Leberkrebs (hepatozelluläre Karzinom , HCC) ist oft mit einer vorhandenen Leberzirrhose verbunden. Symptome treten oft erst in einem späten Krankheitsstadium auf. ©iStock.com / peterschreiber.media
Leberkrebs (hepatozelluläre Karzinom , HCC) ist oft mit einer vorhandenen Leberzirrhose verbunden. Symptome treten oft erst in einem späten Krankheitsstadium auf. ©iStock.com / peterschreiber.media

Leberkrebs: Ursachen, Symptome und moderne Therapieansätze

Leberkrebs, das sogenannte hepatozelluläre Karzinom (HCC), ist zwar relativ selten, zählt aber aufgrund der eher schlechten Prognose zu den Krebsarten, die am häufigsten tödlich verlaufen. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Entstehung, Ursachen und Symptome von Leberkrebs sowie Therapieansätze, die Hoffnung für Patient:innen bieten können.

Inhalt

Wie häufig tritt Leberkrebs auf – in Deutschland und weltweit?

Im Jahr 2020 erkrankten laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten1 rund 3.000 Frauen und etwa 6.700 Männer an Leberkrebs . Vermutet wird, dass Männer zu einer weniger gesundheitsbewussten Lebensweise (unausgewogene Ernährung, erhöhter Alkoholkonsum) neigen und daher häufiger von einem Leberkarzinom betroffen sind – gänzlich geklärt werden konnte dies wissenschaftlich jedoch noch nicht.

Weltweit erkrankten 2022 laut WHO2 866.100 Menschen neu an einem Leberkarzinom, rund 759.000 Personen starben in diesem Jahr, was einer Mortalitätsrate von 7,4 entspricht. Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Leberkrebs hängt dabei fast immer vom Zeitpunkt der Diagnose ab.

Statistik: Inzidenz und Sterberate bei Leberkrebs

Wie kommt es zur Entstehung eines Leberkarzinoms?

Ein Leberkarzinom entsteht durch genetische Veränderungen, genauer gesagt durch Mutationen in den Genen der Leberzellen. Es kommt zu einem unkontrollierten Zellwachstum und letztlich zur Ausbreitung der krankhaft veränderten Zellen in andere Körperbereiche in Form von Metastasen – bei einem Leberkarzinom vorrangig in die Lunge, die Nebennieren und das Gehirn.3, 10

In den meisten Fällen ist die Entstehung eines Leberkarzinoms mit einer bereits vorhandenen Leberzirrhose verbunden. Diese entsteht durch einen narbigen Umbau des Lebergewebes. Bei der Zirrhose wird gesundes Lebergewebe zunehmend durch Narbengewebe ersetzt, was die Funktionsfähigkeit der Leber stark beeinträchtigt. In diesem geschädigten und vernarbten Gewebe können sich dann leichter Krebszellen bilden, die zum hepatozellulären Karzinom führen können.3

So entsteht ein Leberkarzinom3, 11, 12:

  1. Schädigung der Leberzellen
    Faktoren wie chronische Virusinfektionen oder übermäßiger Alkoholkonsum führen zu einer ständigen Belastung und Schädigung der Leberzellen.

  2. Entzündung und Vernarbung
    Als Reaktion auf die Schädigung entsteht eine chronische Entzündung in der Leber. Der Körper versucht, das geschädigte Gewebe zu reparieren, was zu Vernarbungen führt.

  3. Genetische Veränderungen
    Durch die ständige Schädigung und den Reparaturprozess kommt es zu genetischen Veränderungen in den Leberzellen. Wichtige Gene, die normalerweise das Zellwachstum kontrollieren, können beschädigt werden. Diese Veränderungen können dazu führen, dass die Zellen sich unkontrolliert teilen.

  4. Unkontrolliertes Zellwachstum
    Die genetisch veränderten Zellen beginnen, sich schneller zu teilen als normale Zellen. Sie reagieren nicht mehr auf die üblichen Wachstumssignale und Bremsmechanismen des Körpers. Dies führt zur Bildung von Tumorzellen.

  5. Tumorbildung
    Die sich schnell teilenden Zellen bilden Klumpen oder Knoten in der Leber. Diese Ansammlungen von abnormalen Zellen bilden den Tumor. In diesem Stadium spricht man von einem Leberkarzinom.

  6. Gefäßbildung, Wachstum und Metastasierung
    In fortgeschrittenen Stadien können sich Krebszellen vom Haupttumor lösen und über die Blutbahn oder das Lymphsystem in andere Teile des Körpers gelangen. Dort können sie neue Tumoren bilden (Metastasen).

Ursachen & Risikofaktoren

Mutationen bei der Teilung von Leberzellen können prinzipiell bei jedem Menschen auftreten. Es gibt jedoch Faktoren, die das Risiko für ein Leberkarzinom erhöhen. Dazu zählt insbesondere langfristiger und übermäßiger Alkoholkonsum. Ein weiterer Risikofaktor ist die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD). Diese entsteht, wenn sich übermäßig viel Fett in der Leber ansammelt, ohne dass der Alkoholkonsum erhöht ist. Ursachen können sein:

Darüber hinaus können chronische Hepatitis-Infektionen (B und C) sowie Stoffwechselstörungen wie die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) und die Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson) zur Entstehung eines Leberkarzinoms beitragen. Nicht zuletzt gilt: Das Risiko für Leberkrebs ist im Alter höher.3

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Was sind die Symptome von Leberkrebs?

Das Fatale an einem Leberkarzinom ist, dass Symptome meist erst in einem späten Krankheitsstadium auftreten – denn Veränderungen an der Leber verursachen zunächst einmal keine Schmerzen.

Im frühen Stadium klagen Betroffene häufig über eine allgemeine Müdigkeit und Schwäche. Außerdem kann es zu Appetitlosigkeit und einem unerklärlichen Gewichtsverlust kommen. Mitunter treten auch Verdauungsprobleme auf. Die Leberkrebs Symptome bei der Frau und die Leberkrebs Symptome beim Mann unterscheiden sich in der Regel nicht.

Mögliche Symptome im fortgeschrittenen Stadium beziehungsweise Leberkrebs-Endstadium-Anzeichen sind:

  • Schmerzen im rechten Oberbauch
  • anhaltendes leichtes Fieber
  • Gelbsucht

Da einige dieser Anzeichen auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, ist es wichtig, die genauen Ursachen frühzeitig medizinisch abklären zu lassen.4

Wie wird Krebs in der Leber diagnostiziert?

Eine körperliche Untersuchung in Kombination mit einer ausführlichen Anamnese steht immer am Beginn jeder Diagnostik. In der Regel folgt eine Untersuchung der Blutwerte/Leberwerte. Tumormarker bei Leberkrebs sind AFP (Alpha-Fetoprotein) und DCP (Des-Gamma-Carboxyprthrombin).

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT und MRT kommen bei der Diagnose von Leberkrebs ebenfalls zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe können Größe und Lage des Tumors bestimmt oder strukturelle Auffälligkeiten im Gewebe der Leber erkannt werden.

Bei Verdacht auf Leberkrebs wird eine Leberbiopsie durchgeführt, um die Diagnose eindeutig zu bestätigen. Dabei wird eine Probe aus dem Lebergewebe entnommen und labortechnisch untersucht.5

Ist Leberkrebs heilbar? Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Leberkrebs, ein Todesurteil? Heute gilt: Im frühen Stadium ist eine Heilung möglich. Und auch für spätere Stadien gibt es inzwischen moderne Behandlungsmethoden, die die Lebensqualität der Patient:innen verbessern und die Lebenserwartung erhöhen. Trotzdem ist die Prognose oft eher ungünstig.

Ist der Tumor noch klein genug, ist eine Leberteilentfernung (Resektion) häufig der erste Behandlungsschritt. In fortgeschrittenem Stadium benötigen Betroffene eine Lebertransplantation.

Neben operativen Verfahren kommen in der täglichen Praxis auch gezielte lokale Verfahren zum Einsatz:6

  • die Radiofrequenzablation (RFA), bei der der Tumor mithilfe von hochfrequenten Radiowellen zerstört wird
  • die Mikrowellenablation (MWA), die wie die RFA funktioniert, aber mit Mikrowellen
  • die Transarterielle Chemoembolisation (TACE), bei der Chemotherapeutika direkt in die Blutgefäße des Tumors injiziert werden
  • die Transarterielle Radioembolisation (TARE), bei der radioaktive Partikel in den Tumor gebracht werden, um ihn am weiteren Wachstum zu hindern

Darüber hinaus haben sich externe Strahlentherapien bei der Behandlung von Leberkrebs bewährt, darunter die Stereotaktische Strahlenbehandlung (SBRT) und die Protonentherapie. Nicht zuletzt existieren heute wirksame Medikamente, die in der Lage sind, das Tumorwachstum zu hemmen, darunter Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI). Auch Immuntherapien und Antikörpertherapien sind zur Behandlung von Leberkrebs zugelassen.

Neue Forschungsansätze gegen Leberkrebs

Die Immuntherapie9 zählt zu den vielversprechendsten Forschungsansätzen im Kampf gegen Leberkrebs, wobei Wissenschaftler:innen beständig Fortschritte machen. Eine Reihe unterschiedlicher Immuntherapeutika befindet sich als Mono- oder Kombinationstherapie in klinischen Studien.

Allerdings wirken Immuntherapien nicht bei allen Patient:innen. Anhand breit angelegter Studien untersuchen Forscher:innen nun, wie die Beschaffenheit des Tumors den Therapieerfolg beeinflusst, um die richtigen Patient:innen für die Immuntherapie herauszufiltern.7, 8

Dass Innovationen wie die Immuntherapie die Lebensqualität und die Überlebensrate verbessern können, hat sich bereits bei mehreren Krebsarten gezeigt. Die Hoffnung ist daher auch für Patient:innen mit Leberkrebs groß.

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Quellen:

  1. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Leberkrebs/leberkrebs_node.html

  2. https://gco.iarc.who.int/media/globocan/factsheets/cancers/11-liver-and-intrahepatic-bile-ducts-fact-sheet.pdf

  3. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/risiko-und-ursache.html

  4. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/symptome.html

  5. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/diagnose.html

  6. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/therapie.html

  7. https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2021/dkfz-pm-21-18-Leberkrebs-Bei-welchen-Patienten-wirkt-die-Immuntherapie.php

  8. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/news/immuntherapie-bei-fortgeschrittenem-leberkrebs-langfristig-vorteilhaft.html

  9. Krebs-Immuntherapie: Das konnte niemand ahnen

  10. Was sind Metastasen?

  11. https://kompass-leberkrebs.de/ursachen/

  12. https://gesund.bund.de/leberkrebs

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