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Bewährte Krebs-Medikamente: Was zeichnet sie aus?
Neues Mittel gegen Krebs gefunden: Nachrichten wie diese lösen bei Betroffenen verständlicherweise die Hoffnung auf eine baldige und vollständige Genesung aus. Allerdings befinden sich die beworbenen Substanzen oft noch in einem sehr frühen Forschungsstadium – das heißt, ihre Wirksamkeit wurde ebenso wenig abschließend erforscht oder gar nachgewiesen wie ihre Sicherheit oder etwaige Wechsel- und Nebenwirkungen. Oftmals liegen Wissenschaftler:innen nur ganz vage Hinweise auf einen möglichen medizinischen Nutzen vor, der im Rahmen der Krebsforschung noch genauer unter die Lupe genommen werden muss.1
Der Abschluss aller klinischen Studienphasen, in denen die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit einer Substanz oder Therapieform belegt werden konnte, ist Voraussetzung für eine Zulassung als Krebsmedikament. Auch in diesem Fall ist jedoch nicht davon auszugehen, dass das Mittel bei allen Krebsformen und allen Patient:innen die gewünschte Wirkung zeigt.1
Beispiele für vermeintliche Wundermittel gegen Krebs
1. Cannabis
Unter bestimmten Voraussetzungen ist Cannabis zur Behandlung von Krebspatient:innen zugelassen – allerdings nur zur Linderung von Schmerzen oder anderer Symptome. Eindeutige Hinweise darauf, dass Cannabis zur Heilung von Krebs beiträgt, gibt es nicht. Stattdessen ist die Forschungslage eher widersprüchlich, denn bei Zellkulturen und in Tierversuchen fanden Wissenschaftler:innen auch Hinweise darauf, dass bestimmte Inhaltsstoffe in Cannabis möglicherweise sogar krebsfördernd sind.1,3
2. Sulforaphan
Sulforaphan ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der in größeren Mengen beispielsweise in Brokkoli zu finden ist. Erste Studien deuten darauf hin, dass das Senföl möglicherweise krebsvorbeugende Eigenschaften hat. Forschungsergebnisse zur Behandlung von Krebs liegen bislang nicht vor, weitere Studien laufen jedoch. Momentan wird es in Leitlinien und von Fachgesellschaften weder zur Prävention noch zur Behandlung empfohlen.1
3. Kieselalgen
Kieselalgen sollen laut Aussage ihrer Verfechter dazu in der Lage sein, Krebsmedikamente direkt in Tumorzellen zu transportieren, damit sie hier ihre Wirkung entfalten. Bislang gibt es nur wenig aussagekräftige Tests an Mäusen, allerdings keine Studien mit Menschen.2
4. Dichloracetat (DCA)
Dichloracetat, das Salz der Dichloressigsäure, wird – auch in Deutschland – in Kapsel- oder Pulverform von diversen Anbietern trotz nicht abgeschlossener Forschung angeboten. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO stuft die Substanz jedoch als möglicherweise krebserregend ein, weshalb auch hier Vorsicht geboten ist.1
5. Ingwer
Forscher:innen fanden zwar Hinweise darauf, dass bestimmte Substanzen in der Ingwerknolle möglicherweise in der Lage sind, das Wachstum von Krebszellen zu hemmen – allerdings gibt es bislang nur Versuche im Reagenzglas. Es gilt: Ingwer essen oder trinken hilft nicht gegen eine schwere Krebserkrankung.2
6. Mistel
Auch zur krebshemmenden Wirkung von Extrakten aus der Mistelpflanze (Viscum album) gibt es keine allgemein anerkannten wissenschaftlichen Belege. Dennoch werden Mistelpräparate in Form von Injektionen angeboten, die von Patient:innen selbstständig unter die Haut gespritzt werden, was ohne ärztliche Überwachung mit nicht unerheblichen Risiken verbunden ist.5
Die genannten Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, dass Patient:innen keine ungeprüften Substanzen nehmen, die sich als vermeintliche Krebs-Heilmittel präsentieren. Wechsel- und Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen. Der Weg von einer potenziell krebshemmenden Substanz zu einem zugelassenen Medikament gegen Krebs ist zu Recht langwierig und ausgesprochen komplex. Nicht selten müssen zunächst vielversprechende Wirkstoffe wieder von der Liste der Hoffnungsträger gestrichen werden.1
Aktuelle News zum Thema Krebs

Weltweit vermeidbar: 40 Prozent aller Krebsfälle
7,1 Millionen Diagnosen pro Jahr müsste es nicht geben: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen fast 40 Prozent aller Tumorerkrankungen weltweit auf Ursachen zurück, die sich verhindern ließen. Zahlreiche Menschen könnten vor der belastenden Diagnose „Sie haben Krebs“ bewahrt werden – vorausgesetzt, die Prävention wird gestärkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie.

Weltkrebstag: Die Null als Leitmotiv in der Krebsmedizin
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Lungenkrebs: Die Sterberaten in Europa gehen zurück
Lungenkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache in Europa – allein in Deutschland verlieren rund 45.000 Menschen den Kampf gegen diese Tumore. Aber: Die Sterblichkeit in Europa geht zurück – jetzt auch bei den Frauen. Eine Studie prognostiziert einen Rückgang für das laufende Jahr um 22,6 Prozent (Männer) bzw. 5,2 Prozent (Frauen). Die Gründe: wirksamere Prävention, bessere Früherkennung und Arzneimittelinnovationen.
Jenseits der Schulmedizin: Naturheilkunde, Homöopathie und Co.
Viele Krebspatient:innen haben das Bedürfnis, selbst aktiv zu werden und auch Wege jenseits der Schulmedizin auszuprobieren, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, solange die Betroffenen sich der Grenzen von pflanzlichen und homöopathischen Präparaten bewusst sind und die schulmedizinische Therapie nicht unter deren Anwendung leidet. Außerdem ist es unerlässlich, alternative Therapieformen immer mit den behandelnden Ärzt:innen abzusprechen, um mögliche Risiken auszuschließen – beispielsweise Wechselwirkungen mit der Standardtherapie wie eine Wirkungsabschwächung.4
Krebs: Heilbar auch ohne Chemo?
Wann ist Krebs heilbar? Und ist eine Chemotherapie immer erforderlich, oder gibt es auch andere anerkannte Therapieformen? Bei einer Chemotherapie erhalten Patient:innen spezielle Medikamente, sogenannte Zytostatika, die eine weitere Vermehrung kranker Zellen verhindern sollen. Doch nicht bei allen Betroffenen ist eine Chemotherapie angezeigt. Stattdessen kommen je nach Einzelfall unter anderem auch folgende Behandlungsoptionen infrage:
Operation
Die Entfernung eines Tumors sowie von angrenzendem Gewebe oder auch nur von verdächtigen Hautveränderungen ist in vielen Fällen der erste und manchmal auch der einzig erforderliche Schritt bei der Krebsbehandlung.
Strahlentherapie/Nuklearmedizin
Mehr als die Hälfte aller Krebspatient:innen erhält im Laufe der Therapie eine Strahlenbehandlung7. Diese soll die Krebszellen so stark schädigen, dass sie sich nicht weiter teilen, sondern absterben.
Antihormontherapie
Einige Tumorarten benötigen Hormone, um zu wachsen, darunter bestimmte Formen von Brustkrebs und Prostatakrebs. Werden dem Körper diese Hormone entzogen, wird auch das Tumorwachstum eingestellt.
Immuntherapie
Die Immuntherapie zielt darauf ab, das körpereigene Immunsystem so zu trainieren, dass es in der Lage ist, bösartige Krebszellen selbstständig zu bekämpfen.
Individualisierte Therapie
Die individualisierte Therapie, auch Präzisionsonkologie8,9 genannt, könnte bei der Behandlung von Krebs einen Durchbruch bringen. Den Betroffenen werden spezielle Arzneimittel verabreicht, die individuell auf die biologischen Merkmale des Tumors zugeschnitten sind. Sie greifen gezielt in die Wachstumsprozesse des Tumors ein und unterbinden diese.
Fazit: Die Behandlung von Krebs ist oftmals also auch ohne Chemotherapie möglich, sie sollte jedoch immer auf schulmedizinisch anerkannten, wissenschaftlich erprobten Therapieformen10 basieren. Als Wundermittel angepriesene Substanzen sollten hingegen mit großer Skepsis betrachtet und nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.
Weitere Hintergrundinfos zum Thema Krebs

Krebs Scan
Eine frühe Diagnose erhöht die Heilungschancen im Falle einer Krebserkrankung deutlich. Auch die Behandlung ist oftmals schonender, wenn der Tumor noch klein ist und noch keine Metastasen gebildet hat. Krebs Scans, also Untersuchungen zur Früherkennung, nehmen daher in der modernen Medizin einen hohen Stellenwert ein.

Die 10 schlimmsten Krebsarten
Krebs ist immer eine schreckliche und furchteinflößende Diagnose. Jährlich sterben weltweit etwa 10 Millionen Menschen an Krebs1. Manche Krebsarten sind jedoch gefährlicher und statistisch gesehen tödlicher als andere – auf die Fragen „Welche Krebsart ist die schlimmste?“ oder „Welche Krebsarten sind unheilbar?“ gibt es keine pauschale Antwort. Letztlich kommt es immer auch darauf an, wie weit der Krebs bereit fortgeschritten ist und welche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Die Rolle der Genetik bei Krebs
Krebs entsteht durch Mutationen im Erbgut, die zur unkontrollierten Vermehrung kranker Zellen und zur allmählichen Verdrängung gesunder Zellen führen. Diese Mutationen können spontan auftreten, etwa durch Schadstoffe in der Umwelt oder durch den natürlichen Alterungsprozess – etwa fünf bis zehn Prozent aller Krebspatient:innen weisen jedoch angeborene Mutationen im Erbgut auf.1
Quellen:
Vermeintliche Wundermittel bei Krebs: Was ist dran?
https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/vermeintliche-wundermittel-bei-krebs-was-ist-dranMittel gegen Krebs? Wenn Ihnen ein Freund dazu rät, seien Sie skeptisch
https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/therapie/forschung/vermeintliche-wundermittel-krebs-vorbeugen-wenn-ihnen-ein-freund-zu-diesen-methoden-raet-seien-sie-skeptisch_id_5441618.htmlHilft Cannabis gegen Krebs?
https://www.grossesblutbild.de/cannabis-gegen-krebs.htmlKrebs: alternative und komplementäre Medizin
https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/krebs-alternative-und-komplementaere-medizinMisteltherapie gegen Krebs
https://www.krebsinformationsdienst.de/mistelTherapie von Krebs
https://www.krebsinformationsdienst.de/krebstherapienStrahlentherapie bei Krebs: Präzise und zielgerichtet
https://pharma-fakten.de/news/strahlentherapie-bei-krebs-praezise-und-zielgerichtet/Präzisionsonkologie: Große Chance für Krebs-Patient:innen und Gesundheitssysteme
https://pharma-fakten.de/news/praezisionsonkologie-grosse-chance-fuer-krebs-patientinnen-und-gesundheitssysteme/Lungenkrebs: Zielgerichtete Therapien machen den Unterschied
https://pharma-fakten.de/news/lungenkrebs-zielgerichtete-therapien-machen-den-unterschied/Krebsforschung: Arbeit an den Grenzen menschlichen Wissens
https://pharma-fakten.de/news/krebsforschung-arbeit-an-den-grenzen-menschlichen-wissens/
