiko senken.
- Dank Früherkennung, moderner Medikamente, Immuntherapien und personalisierter Medizin sinken trotz steigender Erkrankungszahlen die Sterberaten.
Zellwachstum: Wie werden aus gesunden Zellen veränderte Krebszellen?
Grundsätzlich ist der Körper gut in der Lage, das Zellwachstum zu steuern – beispielsweise im Fall einer Hautverletzung. Die Vermehrung der Körperzellen steigt dann im betroffenen Bereich sprunghaft an und wird wieder gestoppt, sobald die Verletzung abgeheilt ist.
Veränderte Krebszellen entstehen durch einen mehrstufigen Prozess, der mit Mutationen im Erbgut (Genen) beginnt. Zellen, die schwerwiegende Veränderungen (Mutationen) aufweisen, können sich ungebremst vermehren, das heißt: Sie wachsen unkontrolliert, zerstören umliegendes Gewebe und beeinträchtigen schlimmstenfalls die Funktion wichtiger Organe. Aus der gesunden Zelle ist eine Krebszelle geworden.1
Der Prozess der Krebsentstehung: Zellmutationen als Auslöser von Krebs
Der menschliche Körper besteht aus etwa einer Milliarde Zellen2. Doch Zelle ist nicht gleich Zelle. Stattdessen weist jede Körperzelle eine ganz eigene Spezialisierung auf, zum Beispiel als Haut, Gewebe- oder Gehirnzelle. Informationen zur Spezialisierung der Zelle sind im Erbgut gespeichert, welches sich im Zellkern befindet. Das Erbgut enthält außerdem Informationen darüber, wie häufig die Zelle sich teilen – also erneuern – soll. Die Lebensdauer variiert dabei von Zelltyp zu Zelltyp, wobei keine normale Zelle mehr als 40 Teilungszyklen durchlebt1. Ist die vorgesehene Anzahl an Teilungen erreicht, stirbt die Zelle. Dieser programmierte Zelltod soll verhindern, dass sich fehlerhafte Zellen weiter vermehren. Denn: Mit jeder Teilung steigt das Risiko für Mutationen.
Ist die Zelle bereits mutiert, kann es passieren, dass Informationen zum programmierten Zelltod ignoriert werden. Die Zelle stirbt dann nicht ab, sondern teilt sich immer weiter und bildet einen Tumor aus. Mutierte Zellen können sich im weiteren Verlauf der Erkrankung in andere Körperregionen ausbreiten und hier Metastasen bilden.2
4. Bildung von Metastasen
Weitere Mutationen ermöglichen es den Krebszellen, in umliegendes Gewebe einzudringen und sich über Blut- und Lymphbahnen zu verteilen. So können Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen entstehen.
3. Tumorbildung
Die unkontrolliert wachsenden Zellen bilden einen Tumor und verdrängen gesundes Gewebe.
2. Unkontrollierte Zellteilung
Durch das Ungleichgewicht zwischen wachstumsfördernden und -hemmenden Genen teilen sich die mutierten Zellen unkontrolliert, anstatt ihren normalen Lebenszyklus zu durchlaufen.
1. Genmutationen
In Genen, die das Zellwachstum regulieren, treten Schäden auf, die nicht repariert werden können.
Zwischen der Entstehung der ersten Krebszelle und einer nachweisbaren Krebserkrankung können Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen. Manche Krebsarten entwickeln sich schnell und aggressiv, andere wachsen lange Zeit im Verborgenen.
Externe und interne Auslöser für Krebs im Überblick
Die Liste der möglichen Auslöser für die Krebs-Entstehung ist lang und bis heute haben Wissenschaftler:innen nicht vollständig geklärt, welche Mechanismen letztlich zum Ausbruch der Erkrankung führen. Fakt ist: Bestimmte Substanzen und Umweltgifte können das Risiko für Krebs ebenso erhöhen wie ein ungesunder Lebensstil, hormonelle Veränderungen oder chronische Infektionen. Das Krebsrisiko wird beispielsweise beeinflusst durch:
- Tabakrauch
- Alkoholkonsum
- krebserregende Stoffe (Karzinogene) in der Umwelt (z. B.: Asbest, Holzstaub, Pestizide)
- UV-Strahlung
- andere Formen der Strahlenbelastung (z. B.: Röntgen)
- starkes Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Hepatitis-B, Hepatitis-C
Nicht zuletzt spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle. So fanden Forscher:innen heraus, dass Frauen mit Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 häufiger unter Brustkrebs leiden. Das Alter nimmt ebenfalls Einfluss auf das individuelle Krebsrisiko: Fast alle Formen von Krebs treten bei älteren Menschen häufiger auf.
Alle genannten Faktoren sind allein nicht krebserzeugend, erhöhen jedoch das Krebsrisiko – und dies gilt umso mehr, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Im Umkehrschluss gilt: Wer externe und interne Auslöser so gut wie möglich vermeidet und einen gesunden Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung pflegt, kann sein individuelles Krebsrisiko reduzieren.14
Aktuelle News zum Thema Krebs

Klinische Studie bei Krebs: „Für mich ein Gamechanger“
Viermal Brustkrebs innerhalb von fünf Jahren: Antje Mann hat zahlreiche Behandlungen hinter sich, doch der Tumor kehrt immer wieder zurück. Derzeit ist ihre Erkrankung stabil – eine entscheidende Rolle spielte dabei eine klinische Studie. Davon erzählt sie in „Akte Leben“ – ein Podcast der Initiative Pink Ribbon Deutschland.

Krebsforschung: Fortschritt, von dem die ganze Gesellschaft profitiert
Die Geschichte der Krebsmedizin ist die Geschichte eines immer tieferen Verständnisses der Erkrankung. Es begann damit, Tumore zu entfernen. Der nächste Schritt war, die Krebszellen im ganzen Körper zu bekämpfen. Als die Forschung erkannte, dass auch Krebszellen molekulare Schwachstellen haben, entwickelte sich die zielgerichtete Therapie. Schließlich kamen die Medikamente, die nicht mehr den Krebs bekämpfen, sondern dem Immunsystem zeigen, wie das geht. Und heute? Darüber spricht Dr. Niko Andre, Mediziner und Leiter des Onkologie-Bereiches beim forschenden Pharmaunternehmen AstraZeneca in Deutschland, in einem Podcast.

Tag der Patient:innensicherheit: 7 Punkte für eine bessere Onkologie
„Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“ Das ist in diesem Jahr das deutsche Motto für den Welttag der Patientensicherheit. Die Initiative Vision Zero e.V. nimmt den 17. September zum Anlass, um umfassende Reformforderungen an die Politik zu stellen. Angesichts der wachsenden Zahl von Krebslangzeitüberlebenden braucht es demnach einen Paradigmenwechsel in der Onkologie: Patientenzentrierter, vernetzter, datengetriebener, präventiver muss sie sein, damit Innovationen von der Diagnose bis zur Nachsorge schneller und flächendeckend verfügbar sind.
Krebsarten und ihre spezifischen Ursachen
Krebs kann in unterschiedlichen Körperregionen entstehen. Nachfolgend ein Überblick über häufige Krebsarten und wodurch sie verursacht werden.
Brustkrebs (Mammakarzinom)
Brustkrebs ist die häufigste Form der Krebserkrankung bei Frauen. Jede 8. Frau erhält im Laufe ihres Lebens die Diagnose Brustkrebs, was in etwa 13 Prozent entspricht. Risikofaktoren sind unter anderem: eine erbliche Veranlagung (Brustkrebsfälle in der Familie), ein ungesunder Lebensstil (Nikotin, Alkohol, Übergewicht) und hormonelle Faktoren.8
Prostatakrebs (Prostatakarzinom)
Prostatakrebs betrifft vorrangig Männer ab 50. Neben dem Alter spielen jedoch auch hier ähnliche Faktoren eine Rolle wie bei der Entstehung von Brustkrebs und anderen Krebsarten, zum Beispiel: familiäre Veranlagung, Umwelteinflüsse und ganz allgemein die Lebens- und eventuell auch Arbeitsbedingungen.9
Lungenkrebs
Der größte Risikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs ist Nikotinkonsum. Statistiken des Robert-Koch-Instituts haben ergeben, dass bei Männern neun von zehn Lungenkrebserkrankungen auf das Rauchen zurückgehen, bei Frauen mindestens sechs von zehn. Auch Passivrauchen stellt ein Risiko dar, zumal die Konzentration von krebserregenden Substanzen im sogenannten Nebenstromrauch höher ist als im Hauptstromrauch, der von den Raucher:innen direkt eingeatmet wird.10
Hautkrebs
Wenn von Hautkrebs die Rede ist, ist für gewöhnlich schwarzer Hautkrebs gemeint, in der Fachsprache malignes Melanom genannt. Die wichtigsten Risikofaktoren sind hier: eine hohe UV-Belastung (Sonnenstrahlung, Besuche im Solarium), ein heller Hauttyp und eine hohe Anzahl an Pigmentflecken. Bei Hautkrebsfällen in der näheren Verwandtschaft ist das Risiko ebenfalls erhöht.11
Aktueller Forschungsstand
Obwohl die Krebsraten insgesamt steigen, nehmen die Sterberaten ab. Neben besserer Früherkennung, besseren Operationsmethoden und besserer Nachsorge ist dies vor allem auch der Tatsache geschuldet, dass immer mehr hochwirksame Arzneimittel zur Krebsbehandlung (sogenannte Onkologika) entwickelt werden. Viele der neuen Medikamente haben mit der klassischen Chemotherapie nicht mehr viel gemein, beispielsweise die Immuntherapeutika, die laut Ansicht vieler Expert:innen das Potenzial haben, das Leben von Krebspatient:innen selbst bei fortgeschrittener Erkrankung zu verlängern und die Lebensqualität zu verbessern.
Immer mehr Menschen profitieren auch von personalisierter Medizin: Innovative Therapiekonzepte zielen darauf ab, die Krebserkrankung der einzelnen Patient:innen möglichst individuell zu behandeln. Die Voraussetzung ist eine präzise Diagnostik. Die Betroffenen erhalten hierfür eine Testung auf sogenannte Biomarker, die wichtige Hinweise auf spezifische Tumor-Eigenschaften liefern können. Dies ermöglicht ggf. den Einsatz von Therapien, die genau auf diese Eigenschaften zugeschnitten sind.12,13,14
Weitere Hintergrundinfos zum Thema Krebs

Krebs Statistik
Regionale und globale Krebsstatistiken zeigen auf, dass die Zahl der Krebsneuerkrankungen im Laufe der Jahre stark angestiegen ist. Zugleich machen sie jedoch deutlich, dass Krebs nicht zwangsläufig ein Todesurteil ist, denn auch die Überlebensraten sind heute höher als noch vor einigen Jahren oder Jahrzehnten. Wie sich die Krebsraten in Deutschland und weltweit entwickelt haben, wodurch die Krebs Statistik beeinflusst wird und wie sich neuartige Therapien auf die Überlebensraten auswirken, erfahren Sie in diesem Artikel.

Blutkrebs verstehen: Entstehung und moderne Forschungsansätze
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 13.500 Menschen an Leukämie, also an Blutkrebs. Es handelt sich dabei um einen Sammelbegriff für Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, die sich sowohl in puncto Häufigkeit als auch in Bezug auf ihre Ursachen, Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen voneinander unterscheiden.

Häufige Krebsarten bei Männern
Im Jahr 2022 erkranken weltweit 10.311.610 Männer an Krebs11. Das Risiko, vor dem Alter von 75 Jahren an Krebs zu erkranken, lag damit bei 21,8 Prozent11.
Einige Krebsarten treten bei Männern wesentlich häufiger auf als bei Frauen, darunter Lungen-, Darm- und Harnblasenkrebs. Zusätzlich zählen Tumore in der Prostata und im Hoden zu den häufigsten Krebsformen bei Männern.
Quellen:
- Wie entstehen krankhafte veränderte Krebszellen?
https://www.wissen-gesundheit.de/Krankheiten-Beschwerdebilder/Krebs/Krebs-allgemein/Wie-entstehen-aus-normalen-gesunden-Zellen-krankhafte-veraenderte-Krebszellen- - Wie Krebszellen wachsen und sich ausbreiten
https://www.gesundheitsinformation.de/wie-krebszellen-wachsen-und-sich-ausbreiten.html - Wie Krebs entsteht
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/wie-krebs-entsteht.html - Krebs: Entstehung, Ursachen und Arten
https://www.openscience.or.at/de/wissen/medizin-mensch-ernaehrung/2023-12-22-krebs-entstehung-ursachen-und-arten/ - Was ist Krebs und wie entsteht er?
https://www.helios-gesundheit.de/magazin/news/03/was-ist-krebs/ - Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es für Krebs?
https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/koerper/krebs/krebs-ursachen-1058260#Welchen_Einfluss_hat_der_Lebensstil_auf_das_Krebsrisiko-1058260 - Wie entsteht Krebs?
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/grundlagen/krebsentstehung.php - Brustkrebs (Mammakarzinom)
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/index.php - Prostatakrebs (Prostatakarzinom)
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/index.php - Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/index.php - Weißer und schwarzer Hautkrebs
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/hautkrebs.php - Krebs: Arzneimittelinnovationen, die sich lohnen
https://pharma-fakten.de/news/krebs-arzneimittelinnovationen-die-sich-lohnen/ - Krebs bleibt Schwerpunkt der Pharma-Forschung
https://pharma-fakten.de/grafiken/777-krebs-bleibt-schwerpunkt-der-pharma-forschung/ - Immuntherapie bei Krebs
https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/koerper/krebs/immuntherapie-krebs-1058248
