Von der lebensrettenden Entdeckung bis zu smarten Therapien: Insulin hat die Diabetes-Behandlung revolutioniert. © iStock.com / dzika_mrowka
Von der lebensrettenden Entdeckung bis zu smarten Therapien: Insulin hat die Diabetes-Behandlung revolutioniert. © iStock.com / dzika_mrowka

Die Entdeckung des Insulins – ein Wettlauf gegen die Zeit

Noch vor 100 Jahren kam eine Diabetes-Diagnose einem Todesurteil gleich. Die Entdeckung des Insulins zählt daher zu den größten medizinischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts, denn sie ermöglichte überhaupt erst eine Behandlung der weit verbreiteten Stoffwechselerkrankung. Von den ersten tierischen Präparaten bis hin zu modernen genetisch synthetisierten Insulinen und Hightech-Pumpen: Die Forschung hat enorme Fortschritte gemacht und Millionen Menschen weltweit ein besseres Leben ermöglicht.

Inhalt

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Entdeckung des Insulins 1921 durch Frederick Banting und Charles Best machte Diabetes erstmals behandelbar und rettete Millionen Leben.
  • Insulin reguliert den Blutzuckerspiegel, indem es Glukose aus dem Blut in die Zellen transportiert. Bei Typ-1-Diabetes fehlt es, bei Typ-2 wirkt es unzureichend.
  • Auf tierische Präparate folgte in den 1980er Jahren rekombinantes Humaninsulin aus gentechnischer Herstellung.
  • Moderne Therapien wie Insulin-Pens, Pumpen und kontinuierliche Glukosemessung (CGM) ermöglichen eine präzisere und alltagstauglichere Behandlung.
  • Aktuelle Forschung zu Langzeit- und Smart-Insulin, Zell- und Gentherapien könnte die Diabetesbehandlung weiter revolutionieren.

Was ist Diabetes und wann wurde es entdeckt?

Diabetes mellitus ist kein Phänomen der Neuzeit. Stattdessen gibt es Hinweise darauf, dass bereits die Menschen in der Antike mit den Symptomen dieser Erkrankung vertraut waren – beispielsweise ergaben Untersuchungen der altägyptischen Königin Hatschepsut, die im 15. Jahrhundert vor Christus lebte, dass sie an Übergewicht und Diabetes litt. Der Begriff Diabetes kam erstmals um 100 nach Christus auf – er stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet sinngemäß „Durstkrankheit“.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Symptome von Diabetes mellitus immer wieder beschrieben, ohne eine Ursache benennen zu können. Dies änderte sich erst im Jahr 1683, als der Schweizer Arzt Johann Konrad Brunner Hunden die Bauchspeicheldrüse entfernte und beobachtete, dass sie infolgedessen extremen Durst entwickelten. 1869 beschrieb Paul Langerhans die Inselzellen im Gewebe der Bauchspeicheldrüse, ohne jedoch dessen Funktion genauer zu untersuchen: Sie produzieren das Hormon Insulin, welches eine regulatorische Wirkung auf den Stoffwechsel ausübt.1

Wie funktioniert Insulin? einfach erklärt

Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert wird. Doch was ist Insulin und was macht Insulin im Körper? Seine Hauptaufgabe besteht darin, den Blutzuckerspiegel zu regulieren, und dies geschieht folgendermaßen:

  • Nach einer Mahlzeit steigt der Blutzuckerspiegel, weil die Nahrung in Zucker (Glukose) zerlegt wird.
  • Die Bauchspeicheldrüse setzt Insulin frei, welches den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen transportiert.
  • In den Zellen wird der Zucker entweder sofort als Energie genutzt oder für später gespeichert.

Das Insulin sorgt also dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen wieder sinkt und auf einem gesunden Niveau bleibt. Nicht so bei Diabetiker:innen:

  • Bei Typ-1-Diabetes stellt der Körper gar kein Insulin her.
  • Bei Typ-2-Diabetes reagiert der Körper nicht mehr richtig auf Insulin oder produziert zu wenig.

Bei beiden Diabetes-Typen kann der Zucker nicht effizient aus dem Blut aufgenommen werden. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel bleibt dauerhaft erhöht, was langfristig zu einer Schädigung der Blutgefäße sowie zu Nervenschäden und damit einhergehend zu Nieren- und Augenerkrankungen führen kann.2, 12

Seit wann gibt es Insulin? – Die Geschichte des Insulins im Überblick

Insbesondere Menschen mit Typ-1-Diabetes hatten früher kaum eine Chance auf Überleben. Die einzig verfügbare Therapie war eine strenge Diät, die den Krankheitsverlauf bestenfalls verlangsamen konnte. Dies änderte sich im Jahr 1921 durch den Insulin Entdecker Frederick Banting und den Mitentdecker des Insulins Charles Best. Den Wissenschaftlern gelang es, das Bauchspeicheldrüsenhormon im Zuge von Experimenten an Hunden zu isolieren, wodurch sich zum ersten Mal in der Geschichte der Medizin die Möglichkeit bot, den Blutzuckerspiegel von Diabetes-Patient:innen zu senken. 1922 folgte der erste klinische Versuch bei Diabetes Typ 1: Dem 14-jährigen Leonard Thomson wurde Insulin injiziert, was letztlich sein Leben rettete.1, 3

Bis heute stellt Insulin die Basis für die Behandlung des Typ 1 Diabetes dar.9 Eine Insulintherapie bei Diabetes Typ 2 ist i.d.R. nur dann notwendig, wenn der Blutzucker nicht durch Ernährungsumstellung, Bewegung und andere Medikamente wie etwa Metformin oder SGLT-2-Hemmer ausreichend gesenkt werden kann.13

Wie wird Insulin hergestellt? – Die ersten Insulinpräparate

Nach der Entdeckung wurde Insulin über Jahrzehnte hinweg aus den Bauchspeicheldrüsen von Tieren gewonnen – hauptsächlich aus denen von Rindern und Schweinen. Schweineinsulin ist strukturell nahezu identisch mit menschlichem Insulin, wohingegen Rinderinsulin geringe Unterschiede in der Aminosäurensequenz aufweist und daher häufiger zu allergischen Reaktionen führt.4

Die damals noch relativ rohen Insulinpräparate wurden als Injektionslösung aufbereitet, was ebenso wie die Insulinherstellung selbst eine große Herausforderung darstellte – dennoch retteten bereits diese frühen Präparate viele Menschenleben.5

In den 1980er Jahren folgte dann der Durchbruch in der Diabetes-Behandlung: Forscher:innen entwickelten rekombinantes Humaninsulin – eine synthetische Form von Insulin, die mithilfe von Gentechnik hergestellt wird. Es ist identisch mit dem Insulin, das der menschliche Körper herstellt, und wird produziert, indem Gene für menschliches Insulin in Bakterien oder Hefezellen eingeführt werden. Die Mikroorganismen produzieren anschließend Insulin, das gereinigt und für die medizinische Anwendung aufbereitet wird.4

Aktuelle News aus der Pharmaforschung

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BPI: 75 Jahre für eine bessere Gesundheitsversorgung

Im Februar 1951 wurde in Bad Homburg der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) gegründet. Von Anfang an verstand er sich als eine Brücke zwischen medizinischer Versorgung, Industrie, Wissenschaft und Politik, um bessere Rahmenbedingungen für Patient:innen zu ermöglichen. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden Oliver Kirst und Hauptgeschäftsführer Dr. Kai Joachimsen über Meilensteine, über „Politik paradox“ und Pharma als „Leitindustrie“, Sorgen um die Qualität der Patientenversorgung sowie die dringend notwendige Strukturreform.

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„Aber wird es dieses Medikament irgendwann in Deutschland geben?“

„Wow.“ So lässt sich das Gefühl, mit dem Onkologe Dr. Niko Andre gerade erst vom international größten Krebskongress ASCO zurückgekehrt ist, wohl am besten beschreiben. In Chicago präsentierten Wissenschaftler:innen und Mediziner:innen die neuesten Fortschritte der Forschung. Die wären tatsächlich einfach „wow“ – wenn nicht grundsätzlich in Frage stünde, wie schnell und umfassend neue Arzneimittel künftig noch in die deutsche Patient:innen-Versorgung gelangen. In den Augen von Alexandra Bishop, Geschäftsführerin bei AstraZeneca Deutschland, sende die Politik mit ihren aktuellen Sparplänen das Signal: „Wir sind an Innovationen nicht interessiert.“ Das erklärte sie auf einem Medienevent des forschenden Pharmaunternehmens in Hamburg.

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GKV-Spargesetz: Eine „Katastrophe“ für Menschen mit Schmerzen

Die Deutsche Schmerzgesellschaft geht davon aus, dass durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) die Versorgung von Millionen chronisch schmerzkranken Menschen massiv gefährdet ist. Dabei ist die Lage schon heute angespannt, so die Expert:innen: 22 Prozent der Schmerzfachabteilungen sind in ihrer Existenz bedroht. Sie versorgen heute aber fast die Hälfte der Menschen mit der interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie.

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Meilensteine der Insulintherapie: Von der Spritze zu Insulin-Pen und Pumpe

In den ersten Jahrzehnten nach Etablierung der Insulin-Therapie mussten Diabetiker:innen das Insulin mithilfe von Einwegspritzen aus Glasfläschchen aufziehen und sich injizieren. Auch wenn moderne Insulin-Pens die Anwendung seit den 1980er Jahren deutlich vereinfacht und komfortabler gemacht haben – eine Injektion bleibt bislang noch notwendig. Doch die Forschung geht weiter. Heute kommen zum Beispiel diese Hilfsmittel zum Einsatz:

  • Insulinpumpen: Eine Insulinpumpe ist ein kleines tragbares Gerät, das mit einem dünnen Schlauch und einer kleinen Kanüle verbunden ist, die unter die Haut eingeführt wird. Die Pumpe gibt kontinuierlich Insulin ab, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Moderne Insulinpumpen sind dabei mit einem Glukosemesssystem verbunden und passen die Insulinzufuhr selbstständig an die aktuellen Blutzuckerwerte an.

  • Kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM): Glukosemesssysteme sind mit einem Sensor ausgestattet, der rund um die Uhr den Blutzuckerspiegel überwacht. Die Daten sind mittlerweile sogar via Smartphone-App abrufbar und erlauben eine präzise Anpassung der Insulindosis. 6, 7

Aktueller Stand der Forschung: Smart Insulin, Langzeitinsulin & mehr

Die Forschung steht nicht still. Heute arbeiten Wissenschaftler:innen weltweit an innovativen Ansätzen, um die Insulintherapie noch wirksamer und für Patient:innen komfortabler machen soll.

Langzeitinsulin & Smart Insulin

Neue Insulinpräparate können ihre Wirkung über mehrere Tage hinweg entfalten, sodass Patient:innen weniger häufig Insulin spritzen müssen.9 So haben Forscher:innen zum Beispiel ein Insulin entwickelt, das nur einmal wöchentlich injiziert werden muss. Es bildet ein Depot im Körper und gibt Insulin je nach Blutzuckerwert automatisch ab, was das Risiko für Unter- und Überzuckerungen deutlich reduzieren kann.8

Insulin in Tablettenform

Insulin könnte zukünftig in Form von Tabletten oder Kapseln eingenommen werden. Wissenschaftler:innen arbeiten daran, eine stabile Form zu entwickeln, die den Verdauungstrakt übersteht und effektiv ins Blut gelangt. Die Studien dazu stecken jedoch noch in den Kinderschuhen.9

Weitere vielversprechende Ansätze für die Diabetes-Therapie

Forscher:innen haben einen neuen Rezeptor („Inceptor“) entdeckt, der die Insulinempfindlichkeit der Zellen beeinflusst. Auch das könnte völlig neue Möglichkeiten zur medikamentösen Behandlung von Diabetes schaffen.10

Ein besonders spannendes Feld sind Zelltherapien: Dabei werden zerstörte insulinproduzierende Zellen durch funktionstüchtige Zellen ersetzt. Erste klinische Studien zeigen, dass transplantierte Zellen tatsächlich in der Lage sind, den Blutzuckerspiegel zu überwachen und bei Bedarf Insulin zu produzieren.14

Auch Gentherapien könnten für Menschen mit Typ-1-Diabetes eine neue Ära einläuten. Hierbei wird gezielt genetisches Material in die Bauchspeicheldrüse eingeschleust, um dort neue Beta-Zellen zu erzeugen – aus körpereigenen Zellen. In Tierversuchen ist dies bereits gelungen: Bei Affen bildeten sich funktionsfähige Beta-Zellen, die den Blutzucker langfristig regulieren konnten.15

Schließlich bieten auch Stammzelltherapien große Hoffnung. In einem Fall soll eine junge Frau mit Typ-1-Diabetes durch die Transplantation autologer umprogrammierter Stammzellen über ein Jahr ohne Insulin ausgekommen sein. Auch wenn es sich hier um einen Einzelfall handelt, zeigt die Forschung in diese Richtung enormes Potenzial – zum Beispiel durch die Herstellung ganzer Zellverbände, sogenannter Langerhans-Inseln, im Labor.16, 17

Fazit: Diabetesbehandlung im Wandel

Die Geschichte des Insulins zeigt eindrucksvoll, wie Forschung und wissenschaftliche Innovationen das Leben von Millionen Menschen verbessern können. Von der ersten Insulintherapie im Jahr 1922 bis hin zu den digital unterstützten Behandlungsmethoden der modernen Medizin hat die Forschung stetig neue Möglichkeiten geschaffen, um Diabetes besser zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.11 Innovationen, die sich lohnen – zum Wohle der Patient:innen und des Gesundheitssystems.

Weitere Meilensteine der Medizin

Moderne Therapien und innovative Medikamente können langfristig Kosten senken und das System stärken. © iStock.com / champpixs

Wie innovative Medikamente unser Gesundheitssystem entlasten

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor großen finanziellen Herausforderungen: Die Ausgaben steigen kontinuierlich, unter anderem getrieben durch eine alternde Bevölkerung, systematische Ineffizienzen (Stichwort: überbordende Bürokratisierung), mangelnde Prävention sowie steigende Kosten etwa für Gehälter, Material und Technik.

Weiterlesen »
  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Diabetologie
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes_mellitus
  3. https://www.diabetesde.org/100-jahre-insulin-geschichte-lebenswichtigen-hormons
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Insulinpr%C3%A4parat
  5. https://diabetes-anker.de/behandlung/die-geschichte-der-insulinbehandlung/
  6. https://wellness.doktorabc.com/de/gesundheit/technologische-fortschritte-in-der-diabetesbehandlung-was-gibts-neues
  7. https://www.ddg.info/pressebereich/2023/neueste-trends-in-der-diabetestechnologie-digitalisierung-und-innovationen-als-gamechanger-in-der-therapie
  8. https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/medizin/smart-insulin-erspart-diabetikern-taegliche-injektionen-13378558
  9. https://www.mit-diabetes.de/diabetes/diabetes-forschung/diabetes-forschung-aktuell.html
  10. https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/diabetes-neue-entdeckung-konnte-die-behandlung-verandern-14384.php
  11. https://pharma-fakten.de/news/immer-mehr-diabetes-weltweit-untaetigkeit-ist-keine-option/
  12. https://pharma-fakten.de/grafiken/diabetes-in-europa-tod-alle-46-sekunden/
  13. https://www.diabetesde.org/diabetes-medikamente-typ-2-diabetes
  14. https://pharma-fakten.de/news/1140-diabetes-typ-1-arzneimittelforschung-auf-der-suche-nach-dem-durchbruch/
  15. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gentherapie-bei-typ-1-diabetes-im-tierversuch-erfolgreich-138810/
  16. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/insulinspritze-ueberfluessig-nach-stammzell-behandlung-150332/
  17. https://www.zdfheute.de/ratgeber/gesundheit/stammzellen-forschung-stammzelltherapie-diabetes-100.html

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