Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
- Leberkrebs (HCC) ist relativ selten, aber oft tödlich, da die Erkrankung meist spät erkannt wird.
- Häufig entsteht er auf dem Boden einer Leberzirrhose, begünstigt durch Alkohol, Fettleber (NAFLD), Hepatitis B/C oder Stoffwechselerkrankungen.
- Frühe Symptome sind unspezifisch (Müdigkeit, Gewichtsverlust), Beschwerden wie Oberbauchschmerz oder Gelbsucht treten oft erst spät auf.
- Therapieoptionen reichen von Resektion und Transplantation bis zu lokalen Verfahren, Strahlentherapie und medikamentösen Behandlungen.
- Immuntherapien und zielgerichtete Therapien gelten als vielversprechende Forschungsansätze, um Prognose und Lebensqualität zu verbessern.
Wie häufig tritt Leberkrebs auf – in Deutschland und weltweit?
Im Jahr 2020 erkrankten laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten1 rund 3.000 Frauen und etwa 6.700 Männer an Leberkrebs . Vermutet wird, dass Männer zu einer weniger gesundheitsbewussten Lebensweise (unausgewogene Ernährung, erhöhter Alkoholkonsum) neigen und daher häufiger von einem Leberkarzinom betroffen sind – gänzlich geklärt werden konnte dies wissenschaftlich jedoch noch nicht.
Weltweit erkrankten 2022 laut WHO2 866.100 Menschen neu an einem Leberkarzinom, rund 759.000 Personen starben in diesem Jahr, was einer Mortalitätsrate von 7,4 entspricht. Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Leberkrebs hängt dabei fast immer vom Zeitpunkt der Diagnose ab.
Wie kommt es zur Entstehung eines Leberkarzinoms?
Ein Leberkarzinom entsteht durch genetische Veränderungen, genauer gesagt durch Mutationen in den Genen der Leberzellen. Es kommt zu einem unkontrollierten Zellwachstum und letztlich zur Ausbreitung der krankhaft veränderten Zellen in andere Körperbereiche in Form von Metastasen – bei einem Leberkarzinom vorrangig in die Lunge, die Nebennieren und das Gehirn.3, 10
In den meisten Fällen ist die Entstehung eines Leberkarzinoms mit einer bereits vorhandenen Leberzirrhose verbunden. Diese entsteht durch einen narbigen Umbau des Lebergewebes. Bei der Zirrhose wird gesundes Lebergewebe zunehmend durch Narbengewebe ersetzt, was die Funktionsfähigkeit der Leber stark beeinträchtigt. In diesem geschädigten und vernarbten Gewebe können sich dann leichter Krebszellen bilden, die zum hepatozellulären Karzinom führen können.3
So entsteht ein Leberkarzinom3, 11, 12:
- Schädigung der Leberzellen
Faktoren wie chronische Virusinfektionen oder übermäßiger Alkoholkonsum führen zu einer ständigen Belastung und Schädigung der Leberzellen. - Entzündung und Vernarbung
Als Reaktion auf die Schädigung entsteht eine chronische Entzündung in der Leber. Der Körper versucht, das geschädigte Gewebe zu reparieren, was zu Vernarbungen führt. - Genetische Veränderungen
Durch die ständige Schädigung und den Reparaturprozess kommt es zu genetischen Veränderungen in den Leberzellen. Wichtige Gene, die normalerweise das Zellwachstum kontrollieren, können beschädigt werden. Diese Veränderungen können dazu führen, dass die Zellen sich unkontrolliert teilen. - Unkontrolliertes Zellwachstum
Die genetisch veränderten Zellen beginnen, sich schneller zu teilen als normale Zellen. Sie reagieren nicht mehr auf die üblichen Wachstumssignale und Bremsmechanismen des Körpers. Dies führt zur Bildung von Tumorzellen. - Tumorbildung
Die sich schnell teilenden Zellen bilden Klumpen oder Knoten in der Leber. Diese Ansammlungen von abnormalen Zellen bilden den Tumor. In diesem Stadium spricht man von einem Leberkarzinom. - Gefäßbildung, Wachstum und Metastasierung
In fortgeschrittenen Stadien können sich Krebszellen vom Haupttumor lösen und über die Blutbahn oder das Lymphsystem in andere Teile des Körpers gelangen. Dort können sie neue Tumoren bilden (Metastasen).
Ursachen & Risikofaktoren
Mutationen bei der Teilung von Leberzellen können prinzipiell bei jedem Menschen auftreten. Es gibt jedoch Faktoren, die das Risiko für ein Leberkarzinom erhöhen. Dazu zählt insbesondere langfristiger und übermäßiger Alkoholkonsum. Ein weiterer Risikofaktor ist die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD). Diese entsteht, wenn sich übermäßig viel Fett in der Leber ansammelt, ohne dass der Alkoholkonsum erhöht ist. Ursachen können sein:
- Übergewicht (insbesondere Bauchfett)
- Bewegungsmangel
- hoher Konsum von Zucker und gesättigten Fetten
- Diabetes Typ 2
- Bluthochdruck
Darüber hinaus können chronische Hepatitis-Infektionen (B und C) sowie Stoffwechselstörungen wie die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) und die Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson) zur Entstehung eines Leberkarzinoms beitragen. Nicht zuletzt gilt: Das Risiko für Leberkrebs ist im Alter höher.3
Aktuelle News zum Thema Krebs

Krebs zurückgedrängt: „Ich bin hier, weil es die CAR-T-Zelltherapie gibt.“
CAR-T-Zelltherapien können das Leben von Menschen mit hochaggressiven Blutkrebserkrankungen auf den Kopf stellen, zunehmend sogar Hoffnung auf Heilung geben. So wie bei Jan Leidecker, der seine bewegende Geschichte auf dem „CAR-T Congress 2026“ des LAWG Deutschland e.V. in Berlin erzählte. Dort kamen Patient:innen und Fachleute aus Medizin, Wissenschaft, Industrie und Kostenträgern zusammen, um über das Potenzial dieser besonderen Behandlungsform zu sprechen. Alle waren sich einig: Im deutschen Gesundheitssystem muss sich einiges ändern, damit die Versorgung besser wird – und die Bundesrepublik beim medizinischen Fortschritt mithält.

Weniger Klinikbesuche, mehr Sicherheit: Digitale Lösungen für Brustkrebspatientinnen
Brustkrebs ist heute oft gut behandelbar. Selbst im metastasierten Stadium können die Patien:tinnen häufig noch viele Jahre mit der fortgeschrittenen Erkrankung leben. Moderne Therapien machen jedoch eine engmaschige medizinische Betreuung erforderlich. Die zahlreichen Klinikbesuche stellen für Betroffene und ihre Angehörigen eine erhebliche Belastung dar. Digitale Lösungen sollen hier unterstützen, Wege reduzieren und zugleich die Sicherheit erhöhen. Ein Interview mit Nicolas Weber, Head Innovation & Activation beim forschenden Pharmaunternehmen Novartis Deutschland.

Intelligentes Trio: Antikörper-Wirkstoff-Konjugate gegen Krebs
Wer heute über die wichtigsten Innovationsmotoren in der Onkologie nachdenkt, kommt an ihnen nicht vorbei: Antikörper-Wirkstoff-Konjugate; kurz: ADCs. Sie verändern spürbar, wie Krebs behandelt wird, denn sie verbinden die Zielgenauigkeit von Antikörpern mit der Kraft hochpotenter Chemotherapien. Im bayerischen Pfaffenhofen entsteht zurzeit ein Zentrum zu Entwicklung und Herstellung dieser Präparate. Das Ziel: Das Leben von Menschen mit Krebserkrankungen nachhaltig zu verändern.
Was sind die Symptome von Leberkrebs?
Das Fatale an einem Leberkarzinom ist, dass Symptome meist erst in einem späten Krankheitsstadium auftreten – denn Veränderungen an der Leber verursachen zunächst einmal keine Schmerzen.
Im frühen Stadium klagen Betroffene häufig über eine allgemeine Müdigkeit und Schwäche. Außerdem kann es zu Appetitlosigkeit und einem unerklärlichen Gewichtsverlust kommen. Mitunter treten auch Verdauungsprobleme auf. Die Leberkrebs Symptome bei der Frau und die Leberkrebs Symptome beim Mann unterscheiden sich in der Regel nicht.
Mögliche Symptome im fortgeschrittenen Stadium beziehungsweise Leberkrebs-Endstadium-Anzeichen sind:
- Schmerzen im rechten Oberbauch
- anhaltendes leichtes Fieber
- Gelbsucht
Da einige dieser Anzeichen auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, ist es wichtig, die genauen Ursachen frühzeitig medizinisch abklären zu lassen.4
Wie wird Krebs in der Leber diagnostiziert?
Eine körperliche Untersuchung in Kombination mit einer ausführlichen Anamnese steht immer am Beginn jeder Diagnostik. In der Regel folgt eine Untersuchung der Blutwerte/Leberwerte. Tumormarker bei Leberkrebs sind AFP (Alpha-Fetoprotein) und DCP (Des-Gamma-Carboxyprthrombin).
Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT und MRT kommen bei der Diagnose von Leberkrebs ebenfalls zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe können Größe und Lage des Tumors bestimmt oder strukturelle Auffälligkeiten im Gewebe der Leber erkannt werden.
Bei Verdacht auf Leberkrebs wird eine Leberbiopsie durchgeführt, um die Diagnose eindeutig zu bestätigen. Dabei wird eine Probe aus dem Lebergewebe entnommen und labortechnisch untersucht.5
Ist Leberkrebs heilbar? Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Leberkrebs, ein Todesurteil? Heute gilt: Im frühen Stadium ist eine Heilung möglich. Und auch für spätere Stadien gibt es inzwischen moderne Behandlungsmethoden, die die Lebensqualität der Patient:innen verbessern und die Lebenserwartung erhöhen. Trotzdem ist die Prognose oft eher ungünstig.
Ist der Tumor noch klein genug, ist eine Leberteilentfernung (Resektion) häufig der erste Behandlungsschritt. In fortgeschrittenem Stadium benötigen Betroffene eine Lebertransplantation.
Neben operativen Verfahren kommen in der täglichen Praxis auch gezielte lokale Verfahren zum Einsatz:6
- die Radiofrequenzablation (RFA), bei der der Tumor mithilfe von hochfrequenten Radiowellen zerstört wird
- die Mikrowellenablation (MWA), die wie die RFA funktioniert, aber mit Mikrowellen
- die Transarterielle Chemoembolisation (TACE), bei der Chemotherapeutika direkt in die Blutgefäße des Tumors injiziert werden
- die Transarterielle Radioembolisation (TARE), bei der radioaktive Partikel in den Tumor gebracht werden, um ihn am weiteren Wachstum zu hindern
Darüber hinaus haben sich externe Strahlentherapien bei der Behandlung von Leberkrebs bewährt, darunter die Stereotaktische Strahlenbehandlung (SBRT) und die Protonentherapie. Nicht zuletzt existieren heute wirksame Medikamente, die in der Lage sind, das Tumorwachstum zu hemmen, darunter Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI). Auch Immuntherapien und Antikörpertherapien sind zur Behandlung von Leberkrebs zugelassen.
Neue Forschungsansätze gegen Leberkrebs
Die Immuntherapie9 zählt zu den vielversprechendsten Forschungsansätzen im Kampf gegen Leberkrebs, wobei Wissenschaftler:innen beständig Fortschritte machen. Eine Reihe unterschiedlicher Immuntherapeutika befindet sich als Mono- oder Kombinationstherapie in klinischen Studien.
Allerdings wirken Immuntherapien nicht bei allen Patient:innen. Anhand breit angelegter Studien untersuchen Forscher:innen nun, wie die Beschaffenheit des Tumors den Therapieerfolg beeinflusst, um die richtigen Patient:innen für die Immuntherapie herauszufiltern.7, 8
Dass Innovationen wie die Immuntherapie die Lebensqualität und die Überlebensrate verbessern können, hat sich bereits bei mehreren Krebsarten gezeigt. Die Hoffnung ist daher auch für Patient:innen mit Leberkrebs groß.
Weitere Hintergrundinfos zum Thema Krebs

Krebs Ursachen & Risikofaktoren
2022 erkrankten weltweit etwa 20 Millionen Menschen an Krebs. Tendenz steigend. 2050 werden wahrscheinlich schon mehr als 30 Millionen Neudiagnosen jährlich zu verzeichnen sein.6 Dabei ist fast jede zweite Krebserkrankung, zumindest in Deutschland, vermeidbar.8

Lungenkrebs im Fokus: Symptome, Ursachen & neueste Forschungsansätze
Lungenkrebs, das sogenannte Lungen- oder Bronchialkarzinom, ist weltweit die häufigste Krebsart und steht auch auf der Liste der tödlichsten Krebsarten auf dem ersten Rang. Doch woran liegt das? Was sind typische Symptome, anhand derer man Lungenkrebs erkennen kann? Und welche modernen Forschungsergebnisse bieten Hoffnung auf Heilung?

Krebs Scan
Eine frühe Diagnose erhöht die Heilungschancen im Falle einer Krebserkrankung deutlich. Auch die Behandlung ist oftmals schonender, wenn der Tumor noch klein ist und noch keine Metastasen gebildet hat. Krebs Scans, also Untersuchungen zur Früherkennung, nehmen daher in der modernen Medizin einen hohen Stellenwert ein.
Quellen:
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Leberkrebs/leberkrebs_node.html
https://gco.iarc.who.int/media/globocan/factsheets/cancers/11-liver-and-intrahepatic-bile-ducts-fact-sheet.pdf
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/risiko-und-ursache.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/symptome.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/diagnose.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/therapie.html
https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2021/dkfz-pm-21-18-Leberkrebs-Bei-welchen-Patienten-wirkt-die-Immuntherapie.php
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/news/immuntherapie-bei-fortgeschrittenem-leberkrebs-langfristig-vorteilhaft.html
https://kompass-leberkrebs.de/ursachen/
https://gesund.bund.de/leberkrebs
