Magenkrebs ist einer der gefährlichsten Krebsarten. Symptome machen sich oft erst spät bemerkbar. Ist der Krebs fortgeschritten, verschlechtern sich die Überlebenschancen. Hoffnung können neue Forschungsergebnisse bieten. © iStock.com / peterschreiber.media
Magenkrebs ist einer der gefährlichsten Krebsarten. Symptome machen sich oft erst spät bemerkbar. Ist der Krebs fortgeschritten, verschlechtern sich die Überlebenschancen. Hoffnung können neue Forschungsergebnisse bieten. © iStock.com / peterschreiber.media

Magenkrebs: von den ersten Symptomen bis hin zu Therapie und Forschung

Jedes Jahr erhalten rund 15.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Magenkrebs. Da Magenkarzinome häufig erst in einem späten Stadium Beschwerden verursachen und schnell Metastasen bilden, zählt Magenkrebs zu den gefährlichsten Krebsarten. Einen Überblick über Symptome und Anzeichen, Ursachen sowie über moderne Diagnose- und Therapieverfahren bietet dieser Beitrag.

Inhalt

Statistik: Neuerkrankungen & Überlebenschancen in Deutschland und weltweit

Im Jahr 2020 wurde bei rund 5.300 Frauen und 9.100 Männern in Deutschland Magenkrebs diagnostiziert. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate ist mit 37 Prozent (Frauen) beziehungsweise 35 Prozent (Männer) vergleichsweise niedrig. Zwar haben sich die Überlebenschancen bei Magenkrebs zunehmend verbessert, im Vergleich zu anderen Krebsarten bleiben sie jedoch eher ungünstig.

Allerdings gilt: Seit der Jahrtausendwende gehen sowohl die Erkrankungs- als auch die Sterberaten stetig zurück. Gründe hierfür sind aller Wahrscheinlichkeit nach veränderte Ernährungsgewohnheiten sowie Fortschritte im Bereich der Diagnostik und Therapie von Magenkrebs.2

Auf der Liste der weltweit häufigsten Krebsarten rangiert Magenkrebs laut Daten der WHO auf dem fünften Rang nach Lungen-, Brust-, Darm- und Prostatakrebs.3 Insgesamt gab es im Jahr 2022 fast 969.000 Neudiagnosen, von denen rund 70 Prozent auf den asiatischen Raum entfielen und lediglich 14 Prozent auf Europa. Warum Magenkarzinome in Asien überdurchschnittlich häufig vorkommen, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, vermutlich spielt jedoch die stärkere Verbreitung des Bakteriums Helicobacter pylori eine Rolle.4

Statistik: Inzidenz und Sterberate bei Magenkrebs

Wie entsteht Magenkrebs?

Magenkrebs entsteht, wenn Magenzellen durch Mutationen entarten und sich unkontrolliert vermehren. Magenkarzinome gehen dabei zumeist von den Drüsenzellen der Magenschleimhaut aus, die die Innenwand des Magens auskleiden. Bleibt die Therapie aus, breiten sich die kranken Zellen in andere Körperbereiche aus und bilden Metastasen (Tochtergeschwülste). Bei Magenkrebs treten Metastasen am häufigsten in Leber und Lunge, im Bauchfell sowie in den Lymphknoten auf.5

Wie schnell entwickelt sich Magenkrebs? Im Allgemeinen dauert es Monate oder gar Jahre, bis aus entarteten Zellen ein Tumor entsteht.7 Damit gilt Magenkrebs als ein langsam wachsender Krebs, der sich über einen langen Zeitraum entwickeln kann, ohne dabei Symptome zu verursachen. Die langsame Entwicklung erschwert auch eine frühzeitige Diagnose. Häufig wird Magenkrebs erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt, wenn bereits Beschwerden auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren für Magenkrebs

Als wichtigster Risikofaktor für Magenkrebs gilt eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, welches zu chronischen Magenschleimhautentzündungen führen kann und das Risiko für Magenkrebs um das Dreifache erhöht. Magenschleimhautentzündungen und andere Vorerkrankungen des Magens scheinen das Erkrankungsrisiko jedoch auch dann zu erhöhen, wenn sie nicht durch Helicobacter pylori bedingt sind. Auch erbliche Faktoren spielen eine Rolle: Sind Eltern oder Geschwister erkrankt, steigt das eigene Risiko um das Zwei- bis Dreifache.

Darüber hinaus sehen Wissenschaftler:innen Zusammenhänge zwischen individuellen Ernährungsgewohnheiten12 und der Entstehung eines Magenkarzinoms. Insbesondere der häufige Verzehr stark gesalzener Speisen und ein geringer Konsum von frischem Obst und Gemüse wird dabei als kritisch angesehen. Auffällig ist zudem, dass Magenkarzinome häufig im Zusammenhang mit der sogenannten Reflux-Krankheit auftreten, bei der Magen- und Gallensäure in die Speiseröhre zurückfließen.

Weitere Risikofaktoren für bösartige Magentumore hier im Überblick:6

  • Rauchen
  • Alkohol
  • Pfeiffersches Drüsenfieber (EBV-Infektion)
  • schlecht ausheilende oder immer wiederkehrende Magengeschwüre
  • bestimmte Formen der Blutarmut (perniziöse Anämie)

Auch das Alter spielt bei Magenkrebs eine Rolle. Wie die meisten anderen Krebsarten tritt auch Magenkrebs im höheren Alter häufiger auf: Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind 70 Jahre oder älter.11

Symptome: Wie macht sich Magenkrebs bemerkbar?

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, ein Magenkarzinom zu entwickeln, für Männer höher ist als für Frauen, unterscheiden sich die Symptome bei Frauen und Männern für gewöhnlich nicht voneinander. Im Anfangsstadium verursacht ein Magentumor sehr unspezifische Symptome wie zum Beispiel:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Völlegefühl
  • Schmerzen im Oberbauch
  • neu auftretende Unverträglichkeiten

Schreitet der Krebs weiter voran, können Schluckbeschwerden, ein ungewollter Gewichtsverlust und allgemeine Leistungsschwäche hinzukommen. Färbt sich der Stuhl dunkel, deutet dies auf Blutungen im Magen-Darm-Trakt hin.

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Diagnoseverfahren bei Verdacht auf Magenkrebs

Bei der Diagnose von Magenkrebs nimmt die Magenspiegelung (Gastroskopie) eine zentrale Funktion ein. Eine kleine Kamera wird mithilfe eines dünnen Schlauchs durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt. Anschließend kann die Magenschleimhaut auf Auffälligkeiten untersucht werden. Auch die Entnahme von Gewebeproben für die anschließende mikroskopische Untersuchung ist möglich. Häufig wird auch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums durchgeführt – doch sieht man Magenkrebs im Ultraschall überhaupt? Dies ist nur bedingt der Fall: Oberflächliche Veränderungen der Magenschleimhaut sind beim Ultraschall in der Regel nicht sichtbar, Tumore und Metastasen hingegen schon.

Weitere Diagnoseverfahren bei Verdacht auf Magenkrebs in der Übersicht:

  • Überprüfung der Blutwerte
  • Computertomografie
  • endoskopischer Ultraschall
  • Bauchspiegelung

Die verschiedenen Untersuchungen dienen nicht allein der Diagnose, sondern auch der Kategorisierung des Magenkarzinoms. In neun von zehn Fällen handelt es sich um ein Adenokarzinom, das von den Drüsenzellen der Magenschleimhaut ausgeht. Plattenepithelkarzinome und undifferenzierte Karzinome sind hingegen deutlich seltener.13

Ist Magenkrebs heilbar? Therapieformen im Überblick

Magenkrebs kann in bestimmten Fällen heilbar sein. Die Heilungschancen hängen jedoch stark vom Stadium der Erkrankung bei der Diagnose ab. Frühe Stadien verlaufen meist symptomlos; doch die Prognose verschlechtert sich mit fortschreitendem Stadium der Erkrankung.

Die Behandlung von Magenkrebs wird schließlich individuell auf den bzw. die Patient:in, auf die Art des Tumors sowie auf das Krankheitsstadium zugeschnitten. Folgende Therapieformen sind unter anderem möglich:

  • Entfernung des Tumors durch chirurgischen Eingriff oder endoskopische Resektion
  • Chemotherapie, um Krebszellen im gesamten Körper abzutöten
  • Strahlentherapie (wenn eine Operation nicht möglich ist und/oder eine Chemotherapie nicht den gewünschten Erfolg zeigt)

Bei etwa 20 Prozent aller Magenkarzinome liegt eine hohe Anzahl an HER2-Rezeptoren vor. HER2-Rezeptoren sind Bindungsstellen für Wachstumsfaktoren an der Oberfläche der Tumorzellen, die diese zur Teilung anregen. Gegen HER2 gerichtete Antikörper können diesen Prozess und somit das Zellwachstum blockieren – unter Umständen kommt also für die Patient:innen eine solche zielgerichtete Antikörpertherapie infrage. Auch die Immuntherapie kann bei Magenkrebs ggf. zum Einsatz kommen. Ärzt:innen injizieren sogenannte Immuncheckpoint-Inhibitoren, die bestimmte Blockaden des Immunsystems durch Tumorzellen aufheben und es in die Lage versetzen, Krebszellen unschädlich zu machen.8

Aktuelle Entwicklungen in der Magenkrebs-Forschung

Neue Behandlungsmethoden und Wirkstoffe können die Lebensqualität von Magenkrebs-Patient:innen verbessern und ihre Lebenserwartung erhöhen. Anlass zur Hoffnung gibt beispielsweise ein chimärer monoklonaler IgG1-Antikörper, der 2024 in Europa zugelassen wurde. Er bindet zielgerichtet Epitope des Proteins Claudin-18.2 auf der Oberfläche von Tumorzellen. Das führt zur Aktivierung des Immunsystems und induziert den Zelltod der Krebszellen. Im Rahmen einer Antikörpertherapie kann der Wirkstoff laut Studiendaten das Leben von Patient:innen mit fortgeschrittenem Magenkarzinom verlängern.9

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Quellen:

  1. Die 10 schlimmsten Krebsarten

  2. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Magenkrebs/magenkrebs_node.html

  3. https://gco.iarc.who.int/media/globocan/factsheets/cancers/7-stomach-fact-sheet.pdf

  4. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65130/Krebs-In-aermeren-Laendern-haeufiger-in-reicheren-Laendern-seltener

  5. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/magenkrebs/magenkrebs-erkrankungsverlauf.html

  6. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/magenkrebs/magenkrebs-ursache-und-risikofaktoren.html

  7. https://www.krebsinformationsdienst.de/magenkrebs/symptome

  8. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/magenkrebs/magenkrebs-therapie.html

  9. https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/neuer-wirkstoff-kann-das-ueberleben-mit-magenkrebs-verlaengern-2024-10-14

  10. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/news/immuntherapie-bei-fortgeschrittenem-magenkrebs-in-der-erstbehandlung.html

  11. https://www.usz.ch/krankheit/magenkrebs/

  12. Krebsprävention: Worauf es wirklich ankommt

  13. https://www.krebsinformationsdienst.de/magenkrebs/diagnostik

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